Zurück in die Tennis-Zukunft

„I like the way you move“ hallte es über den Center Court, als Pat Cash eine Vorhand gekonnt über das Netz setzte. Jedoch nicht vom Band – Henri Leconte hatte dem Schiedsrichter den Hochstuhl geklaut und untermalte das Doppel-Duell zwischen Rainer Schüttler/Marc-Kevin Goellner gegen Ivan Lendel und Cash mit seinen eigenen, gewohnt süffisanten Worten. Und stahl den Spielern damit fast die Show.

Der 51-jährige Franzose war wie zu seiner besten Zeit fast ein Alleinunterhalter, als am Wochenende die Tennis-Legenden vergangener Tage beim Charity-Cup im Rochusclub aufschlugen. Und obwohl das Wetter den Veranstaltern ein bisschen die Suppe versalzte, fanden 6000 Zuschauer den Weg zum Grafenberger Wald. Diese sollten ihr Kommen nicht bereuen – ein Muskelkater im Zwerchfell Bauch war dank des „Tennis-Clowns“ aus Frankreich inklusive.

Keine Eisklötze, keine Roboter

Initiator Horst Klosterkemper nennt einen guten Grund, warum die Stars von früher noch immer so viele Zuschauer locken: „Den Spielern von heute fehlen oft nicht nur Ecken und Kanten. Bei den Legenden spürt man, dass sie mit den guten und schlechten Bällen mitleiden und sich freuen. Und es sind keine Eisschränke auf dem Platz, keine Roboter, sondern eben Spieler, die für den Sport leben, lieben und leiden.“ Die Bedeutung dessen bringt Klosterkemper ebenso auf den Punkt: „Die Legenden haben gezeigt, wie viel Atmosphäre sie auf den Platz bringen können. Dies ist das Wichtigste, damit das Publikum sich daran erwärmen und erfreuen kann. Das wiederum macht die Sponsoren froh und diese brauchen wir für den guten Zweck.“

Durch den Zuspruch an Gönnern konnte der gesamte Erlös der Tickets an das Rote Kreuz gehen, das Spenden für die Arbeit mit Demenzkranken sammelt. Gemeinsam mit Versteigerungen von Schlägern von Roger Federer und Pat Cash und einem Werk von Fotograf Andreas Gursky kamen allein dadurch beim Charity Cup rund 130 000 Euro für den guten Zweck zusammen.

Wohlgleich zeigten die Tennis-Legenden, dass sie das Können am Racket nicht verlernt haben. Ein ums andere Mal konnte beispielsweise Michael Stich seinen Gegner Cash mit einem Passierball düpieren – ganz wie bei seinem größten Erfolg 1991, als der Hamburger in Wimbledon seinen einzigen Grand-Slam-Erfolg feierte – mit einem Endspiel-Sieg über Boris Becker. „Wir Spieler wissen die Wertschätzung, die die Fans uns entgegenbringen sehr, sehr zu schätzen und sind dankbar dafür. Es ist auch für uns ein Stücken Vergangenheit und wir sehen, dass unser Tennis noch Anklang findet“, betont Stich daher auch bei seinem Abschied vom Platz. „Es macht einen riesen Spaß, vor unseren alten Fans zu spielen. Deswegen kommen wir auch alle her. Ein Riesendank, das der Rochusclub mit Initiator Horst Klosterkemper das auf die Beine gestellt hat.“

Denn Anfang des Jahres sah es lange danach aus, dass nach 88 Jahren Tennis am Rolander Weg eine Erfolgsgeschichte zu Ende sein würde.

Seit 1927 wurden alljährlich stets internationale Turniere in Düsseldorf-Grafenberg ausgetragen. Ausnahmen waren die Weltwirtschaftskrise (1931 und 1932), die Olympischen Spiele in Berlin (1936) und der 2. Weltkrieg (1940 bis 1948). Von 1971 bis 1977 liefen Grand-Prix-Turniere. Es folgte ab 1987 der World Team Cup unter der Sonnenmilchmarke Ambre Solaire, in den ersten vier Jahren als Nations Cup. Peugeot übernahm 1987, die ARAG dann ab 2000 für elf Turniere. Die allergrößten waren da. Zumindest bis in die 2000er-Jahre hinein. McEnroe, Lendl, Borg, Connors, Sampras, Stich. Natürlich Boris Becker, der auch nach seiner aktiven Karriere gern kam.

Eine Wiederholung erwünscht

Die österreichische Getränkemarke Power Horse stieg 2011 ein, ehe das Turnier im Oktober 2012 als WM abgesetzt wurde. Und das langsame Aus von Profi-Tennis im Grafenberger Wald deutete sich an. Nach dem 250-er Turnier „Power Horse Cup“ im Jahr 2013 schlossen sich 2014 noch die Düsseldorf Open an - als einmalige Abschiedsvorstellung. Letzter Turniersieger im Rochusclub ist Philipp Kohlschreiber. Der Augsburger triumphierte am 24. Mai 2014 mit 6:2, 7:6 über Ivo Karlovic.

Nun folgte überraschend der Charity-Cup. Doch wird auch dieser eine Eintagsfliege wie sein Vorgänger? Wenn es nach Initiator Horst Klosterkemper geht, soll es im nächsten Jahr eine Wiederholung geben – wenn, ja wenn, die finanzielle Unterstützung der Sponsoren dies weiter zulässt. Dann könnte vielleicht John McEnroe auf der roten Asche aufschlagen und wie am vergangenen Wochenende Henri Leconte für Furore sorgen. Seine Wutausbrüche sind den Fans noch bestens in Erinnerung. Oder auch ein guter alter Bekannter Klosterkempers in Person von Stefan Edberg. Der erspielte in seiner Karriere über 20 Millionen US-Dollar und konnte mit Schweden 1988, 1991, 1995 gleich dreimal den World Team Cup gewinnen.