Tah will sich mit Aufstieg verabschieden

Was wir bereits wissen
Fortunas 18-jähriger Innenverteidiger fühlt sich in Düsseldorf äußerst wohl, wird aber im Sommer zum Hamburger SV zurückkehren. „Ich werde mit einem lachenden und einem weinenden Auge gehen“, sagt er im Trainingslager in Estepona.

Düsseldorf..  Es gibt ein Schreckensszenario, das Jonathan Tah manchmal in den Kopf schießt – und das er dann möglichst schnell wieder verdrängt. „Mit Fortuna in der Relegation zum Bundesliga-Aufstieg auf den HSV zu treffen“, sagt die 18-jährige Leihgabe der Hamburger, „das wäre der blanke Horror.“

Wer wollte es ihm verdenken? Der HSV ist nach wie vor sein Arbeitgeber, an den er langfristig vertraglich gebunden ist. „Und bei Fortuna bin ich großartig aufgenommen worden, ich fühle mich hier sehr wohl“, berichtet Tah. „Ich habe die Ausleihe immer als Chance gesehen, viel zu spielen und mich weiterzuentwickeln. Und jetzt sind mir alle hier richtig ans Herz gewachsen. Natürlich war es immer klar, dass ich am Saisonende zurück nach Hamburg gehen würde, aber es wird dann auch ein bisschen weh tun, das weiß ich jetzt schon. Ich werde mit einem lachenden und einem weinenden Auge gehen.“

Große Reife

Wenn man sich mit Jonathan Tah unterhält, hat man nicht das Gefühl, dass man da einem Teenager gegenübersitzt. Er kann mit Worten umgehen, sucht sie sich dennoch sorgsam aus, setzt sie punktgenau. Nie wirkt es oberflächlich oder gar flapsig, was der 18-Jährige von sich gibt – und wenn man ihn darauf anspricht, bedankt er sich auch noch höflich. „Es freut mich, wenn man mir eine größere Reife attestiert, als man es für mein Alter erwartet“, formuliert er. „Und wahrscheinlich stimmt es auch. Meine Mutter hat mich allein groß gezogen, musste viel arbeiten. Ich musste vieles selbst organisieren, mich allein um viele Dinge kümmern. So bin ich früh sehr selbstständig gewesen.“

Deshalb ist er auch in den deutschen Junioren-Nationalmannschaften schnell in eine Führungsrolle hineingewachsen, war Kapitän der U17-Auswahl. Abgehoben ist er deshalb nicht, eher schon außergewöhnlich selbstkritisch. „Ich habe selbst am meisten gemerkt, wie schlecht ich in Aalen und gegen Sandhausen gespielt habe“, erklärt der Hamburger Junge mit ivorischen Wurzeln. „Die älteren Spieler haben mich dann aber super aufgebaut und gesagt: Hey Jona, du hast bisher so starke Spiele gemacht, da kannst du auch einmal ein, zwei schwächere hinlegen. Da habe ich mir dann auch selbst gesagt: Du bist 18, du darfst mal Fehler machen.“

Viele waren es ohnehin nicht in einer insgesamt bärenstarken Hinrunde des Innenverteidigers. Tah selbst hat jedoch ein Manko ausgemacht: „Es wird Zeit, dass ich bald mein erstes Kopfballtor für Fortuna mache. Hinten gewinne ich schließlich auch einige Kopfballduelle, warum dann nicht vorn?“

Sein Verhältnis zu seinen Konkurrenten im Kampf um die Stammplätze in der Abwehrzentrale, Adam Bodzek und Bruno Soares, bezeichnet Tah als „super“. Natürlich versuche jeder, sich beim Trainer für einen Platz in der Startelf anzubieten, „aber das läuft bei uns ganz sauber ab“. Und weil das auch für die übrigen Kollegen im Kader gilt, hat Jonathan Tah mit Blick auf seine letzten Tage bei Fortuna im Frühjahr einen Traum. „Es wäre schön, wenn ich den Jungs und diesem Verein insgesamt zu meinem Abschied den Aufstieg als Geschenk hinterlassen könnte“, betont er.

Und im Gegensatz zur Relegation wäre es schließlich überhaupt kein Horrorszenario, wenn Tah in der nächsten Saison mit dem HSV gegen Fortuna spielte – in der Bundesliga.