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Fortuna 09/10/11

Netzer und der schlafende Riese Fortuna Düsseldorf

06.06.2012 | 21:36 Uhr
Martin Harnik erzielte in der zweitliga-Saison 2009/2010 13 Tore für Fortuna Düsseldorf.

Düsseldorf.  Höhepunkt der Zweitliga-Saison 2009/10 war das 2:0 der Fortuna gegen den MSV vor 48.250 Fans in der ausverkauften Arena. In die Spielzeit darauf starteten die Düsseldorfer ohne Harnik und Anderson mit sechs Pleiten. In der Rückrunde verlor Fortuna nur viermal. Die kleine Lena-Arena wurde am Saisonende zur Party-Zone.

„Dritte Liga war schön, jetzt ist’s Zeit zu gehen!“ Der Slogan der Aufstiegssaison hätte treffender kaum sein können. Durchschnittlich 28.007 Zuschauer verfolgten die Zweitliga-Saison 2009/10 in der Arena. Was auch damit zu tun hatte, dass sich die Fortuna in der neuen Umgebung schnell wohl fühlte. Und neue Fans generierte. Unter anderem Günter Netzer. Der ehemalige Mönchengladbacher Nationalspieler stieg mit seinem schweizer Vermarkter Infront am Rhein ein. Erst ein Jahr auf Probe, dann im Frühjahr 2010 mit einem Vierjahresvertrag.

„Fortuna“, hatte Netzer angemerkt, „ist ein schlafender Riese.“ Da sollte der Blondschopf recht behalten. Mit den Neuzugängen Johannes van den Bergh, Oliver Fink, Patrick Zoundi sowie zwei Nachzüglern, Leverkusen-Brasilianer Bamba Anderson in der Innenverteidigung und Bremen-Österreicher Martin Harnik (13 Tore) im Angriff, entpuppten sich die Schützlinge von Cheftrainer Norbert Meier schnell konkurrenzfähig. Sogar als Top-6-Kandidat. Und die Zuschauer strömten unerwartet üppig.

Schneespiel von Rostock

Fortuna schlägt Duisburg

Höhepunkte waren der 2:0-Sieg mit zwei Jovanovic-Treffern beim späteren Aufsteiger in Kaiserslautern und ein 2:0 vor 48.250 Fans in der ausverkauften Arena gegen den MSV Duisburg. Nach einem 2:0 über Oberhausen war Fortuna eine Woche vor Weihnachten Dritter. Was sich im Schneespiel in Rostock schnell wieder revidierte.

Der Verpfiff von Referee Christian Fischer beim 1:2 in Fürth war ebenso ärgerlich wie die Vier-Spiele-Sperre von Jovanovic nach einem Gesichtstreffer gegen den Bielefelder Mijatovic. Von diesem Match an sollte der Berliner Serbe exakt 700 Tage lang keinen Pflichtspieltreffer mehr erzielen.

Fortuna blieb in der Rückrunde in Lauerposition. Es zeigte sich aber auf fremdem Geläuf, dass der Aufsteiger nicht konstant genug für Platz eins bis drei aufzuspielen vermochte. In Augsburg verlor man chancenlos 0:2, nach dem 2:4 in Cottbus war die kleine Bundesliga-Chance dahin.

Randale in Düsseldorf im Mai 2010

Die Saison endete in einem Fast-Spielabbruch – ausgelöst vom Feuerwerk wütender Rostocker Fans, die ihre Hansa-Kogge im letzten Match eigentlich in Sicherheit segeln sehen wollten. Doch über Platz 16 stiegen die Ostseestädter noch ab.

Mit der Verpflichtung des arbeitslosen Sascha Rösler ging es aufwärts

Fortuna verlor Harnik an Stuttgart, Anderson an Mönchengladbach. Sportvorstand Wolf Werner hatte im Sommer keine glückliche (Transfer-)Hand. Sein Brasilien-Trio in der Saison 2010/11 enttäuschte. Spielmacher Rockenbach da Silva (RB Leipzig/Regionalliga) und Torjäger Wellington (Guarani FC/2. Liga Brasilien) waren nach einem halben Jahr schon wieder weg, Innenverteidiger Tiago (Newcastle Jets/Australien) nach einer abstrus schwachen Saison. Und auch der Ungar Sandor Torghelle (vom FC Augsburg) enttäuschte auf breiter Linie. Und ging nach einer Saison mit nur einem Treffer in 16 Spielen in die Heimat zu Honved Budapest.

Fortunas erster Heimsieg

Der Saisonstart ging übel in die Binsen: 0:1-Pokalaus bei Drittligist TuS Koblenz, dann sechs Zweitliga-Pleiten in Folge! Nach dem 0:3 in Ingolstadt, der fraglos schwächsten Fortuna-Vorstellung der Saison, redete Coach Meier zynisch von einer „Rückfahrt mit diesen Ochsen“, die er zu überstehen habe. Zwischenzeitlich hatte Hertha die 498 Tage währende Fortuna-Serie ohne Heimniederlage beendet.

Meier zog Kopf aus der Schlinge

Meier beorderte seine Glücklosen bei einer statistischen Rettungschance von 12,5 Prozent nach fünf Startniederlagen ins Kurztrainingslager. Siebengewald bei Goch sollte die Wende bringen. Gegen Bochum verkaufte sich die Mannschaft teuer, verlor zwar 0:1, wurde aber nebst Trainer von den Fans gefeiert. Beim 3:2 in Osnabrück war der Erfolglosbock endlich umgestoßen. Und auch Meier zog seinen Kopf aus der Schlinge. Auch wenn hinterher der Vorstand beteuerte, nicht an eine Trennung gedacht zu haben. Zumindest nach der Pleite in Ingolstadt zog die Trennungsgefahr am Horizont herauf wie ein nahendes Gewitter.

3:0 für die Fortuna

Mit der Verpflichtung von Sascha Rösler (arbeitslos, zuvor 1860 München) ging es aufwärts. „Ich weiß, wo die Kiste steht“, bekräftigte der redegewandte Ex-Gladbacher forsch. Und ließ in der Offensive sogleich Taten sprechen. Dazu spielte sich Thomas Bröker, den wegen einer Sommerverletzungspause lange niemand auf der Rechnung gehabt hatte, lauf- und kampfstark in den Vordergrund.

Maximilian Beisters Fortuna-Debüttor zum 1:0-Sieg über Fürth kurz vor Weihnachten bedeutete unverhofft Platz elf. Dabei hatte Coach Meier beim schlappen 0:1 in Aue wenige Wochen zuvor noch gefordert: „Ich brauche hier nicht nur die Schwiegersöhne, sondern auch die dreimal Geschiedenen, die um ihr Leben rennen.“

Fortuna gewinnt das letzte Spiel der...

Mit Defensivkicker Adam Bodzek und dem dänischen Angreifer Ken Ilsø kamen in der Winterpause zwei wertvolle Kicker mit Biss und Schwung. In der Rückrunde verlor Fortuna nur viermal. Und spielte sich streckenweise in Aufstiegsform. Ilsøs Dreierpack beim 6:0 gegen den FSV Frankfurt war ebenso spektakulär wie Röslers Last-Minute-Rakete beim 2:1 über Osnabrück. Das Match wurde von einem Böllerwurf aus der Fankurve überschattet. Medienvertreter, die an der Torauslinie gestanden hatten, musste wegen akuter Ohrenschmerzen ins Krankenhaus.

Lena-Arena wurde zur Party-Zone

Die eigens im Rahmen des Eurovision Song Contest erbaute kleine Lena-Arena neben dem großen Haus wurde ab April in den letzten drei Heimspielen zur Party-Zone. Fortuna setzte sich gegen Union Berlin, Alemannia Aachen und Arminia Bielefeld durch. Dass sich Düsseldorf allerdings gern im Erfolg sonnt, bewiesen die Zuschauer. Mit 21.053 kamen im Schnitt fast 7000 weniger als im Vorjahr. 17,834 Millionen Euro Umsatz im Jahr 2010 bedeuteten trotzdem einsamen Vereinsrekord. Da konnte man es sich sogar leisten, Ken Ilsø für eine Ablöse von 300 000 Euro beim Erstligisten FC Midtjylland Herning loszueisen.

Fortuna siegt FSV Frankfurt mit 6:0

Für eine Überraschung hatte zuvor die Mitgliederversammlung gesorgt. Bei den Aufsichtsratswahlen fiel als einziger der sechs Bewerber ausgerechnet Ex-LTU-Chef Jürgen Marbach durch. Man hatte dem Unternehmer, der an jenem Abend nicht die beste Figur am Mikrofon abgegeben hatte, offenbar den Abflug nach Wolfsburg nicht verziehen. Anstatt den Aufsichtsratschef für den verstorbenen Oberbürgermeister Joachim Erwin zu machen, nahm Marbach Mitte 2008 lieber das gut dotierte Angebot als Geschäftsführer in der VW-Stadt an. In seine Amtszeit fiel immerhin die einzige Bundesliga-Meisterschaft der Grün-Weißen. Nach der Verpflichtung von Dieter Hoeneß machte sich Marbach wieder auf den Weg nach Düsseldorf. Zur Bundesliga-Rückkehr blieb der 54-Jährige, was einen Posten bei Fortuna anbetrifft, aber außen vor.

Fortunas zweite Heimat

Michael Ryberg


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