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Fortunas verrücktes Fußballjahr 2012

Von „Rotzlöffeln“ und einem „Hooligan“

26.12.2012 | 19:00 Uhr
Von „Rotzlöffeln“ und einem „Hooligan“
Da war was los! Sascha Rösler, Schwalben und Eintracht Frankfurt waren im Februar eine explosive Mixtur.Foto: Uwe Schaffmeister

  Für Fußball-Bundesliga-Rückkehrer Fortuna Düsseldorf war’s ein atemberaubendes Jahr 2012. Vermutlich sogar das verrückteste Jahr der Vereinsgeschichte. Die NRZ erinnert an die kuriosen Höhepunkte und Tiefschläge.

Fortuna Düsseldorf 2012 – ein verrückteres Kalenderjahr dürfte es aus rot-weißer Fußballsicht wohl noch nie gegeben haben. Der mehr als dreimonatige Nachschlag zum Relegationsrückspiel gegen Hertha BSC Berlin bildete nur die Spitze des Schlagzeilen-Stakkatos, den die NRZ in drei Teilen allen Anhängern noch einmal in Erinnerung ruft.

Januar

Auch ohne Pflichtspiel gab es eine Menge zu schreiben. Der Tunesier Karim Aoudahi machte nach nur einer Einsatzminute in Liga zwei gegen 1860 München den vorzeitigen Abflug – in die Heimat zu Esperance Tunis, dem späteren Champions-League-Sieger Afrikas. Dafür kam Timo Furuholm aus Turku-/Finnland. Und der polnische EM-Kicker Adam Matuschyk auf Leihbasis aus Köln. Der Iraner Sheys Rezani Khonakdar (Persepolis Teheran) übte vergeblich mit.

Tomislav Barbaric blieb gar nur eine Nacht im Trainingslager in Estepona/Südspanien. Wegen einer verschleppten Viruserkrankung, so die offizielle Version, schickte Fortuna den Defensivkicker von Dinamo Zagreb wieder nach Kroatien. Später wechselte der Kroate zu Erstliga-Konkurrent Istra Pula.

18 Dollar für eine Flasche Wasser

Es wurden auch Geheimnisse gelüftet. Maximilian Beister spielt mit verzierten Schienbeinschonern. Links ist stets per Portrait der verstorbene Opa dabei, rechts „Maxis“ Schwester. Sportvorstand Wolf Werner erinnert sich beim Afrika-Cup-Studium an eine Mönchengladbach-Tour in den Gabun im Jahr 1998: „Da haben die uns für eine Flasche Wasser achtzehn US-Dollar abgenommen.“

Sportlicher Höhepunkt war nicht etwa der Wintercup-Heimsieg nach Elfmeterschießen über Borussia Dortmund. Haften blieb das Testmatch gegen Viertligist UD Marbella. Jose Mari verpasste Provokateur Beister einen Leberhaken. Bei der folgenden kleinen Keilerei mischt auch der Fortuna-Co-Trainer mit. Was die Fans zu Sprechchören animinerte: „Uwe Klein, Hoo-li-gan!“

Februar

Königs nach Münster, Grimaldi nach Sandhausen, Fortuna nach Sibirien – zumindest, was die Temperaturen anbetraf. Beim 1:1 in Ingolstadt wurde knapp über der Grasnarbe minus 16,2 Grad Celsius gemessen. Da waren sogar Thermosflaschen auf der Tribüne erlaubt. Im Aufsichtsrat löste Ex-Air-Berlin-Chef Achim Hunold den umstrittenen Kick-Boss Stefan Heinig ab.

Apropos: Sascha Röslers Art der Kickerei kam nicht überall gut an. Ein gewisser Armin Veh regte sich rund um das Montagabend-1:1 in der Arena mehr als einmal auf. „Mir geht es auf den Keks, dass da ein Spieler so theatralisch ist“, erklärte Eintracht Frankfurts Cheftrainer. Geriet dann mit dem Gescholtenen in der Nachspielzeit so arg aneinander, dass beide Streithähne die Rote Karte sahen. Veh hatte danach keinen Bock mehr auf die Pressekonferenz nach dem Match, legte am Tag darauf aber in Frankfurt noch den „Rotzlöffel“ für Rösler obendrauf. Auch wenn es zu diesem Zeitpunkt niemand ahnte: Rösler Nerv war getroffen, die Referee-Gilde alarmiert. „Die ,Methode Frankfurt’“, erklärte Coach Norbert Meier Monate später, „hat tatsächlich funktioniert. Da konnte man nur gratulieren.“

März

Fortuna geriet sportlich ins Trudeln. Wie auch Aufsichtsratsmitglied Heinrich Pröpper. Der legte nach seinem Rücktritt als IDR-Chef auch sein Mandat bei Fortuna nieder. Damit trat das ein, was die Mitglieder in den beiden Jahren zuvor nicht erreicht hatten: den „Fortuna-Aufpasser“ des Rathauses aus dem Amt zu diskutieren!

Die Kicker brauchen Glück, um nicht ins komplette Tief zu stürzen. Beispielsweise beim 1:1 in Cottbus. Oder beim gleichen Resultat zu Hause gegen Braunschweig, als Jens Langeneke einen Foulelfmeter verschoss. Und die Gäste kurz vor Schluss nur die Unterkante der Fortuna-Querlatte trafen.

Der veröffentliche Wechsel von Ronny Garbuschewski zur Fortuna im Sommer brachte dem Mittelfeldkicker beim Chemnitzer FC Klassenkeile ein. Das hatte Fortuna-Rückkehrer Axel Bellinghausen beim FC Augsburg nicht zu befürchten. Die Fuggerstädter wollten den Blondschopf erst nicht behalten, versuchten dann die Rolle rückwärts, nachdem die Fans ihrem Leistungsträger plakative Liebesbeweise entgegengebracht hatten. Doch „Bello“ hatte sich schon auf die Rückkehr in Rheinland eingestellt.

April

Fortuna zerrte weiter an den Nerven. Nein, nicht mehr an jenen von Frankfurts Trainer Armin Veh. Beim lahmen 0:0 im Heimspiel gegen den FC St. Pauli hatte der Herr Zambrano seine gute Kinderstube auf der Reeperbahn gelassen. Sascha Rösker bekam einen herzhaften Spucker aufs Trikot ab. Betreuer Aleks Spengler musste das Jersey doppelt waschen.

Blattschuss von Ken Ilsø

Fortuna taumelte sich geradezu in den finalen Spieltag der 2. Fußball-Bundesliga. Blamierte sich beim 1:2 in Rostock, brauchte einen Jovanovic-Siegtreffer gegen den FSV Frankfurt, strauchelte 1:2 in Dresden, siegte 2:1 mit einer Harakiri-Dreierkette gegen Union Berlin. Und spielte sich mit einen superglücklichen Blattschuss von Ken Ilsø beim 1:1 in Fürth die Aufstiegstrümpfe doch noch in die Hand.

Michael Ryberg



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