Von der (fast) stärksten zweiten Liga der Welt

23 500 verkaufte Dauerkarten sprechen dafür, dass Fortuna mit den Fans auch in Liga zwei rechnen darf.
23 500 verkaufte Dauerkarten sprechen dafür, dass Fortuna mit den Fans auch in Liga zwei rechnen darf.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Am Freitagabend startet die zweite Fußball-Bundesliga in ihre Saison 2013/14. Auch Bundesliga-Absteiger Fortuna Düsseldorf mischt mit dem aktuell zweithöchsten Etat hinter dem 1. FC Köln mit.

Düsseldorf. Den Frühstart in die neue Fußball-Saison müssen sich die Fortuna und auch die übrigen 17 Zweitligisten am Freitagabend zwar mit Liga drei teilen. Trotzdem fühlt sich die Komplettübertragung der neun Partien auf Sky-TV mit sieben verschiedenen Anstoßzeiten von heute um 18.30 Uhr bis zum Fortuna-Kick gegen Cottbus am Montag um 20.15 Uhr wie Bundesliga an. Seit 2011 läuft Liga zwei dem Oberhaus terminlich vorneweg. Das schafft eine nicht zu unterschätzende Aufmerksamkeit – via TV und Internet über deutsche Grenzen hinaus.

Über das gern von der Deutschen Fußball-Liga und anderen Experten benutzten Etikett „stärkste zweite Liga der Welt“ lässt sich streiten. „Das ist eine mutige, sehr hoch angesetzt Aussage“, findet Peter Frymuth. Wobei Fortunas Vorstandschef ist erster Linie auf die eigene Besetzung blickt. „Es gibt keinen Topkandidaten. Trotzdem: Die Liga hat viele traditionelle Flaggschiffe, die die Runde attraktiv machen.“

Sportlichen Vergleichen halten die Namen allerdings allein deshalb nicht stand, weil es diese kaum gibt. Etwa mit der englischen Championship, der französischen Ligue 2 oder der zweiten Liga Argentiniens.

Das Torneo B zog im vergangenen Jahr hinter England (17 496) und Deutschland (16 902) erstaunlicherweise mit knapp 12 000 Fans im Schnitt die drittmeisten Zuschauer. Von diesem Wert sind die vergleichbaren zweiten Ligen wie Frankreichs Ligue 2 (6985), Spaniens Segunda Division (6736), Japans J2 (6413), Brasiliens Serie B (5142), Italiens Serie B (4832) oder die Niederlande mit der Jupiler League (3529) weit entfernt.

Was die Fernsehgelder anbetrifft, so laufen England und Deutschland der Konkurrenz klar den Rang ab. Während die Championship sich eine niedrige neunstellige Eurosumme mit den Ligen drei und vier teilt, kassiert die 2. Bundesliga rund 112 Millionen Euro in der neuen Saison allein. Fortuna kann mit 7,7 Millionen Euro planen. Mehr gäbe es nur bei sportlichem Erfolg.

Inklusive ordentlicher Zuschauerzahlen und Sponsorengelder lässt es sich in Liga zwei wirtschaften – mit Augenmaß, versteht sich. Dass ausgerechnet die Traditionsklubs immer wieder in den Fokus geraten, spricht unter anderem für Bundesliga-Aufstiegsversuche auf Pump. Die Herthaner schafften in der vergangenen Saison trotz 37 Millionen Euro Miese das Kunststück. Ob im Oberhaus nun auch etwas die eigene Kasse saniert wird?

Die Kölner schleppen 32 Millionen Euro Schulden herum, besitzen aber aktuell den höchsten aller Zweitliga-Etats. Kaiserslautern wirtschaftet mit Fortuna auf Augenhöhe, brauchte aber mehr als einmal die öffentliche Hand, um nicht zahlungsunfähig zu werden. Bei Dynamo Dresden war’s ähnlich.

„Löwen“ fast in der Wüste

1860 München musste sich vom streitbaren jordanischen Investor Ismaik den monetären Tropf legen lassen, um die „Löwen“ vor dem Nimmerwiedersehensgang in die Wüste zu bewahren. Verpflichtet wurden trotzdem immer wieder teure Akteure. Leerer Kassen zum Trotze. Manch Konkurrent sprach da von Wettbewerbsverzerrung.

Die auf dem Papier eigentlich attraktive zweite Liga kostete Traditionsteams wie dem MSV Duisburg, Alemannia Aachen oder Rückkehrer Arminia Bielefeld die DFL-Daseinsberechtigung. Weil man sich finanziell übernommen hatte.

DIE ETATPLANUNGEN DER KONKURRENTEN:

1. FC Köln 15,0 Millionen Euro für Mannschaft und Trainerstab

Fortuna 11,0

1. FC Union Berlin ca. 11,0

1. FC Kaiserslautern 11,0

TSV 1860 München 9,0

FC St. Pauli ca. 8,0

FC Energie Cottbus 7,8

SpVgg Greuther Fürth 7,0

VfL Bochum 7,0

Karlsruher SC ca. 7,0

FC Ingolstadt 04 ca. 6,5

FC Erzgebirge Aue 6,4

SC Paderborn 07 6,2

Dynamo Dresden 6,1

VfR Aalen 6,0

SV Sandhausen 5,5

FSV Frankfurt 5,3

Arminia Bielefeld 4,5