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Deutsche Eishockey-Liga

Ohne Selbstvertrauen und Energie

26.12.2012 | 22:00 Uhr
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Ohne Selbstvertrauen und Energie
Hau den Driendl! Zwischendurch langte Kapitän Daniel Kreutzer hin, um Frust loszuwerden und die Kollegen aufzuwecken.Foto: KITSCHENBERG, Kai

Düsseldorf. Der längste je genähte DEG-Fan-Schal wanderte gestern Abend in der ersten Drittelpause über die Ehrentribüne des Rather Domes. Die 55 Meter lange rot-gelbe Wolle aus der letzten Brehmstraße-Saison 2005/06 erinnerte an bessere Eishockey-Tage des achtmaligen Deutschen Meisters. Gestern war der Strickwärmer schon fast ein Höhepunkt. Davor und danach sahen die nur 6033 Pucksportfreunde von der DEG eher wenig Eishockey. Die Krefeld Pinguine, ohne die Leistungsträger Pietta und Vassiljevs angetreten, waren eine Klasse besser und setzten sich gegen lange mut- und energielose Gastgeber mühelos mit 5:2 (2:1, 2:0, 1:1) durch.

Trennung im Frühsommer

Zur kleinen Rache setzte dabei Adam Courchaine an. Der ehemalige DEG-Crack, der im Frühsommer aufgrund seines vermeintlichen „Schönspieler“-Makels nicht mehr für den neuen Kader berücksichtigt worden war, kehrte über Graz und Drittligist Duisburg in die DEL zurück. Schlug bei den Pinguinen prächtig ein. Und traf auch gestern Abend. Erst auf der falschen Seite. Eine scharfe Hereingabe von Drew Paris lenkte Courchaine ins eigene Netz. Damit war Driendls Führung nach einem Stellungsfehler von Klingsporn zumindest egalisiert.

Viereinhalb Minuten später hatte der KEV-Knipser den Patzer ausgebügelt. Meyers’ Distanzschuss lenkte DEG-Keeper Bobby Goepfert genau vor den schwarz-gelben Abstauberstock. Es war die letzte Aktion des Torstehers, der es wegen Magen-Darm-Problemen vorzog, in der Kabinentoilette zu verweilen.

Ersatzmann Björn Linda hatte bei seinem ersten DEL-Saisonmatch keinen guten Einstand, steigerte sich aber später. Nach nur 88 Spielsekunden musste der 23-jährige Eigengewächs die Scheibe aus dem Netz fischen. Die Pinguine ließen das Spielgerät wie am Schnürchen laufen, die DEG-Deckung stand indisponiert. Drew Paris ließ Torschütze Methot vor dem blauen Torraum meterweise Platz. Keeper Linda ermöglichte mit einem unbedachten Schritt nach vorn den Einschlag in die kurze, unbewachte Torwartecke. Auch dem 4:1 durch Voakes in Überzahl ging eine schöne KEV-Kombination voraus. Kollege Courchaine legte dabei gewinnbringend zum Torschuss auf.

Und die DEG? Spielte sich bis zur 37. Minute gar keine echte Möglichkeit mehr heraus. Einziger Unterhaltungspunkt, gleichzeitig kleiner Aufwecker für die auch läuferisch schwachen Mitspieler: Daniel Kreutzers Kurzrauferei mit Mittelstürmer Andreas Driendl. Der entzog sich zwar zügig der Helmtreffer des DEG-Kapitäns, der wegen blanker Fäuste eigentlich eine Zehn-Minuten-Strafe hätten bekommen müssen. Immerhin war aber nun das Publikum mal „im Spiel“. Doch es blieb bei Derby-Stimmung in begrenzten Maßen. Die mit mehr als tausend Anhängern ordentlich gefüllte KEV-Kurve wirkte dabei eindeutig lauter.

Das Match gab allerdings auch nicht viel her, um das Publikum aus den Sitzen zu reißen. Über weite Strecken des Treffens nahmen die DEG-Sympathiesanten den qualitativen Unterschied des Tabellenletzten zum Nachbarn tapfer hin. Dass die Mannen von Cheftrainer Christian Brittig bei der neunten Niederlage in Serie über weite Strecken müde und langsam wirkten, machte das Derby nicht gerade attraktiver.

Zanettis Blaue-Linie-Knaller zum 2:4 brachte einen Hauch von Spannung zurück. Doch Freund Courchaine schaltete sich mit einer Treffervorlage auf Sololäufer Methot nochmals ins Geschehen ein.

Cheftrainer Christian Brittig ordnete das Gesehene so ein: „Die Mannschaft kommt derzeit auch mental an ihre Grenze. Wir leben von Emotionen, von unseren Beinen. Wenn wir zu zögerlich sind, können wir nicht bestehen.“

DAS SPIEL IN DER STATISTIK:

DEG: Goepfert (20:01 Min. Linda); Ebner, Gödtel; Zanetti, Paris; Klingsporn, Henry; Rome, Martinsen, Kreutzer; Ridderwall, Turnbull, Bostrom; Hofland, Mondt, Preibisch; Woidtke, Martens, Fischbuch.

Schiedsrichter: Oswald/Lenhart (ESV Kaufbeuren/EJ Kassel).

Zuschauer: 6033.

Tore: 0:1 (6:42) Driendl (Pavlikovsky, Ehrhoff), 1:1 (12:58) Paris (Rome, Kreutzer), 1:2 (17:25) Courchaine (Verwey, Meyers), 1:3 (21:28) Methot (Robar, Voakes), 1:4 (26:20) Voakes (Courchaine, Methot/5-4-Überzahl), 2:4 (49:01) Zanetti (Ridderwall), 2:5 (55:15) Methot (Voakes, Courchaine).

Strafminuten: DEG 12, KEV 16.

Beste DEG-Spieler: Turnbull (5 Punkte), Bostrom (3), Ridderwall (1).

Michael Ryberg

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