Köstner: „Ich muss gebraucht werden“

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Was wir bereits wissen
Zum Jahresbeginn wurde er Trainer der Fortuna, zur Jahresmitte schied er krankheitsbedingt aus. Er spricht offen über die Zeit, was er anders machen würde und was er machen will.

Düsseldorf. Vor einem Jahr trat Lorenz-Günther Köstner bei der Fortuna die Nachfolge von Mike Büskens an. Doch der neue Cheftrainer saß beim Fußball-Zweitligisten gerade einmal neun Spiele auf der Bank, ehe ihn eine Viruserkrankung aus der Bahn warf. Im Interview sprach der 62-Jährige über seine Krankheit und seine Pläne für 2015.


Wie geht es Ihnen?
Gut, ich habe mich zurück gekämpft und bin wieder richtig gesund.


Wie denken Sie über das Jahr 2014?
Einiges hat mich schon sehr nachdenklich werden lassen. Nicht wegen meiner Krankheit, sondern vielmehr darüber, wie sich einige ausgelassen haben, ohne etwas zu wissen. Vieles habe ich gar nicht gelesen, aber dann zugeschickt bekommen. Aber es hat mir nichts ausgemacht, denn ich hatte nur ein Ziel: Wieder gesund zu werden und zu machen, was ich am liebsten tue – als Trainer arbeiten.


Wie sehen Sie Ihre Zeit bei der Fortuna?
Genau vor einem Jahr habe ich den Vertrag unterschrieben. Wir hatten viele Verletzte, und es herrschte große Unruhe im Verein. Aber wir sind euphorisch gestartet. Das waren drei sehr intensive Monate.


Welche Lehren ziehen Sie aus Ihren Erfahrungen?
Gegen so eine Krankheit kann man sich nicht schützen. Ich habe immer gesund gelebt, sehr darauf geachtet, immer Sport getrieben. Aber gegen eine bakteriologische Infektion gibt es keinen Schutz. Vielleicht hätte ich noch besser auf die Warnzeichen achten sollen.


Würden Sie heute mit der Situation anders umgehen?
Ich habe mich an die Abmachung gehalten, dass ich nichts rausgebe. Erst als das Gerücht aufkam, ich hätte einen Herzinfarkt gehabt, habe ich dem entgegengewirkt.


War das zu spät?
Ich hätte früher ein gemeinsames Statement mit Fortuna herausgeben müssen, um die Spekulationen einzudämmen. Das wäre sicher besser gewesen. Aber dass es einen so erwischt, mag man einfach nicht glauben.


Aber jetzt sind Sie wieder völlig gesund?
Ich fühle mich seit Mitte, Ende August wieder gut. Dass es so lange gedauert hat, war nicht vorhersehbar. Aber es ist ausgestanden, und ich bin stolz, mich zurückgekämpft zu haben. Ich habe das gut aufgearbeitet und spreche in diesem Interview auch zum letzten Mal über meine Krankheit – ab 2015 nicht mehr, egal wer fragt. Das habe ich beschlossen und dabei bleibt es.


Stichwort 2015 – wie stellen Sie sich Ihre Zukunft vor?
Neulich habe ich einen Freund getroffen, einen sehr erfolgreichen Unternehmer. Da kamen wir auch auf das Thema und ich habe ihn gefragt, wo er seine Mitarbeiter einsetzt. Er antwortete mir, wo sie ihre Stärken haben. Ich bin über 30 Jahre Trainer und will wieder dort arbeiten, wo ich meine Stärken habe – als Trainer. Ich will nicht die Seite wechseln, als Manager oder Berater arbeiten.


Haben Sie schon konkrete Vorstellungen?
Ich sage ganz offen: jeder will so weit nach oben kommen wie möglich. Ich war Trainer von der vierten Liga bis zur Bundesliga und weiß, dass man sich immer wieder aufs Neue beweisen muss. Als ich nach Unterhaching in die dritte Liga gegangen bin, haben einige die Nase gerümpft. Aber der Verein hat sich so um mich bemüht, dass ich gespürt habe, da geht etwas, das passt. Dass wir dann in die erste Liga aufgestiegen sind, konnte natürlich niemand ahnen. Kurzum, Trainer sein ist mein Dasein auch in Zukunft, unabhängig von der Klasse. Ich bin wieder voll hergestellt und muss gebraucht werden.


Gehen Sie gestärkt aus dem Jahr 2014 hervor?
Mit so einer persönlichen Niederlage muss man erst einmal klar kommen. Aber so eine Krankheit besiegt zu haben, daraus kann man natürlich auch viel Kraft ziehen.