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Eishockey

Niederberger hofft auf eine NHL-Chance

27.06.2012 | 22:30 Uhr
Niederberger hofft auf eine NHL-Chance

Düsseldorf. Ein bisschen enttäuscht war Mathias Niederberger schon. Der ehemalige DEG-Torsteher blieb beim diesjährigen Draft der National Hockey League – wohl auf Grund seiner nur 1,80 Meter Körpergröße – zunächst ohne vielversprechenden Vorvertrag. Der Frust war schnell verflogen. Seit gestern weilt der 19-Jährige bereits wieder in Nordamerika und nimmt nach einem zweimonatigen Heimatbesuch am fünftägigen Prospect Camp des NHL-Teams Toronto Maple Leafs teil. Bekanntlich jene Organisation, die sich auch die Rechte am ehemaligen rot-gelben Verteidiger Korbinian Holzer gesichert hat.

„Werde einfach Vollgas geben“

Eishockey in Kanada, dem Mutterland des schnellsten Teamsports der Welt. Dazu ausgerechnet in der wichtigsten Stadt der Puckjagd: Toronto! „Ich fahre ohne Erwartungen hin und werde einfach Vollgas geben. Dass ich überhaupt eingeladen wurde, zeigt ja, dass Interesse an mir besteht. Und ich habe Korbinian Holzer in der Vorsaison bei einem Spiel besucht und mit ihm geredet. Ich habe also viel gehört und denke, dass ich gut vorbereitet bin“, betont der Nachwuchs-Keeper.

Vor einem Jahr zog es Mathias Niederberger, Sohn von DEG-Verteidiger-Legende Andreas Niederberger (fünf Meistertitel), in die Ontario Hockey League (OHL) zu den Barrie Colts, die in der 128 000-Einwohner-Stadt rund eine Stunde nördlich von Toronto beheimatet sind. Eben, um sich dort über die beste Juniorenliga der Welt für die National Hockey League (NHL) zu empfehlen. Und neben einer ganz neuen sportlichen Drucksituation auf hohem Juniorenlevel sammelte Niederberger auch eine Menge Lebenserfahrung.

In der OHL, die mit der Western Hockey League (WHL) und der Quebec Minor Junior Hockey League (QMJHL) die 58 Teams starke höchste kanadische Junioren-Spielebene bildet, stand jedoch die Eishockey-Erfahrung im Vordergrund. „Ich habe enorm viel gelernt. In erster Linie dadurch, dass ich so oft spielen durfte. Allein neunundvierzig Matches in der Hauptrunde, dazu dreizehn weitere Play-off-Partien. Eine Rückkehr zur DEG ist unabhängig von der Entscheidung in Toronto daher erst einmal ausgeschlossen. Mit Bobby Goepfert ist das Team sehr stark aufgestellt. Ich sehe da für mich keine große Chance auf Einsätze“, betont der Keeper.

Und sollte es bei den Maple Leafs nicht klappen, bleibt der Torsteher bei den Barrie Colts. „Es ist eine große Auszeichnung, dass sie mich ein weiteres Jahr behalten wollen“, freut sich Niederberger. Der noch nicht als Overage-Spieler gilt, da der Ex-DEG-Keeper erst im November seinen 20. Geburtstag feiert. Nur drei Spieler, die bereits zum Saisonstart diese Altersgrenze geknackt haben, dürfen pro Team ein weiteres Jahr in der Juniorenliga aktiv sein.

Nach dem letzten Saisonspiel, dem 3:4-Play-off-Halbfinalaus in der Eastern Conference gegen die Ottawa 67ers am 17. April, ging’s für den Torsteher zurück an den Rhein. Niederberger hielt sich mit den DEG-Cracks und Trainer Christian Brittig fit, absolvierte nebenbei Eis-Trainingseinheiten in Köln. Freut sich jedoch auch, wieder nach Kanada zurückzukehren.

„Am Anfang war es natürlich nicht leicht, sich zurechtzufinden. Aber im Nachhinein war es der absolut richtige Schritt. Ich hatte auch eine super Gastfamilie und dort im Haus den ausgebauten Keller mit eigenem Wohn-, Schlaf- und Badezimmer für mich“, frohlockt das Nachwuchstalent. Dem im Schnitt 3000 bis 4000 Zuschauer bei den Spielen im fast ausverkauften Barrie Molson Centre zujubelten.

Viermonatige Schneedecke

„Ich habe mir aber erstmal ein paar neue Wintersachen zulegen müssen. Ich habe zwar gewusst, was mich erwartet, hatte aber dennoch nicht genug eingepackt. Die Winter sind sehr kalt und von Dezember bis März gab’s durchgängig eine dicke Schneedecke“, betont der 19-jährige Kufenflitzer.

In der OHL hatte Niederberger aber keine wirklich lange Auswärtsfahrten zu absolvieren. „Die längste Tour in die Staaten dauerte nur drei Tage“, so Niederberger. Zum Vergleich: Korbinian Holzer reiste im Unterbau der höchsten Liga mit den Toronto Marlies in der American Hockey League in seiner Premierensaison innerhalb von 22 Tagen eine Strecke von 9084 Kilometern!

Von Mareike Scheer



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