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Sportstadt-Krise

30.12.2011 | 16:39 Uhr
Sportstadt-Krise

Es gab für Düsseldorf schon bessere Voraussetzungen als jene für das Jahr 2012. Nein, dies ist nicht der Platz, um eine nachvollziehbare, aber stadtpolitisch einseitige Lobhudelei über Fußball-Zweitliga-Spitzenreiter Fortuna zu starten. Cheftrainer Norbert Meier und die Seinen müssen schließlich erst noch beweisen, dass sie den Erfolgsweg gen Erstklassigkeit auch zuendegehen.

Genau dorthin, wo der übrige Düsseldorfer Profisport aktuell brökelt, nein, kriselt. Die exzellent aufgestellten und geführten Tischtennis-Borussen tragen die einzig sorgenfreie Fahne neben den gepamperten Fußballern.

Handball und Basketball sind mittlerweile zweitklassig. Die HSG ist insolvent, probiert nun ein Dormagener Konstrukt, das den (wenigen) Düsseldorfer Gönnern so nicht gefallen dürfte.

Die von Murat Didin zur Privatveranstaltung erklärten Giants waren auch in argem Zahlungsverzug. Der lieb gewonnene Skilanglauf-Weltcup macht um den Rhein einen Bogen. Ebenso die verzichtbare, weil sportlich wertlose Spaßveranstaltung „Race of Champions“.

Die traditionelle Tennis-WM im Rochusclub wackelt ohne ATP-Vertrag und Titelsponsor über den Mai hinaus gewaltig. Wie vor einem Jahr, als kurz vor Weihnachten das Turnier schon abgesagt war. Und damit eine nicht wegzudiskutierende weltweite Werbung für die Stadt, die keine andere Marke im Sport so garantieren kann.

Bei der DEG üben sie parallel nach zehn Jahren Stabilität unter dem Metro-Schutzschild wieder den Stabhochsprung im Sumpf. Die einst stolze Sportmarke der Landeshauptstadt, vor sechs Jahren noch klare Nummer Eins vor einer drittklassigen Fortuna, sah sich jüngst unpassender veröffentlichter Worte des Oberbürgermeisters ausgesetzt.

Mehr städtische Unterstützung? Von wegen! Ganz davon abgesehen, dass Dirk Elbers ahnungslos der Liga die Hauptschuld in die Schuhe geschoben hat. Drei Klicks im Internet reichen, um den Zuschauerzuspruch (im Schnitt seit 2002/03 über 1000 mehr pro Liga-Match als zu Meistersaisons der DEG) und „zu viele Spiele“ als Unsinn zu entlarven.

Grundsätzlich sollte die Stadt, also der Steuerzahler, kein (Haupt-)Sponsor eines Profisportvereins sein. Weil in diesem Bereich das Marktgesetz von Angebot und Nachfrage gilt.

Hätte man in der Vergangenheit so gehandelt, würde die Fortuna nicht mehr existieren. In Liga drei und vier lenkte nicht nur das Rathaus unter OB Joachim Erwin die Rot-Weißen. Über Sparkasse und Stadtwerke wurden große Teile des Etats bestritten. Von erlassenen sechsstelligen Rheinbahn- und Arena-Mietzahlungen oder der teuer erbauten Drei-Spiele-Lena-Arena ganz zu schweigen.

Wie sehr sich das Rathaus vor der von Elbers losgetretenen Diskussion für die Belange der zweiten sportlichen Glanzmarke der Stadt interessierte, zeigte die im Dome angemietete Loge gegen Köln. Sie blieb leer.

Michael Ryberg

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Kommentare
10.01.2012
11:36
Sportstadt-Krise
von Hein.Bloed | #3

Ich kann diesen Kommentar in weiten Teilen nicht nachvollziehen. In den letzten zwanzig Jahren (die ich einigermaßen überblicke) war Fortuna nie die Nummer eins in der Stadt. Spätestens kurz nach der Jahrtausendwende als Sinnbild der Erfolglosigkeit verspottet. Natürlich hat die Stadt damals sehr geholfen den Verein zu stabilisieren. Allerdings nicht um in der ersten Liga oben mitzuspielen, sondern um den totalen Exodus in Liga 4 zu verhindern!

Und es war keinesfalls die Stadt alleine. Viele Andere haben mit Geld (bspw. die Hosen) und hervorragenden Konzepten dem Verein eine neue Identität geben! Und gelungen ist es weil der Verein so vielen so am Herzen lag. Deshalb ist das Stadion heute voll, so voll nie zuvor. Weil hervorragende Konzepte am Ende das vorhandene und (wie man heute sieht) große Potential erschlossen haben. Das hat mit "pampern" wenig zu tun. Die Entwicklung und Durchführung solcher Konzepte ist nie käuflich und korreliert nicht mit der Größe des verfügbaren Budgets!

Die DEG hat sicher schon aufgrund der Tradition ein großes Potential. Aber warum konnte sie es eigentlich nicht nutzen als vor allem Fortuna in der Bedeutungslosigkeit verschwunden war? Eine neue Heimspielstätte haben Sie ja auch? Warum erreicht der um die Meisterschaft spielender Verein weniger Menschen als ein abgewirtschafter Fußballverein in Liga 3? Elbers hat völlig recht wenn er ein Konzept verlangt. Auch weil die Bedeutung des deutschen Eishockeys stetig sinkt. Übrigens auch ein Unterschied zur Fortuna. Es wird für die DEG jetzt in erste Linie auf Leute ankommen denen der Verein und die Fans am Herzen. Dann werden sie auch die nötigen Mittel beschaffen können.

Handball funktioniert ohnehin dauerhaft nur in der Provinz. Einzig Hamburg und mit Einschränkung Berlin machen da einen Unterschied. Dormagen scheint mir (so Schade das auch ist) der bessere Standort. Im Basketball ist das nicht anders nur das aus Hamburg hier München wird.

09.01.2012
19:16
Sportstadt-Krise
von blackmarket | #2

Es nervt gewaltig. Wofür die Fortuna alles herhalten muss. Als sie unten war, spottete die NRZ, als sie nun mehr auf einem sehr guten, hart und ehrlich erarbeiteten Weg nach oben ist, auch. Man kanns drehen und wenden wie man will, auch wenn es so mancher Volleyballer der NRZ/Der Westen offenbar anders sieht: Fußball ist die Nr.1 und bleibt die Nr.1. Fußball ist das unangefochtene Aushängeschild einer Stadt.

Als die Fortuna viertklassig war, rieben sich die größenwahnsinnigen Giants und Goldfischchen die Hände - strebten nach der Nr. 1 in der Stadt, gingen wie die DEG von der heimeligen Brehmstraße in den kalten Dome. Mehr Platz, mehr Zuschauer? Denkste! Das Potenzial bei Handball, Basketball und Eishockey bleibt ewig gleich - ob nun 1000 mehr oder weniger, das Niveau ist stets und seit Ewigkeiten auf etwa gleichem Level. Da könnte die Stadt Millionen pumpen - mehr Zuschauer, mehr Resonanz erhalten diese Vereine nicht.
Dass die DEL u.a. Mitschuld an der Misere trägt, weiß jeder, der sich halbwegs mit erfolgsorientiertem Sport auskennt - insofern stimme ich Wollas Kommentar zu 100% zu. Das Problem der DEG ist nicht der OB. Das Problem der DEG sitzt am Willy Brandt Platz in Köln, an der Theodorstraße 281 sowie in der Rheinbahn.

31.12.2011
00:59
Sportstadt-Krise
von wolla | #1

OB Elbers hat doch völlig Recht, wenn er anmerkt, daß es in der DEL zu viele Vorrundenspiele gibt.
Abgesehen davon ist die DEL doch schon lange kein Premium Produkt mehr.
In Berlin werden die Karten immer noch verschenkt oder verschleudert, weil Herr Anschütz seine Nullzwei Arena gerne voll hat, dann verdient er halt am Catering. Zieht er sich zurück, sind die Eisbären toter als tot. Die DEL hat nahezu keine Medienpräsenz, dies gilt ja auch für die Printmediem, abgesehen von den Lokalteilen.
Außerdem unterstützt die Stadt Düsseldorf die DEG seit Jahren mit symbolischen Mieten, die teils auch noch gestundet werden. Was haben Suhr und Nethery eigentlich mit den Metro Millionen gemacht ? Hier hätte ich mir eine VIEL kritischere Berichterstattung auch dieser Zeitung gewünscht.
Zu Zeiten eines Ulf May, Theo Mai, Karl-Heinz Wanders, ja selbst eines Herrn Müller vom Boulevard, wäre doch Netherys erfolgloses Treiben nicht so einfach hingenommen worden.
Das gilt auch für die Berichterstattung über die HSG. Herr Flatten betreibt doch seit Jahren eine 1 Mann Show und kommt nicht vom Fleck. Wo waren hier die Nachfragen der (gesamten) Düsseldorfer Sportpresse?

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