Minden will Michael Hegemann
19.12.2011 | 18:48 Uhr 2011-12-19T18:48:00+0100
Düsseldorf. Die aktuellen Entwicklungen beim finanziell angeschlagenen Handball-Zweitligisten HSG sorgen selbst im tiefsten Ostwestfalen für Bestürzung. „Es tut schon unglaublich weh“, gestand Horst „Hotti“ Bredemeier, „das alles aus der Ferne zu verfolgen. Ich war über zehn Jahre lang in Düsseldorf, habe dort viele schöne Momente wie den Gewinn des Europapokals erlebt. Da blutet einem schon das Herz.“
Trotz aller Verbundenheit ist der 59-Jährige in seiner Gefühlswelt hin- und hergerissen. Denn Bredemeier ist nicht nur ehemaliger Düsseldorfer, sondern auch Manager der GWD Minden – und somit Konkurrent der HSG.
Ersatz für Torjäger Bilbija
Bei Grün-Weiß Dankersen fürchtet man derzeit um das selbsterklärte Aufstiegsziel ins Handball-Oberhaus. Nach zuletzt zwei Niederlagen geht man auch personell am Stock. Zuletzt erwischte es Torjäger Nenad Bilbija, der mit einem Muskelfaserriss im Oberschenkel und einem Einriss in der Achillessehne ausfällt. „Als ehemaliger Düsseldorfer bin ich der Letzte, der an die HSG-Spieler herantreten würde“, betont Bredemeier, „andererseits müssen wir etwas tun, wenn wir aufsteigen wollen!“ Weshalb „Hotti“ HSG-Leitwolf Michael Hegemann ins Visier genommen hat, der bereits vor seiner Rückkehr in die Landeshauptstadt 2009 ein Jahr für die Ostwestfalen auflief. „Michael Hegemann ist ganz klar unser Wunschkandidat als Ersatz für Bilbija“, erklärte Bredemeier, der deshalb bereits gestern Kontakt zu seinem Amtskollegen Frank Flatten aufnahm.
Der HSG-Manager hat weiterhin mit rund einer halben Million Euro Altlasten zu kämpfen, die mittlerweile auch zu Unregelmäßigkeiten bei den Gehaltszahlungen führten (die NRZ berichtete). Immerhin ist Besserung in Sicht. „Wir konnten inzwischen einen Teil der November-Gehälter an die Spieler auszahlen“, erklärte Flatten gestern auf NRZ-Nachfrage.
Zerschlagen hat sich indes ein Wechsel von Ernir Arnarson zum TV Emsdetten. „Wir waren uns mit dem Spieler bereits einig“, erklärte Frank Thünemann, Sportlicher Leiter des TVE, „allerdings sind wir in den Verhandlungen mit der HSG auf keinen gemeinsamen Nenner gekommen. Wir haben ein faires Gebot abgegeben. Die Vorstellungen der HSG liegen aber mit unseren leider weit auseinander. Wir haben folglich unsere Bemühungen um den Spieler eingestellt.“
Zwangsabstieg als Folge
Weiterhin unklar sind die Konsequenzen aus der finanziellen Schieflage der HSG. Bereits vor der Saison erteilte die Handball-Bundesliga (HBL) die Lizenz nur unter der Auflage einer Berichtpflicht der wirtschaftlichen Entwicklung. Ob es aufgrund der Schuldenlast nebst der Verzögerungen bei den Gehaltszahlungen bereits zu mahnenden Worten der Liga kam, ließ Frank Bohmann unbeantwortet. „Wir geben dazu generell keine Wasserstandsmeldungen ab. Egal, ob sie positiv oder negativ ausfallen“, erklärte der HBL-Chef, „die Lizenz wäre derzeit nur in Gefahr, wenn die HSG Insolvenz anmelden würde. Was dann den Zwangsabstieg zur Folge hätte.“
Sportlich geht es für die HSG morgen Abend (20 Uhr, Am Sportplatz) im Kellerduell bei Schlusslicht TV Korschenbroich weiter. Der Einsatz von Youngster Alexander Feld ist aufgrund einer Handverletzung fraglich.
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