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Jahresrückblick

Klitschko, Boll und ganz viel Fortuna - das Düsseldorfer Sportjahr

30.12.2012 | 17:56 Uhr
Die Düsseldorfer Fans feiern den Aufstieg - leider noch vor Ende des Spiels.Foto: Kai Kitschenberg/WAZFotoPool

Düsseldorf  Was war das für ein atemberaubendes Sportjahr! Ob Zittern mit der Fortuna um die Bundesliga-Rückkehr, Daumen drücken für die Düsseldorfer Olympioniken oder Bangen mit der DEG um die Zukunft der Eishockey-Traditionsmarke. Ein Rückblick auf ein Jahr, das alles parat hielt, nur keine Langeweile.

JANUAR

Der Start ins neue Jahr steht ganz im Zeichen der DEG. Kein Scherz: Der Eishockeyclub bewirbt sich bei der Unesco als Weltkulturerbe. Letzteren Status genießt Walter Köberle bei der DEG schon längst. Der Teamleiter löst nach sieben Jahren Manager Lance Nethery ab. Zudem kehrt Geschäftsführer Elmar Schmellenkamp nach 20 Monaten aus der Frührente zurück, hat den Weg zu seinem Arbeitsplatz an der Brehmstraße nicht vergessen: „Treppe rauf, zweimal links!“ In den Räumlichkeiten der Geschäftsstelle finden sich auch die Punkrocker der Toten Hosen ein. Campino und Co. sorgen mit dem Totenkopf-Trikot für frisches Geld im Etatloch. Indes reißt der 1. FC Saarbrücken Borussias Tischtenniscracks im Viertelfinale aus allen Pokalträumen.

FEBRUAR

Touchdowns und Augenringe garantiert: Tausende Düsseldorfer schlagen sich wegen Sebastian Vollmer vor dem TV die Nacht um die Ohren. Der ehemalige Jugend-Spieler der Panther und einzige Deutsche in der amerikanischen Profi-Football-Liga NFL verliert mit seinen New England Patriots das Endspiel um den XLVI. Superbowl mit 17:21 gegen die New York Giants. 2000 Zuschauer feiern derweil beim 7. Leichtathletik-Indoor-Meeting fünf Weltjahresbestleistungen. Ole Bischof und Andreas Tölzer legen beim Judo-Grand-Prix ihre Gegner reihenweise aufs Kreuz. Fortuna-Stürmer Sascha Rösler und Armin Veh gingen leider nicht auf die Matte, entdeckten dafür aber den Beginn einer innigen Männerfreundschaft. Nachdem Jens Langeneke in der Schlussminute die Fortuna zurück an die Tabellenspitze schoss, „gratulierte“ Veh mit „Rotzlöffel“ und „Schande für den deutschen Fußball“ an Röslers Adresse.

MÄRZ

Der März wird zum K.o.-Monat. Wladimir Klitschko knackt vor 50 000 Boxfans in der Arena mit seinem 50. Jubiläums-K.o. die karibische Kokosnuss Jean-Marc Mormeck. Auch in der Fußball-Kreisliga fliegen die Fäuste. Das Spiel zwischen Tiefenbroich und dem SC West II wird von Schlägereien überschattet. K.o. auch für die geplante Handball-Ehe zwischen Dormagen und Düsseldorf, die noch vor der Trauung platzt. Die insolventen HSG-Handballer können ohne 75 000 Euro-Finanzspritze noch nicht einmal die Saison beenden, bitten selbst bei Rotlichtkönig Bert Wollersheim und der Stadtspitze ums monetäre Gnadenbrot. Letzteres gewährt das Rathaus nur der DEG in Höhe von 450 000 Euro.

Klitschko siegt durch K.O.

Sportlich läuft’s dagegen schlecht. Nachdem die Iserlohner Hühnchen gerupft wurden, besiegeln drei Ingolstädter Tore binnen 45 Sekunden das Play-off-Aus im Viertelfinale. Christian Brittig wird als Nachfolger von Trainer Jeff Tomlinson verkündet. Während das renovierte Rather Waldstadion seine Pforten öffnet, wird beim Saisonaufgalopp am Grafenberg der von den NRZ-Lesern zum Galopper des Jahres 2011 gewählte Big Hunter gekürt. Die Giants-Basketballer ziehen dank unglaublicher Aufholjagd in die Play offs ein, ringen Paderborn nach 13:37 noch mit 73:60 nieder. Und leisten sich den größten Fauxpas der Vereinsgeschichte . . .

APRIL

. . . kein Aprilscherz: Die Basketballer reichen ihre Lizenzunterlagen für die erste Liga eine Dreiviertelstunde zu spät ein. Der Bote stand im Stau. Egal. Schließlich wurde nach dem schmerzhaften Ritterschlag im Play-off-Halbfinale bei den Kirchheim Knights der Aufstieg ohnehin verpasst. Hoch hinaus ging es für die Brückenläufer. 3500 Starter genießen die Aussicht von Oberkasseler- und Rheinkniebrücke. Maximilian Thorwirth und Sascha Dee grüßen vom Siegerpodest. Letzterer hatte noch genug Puste, um beim 10. Marathon als bester Düsseldorfer unter 14 000 Startern ins Ziel zu laufen. Bleibt noch „Entschuldigung“ zu sagen. Fortuna-Trainer Norbert Meier tat dies bei jenen Fans, welche die 1:2-Blamage bei Schlusslicht Rostock erlebten.

MAI

Im Mai wurde der Spieß umgedreht. Wobei eine einfache Entschuldigung von Fortunas Anhängern wohl nicht ausreichte, um das wiedergutzumachen, was sich da im Wonnemonat ereignete und deutschlandweit für Aufsehen sorgte. Nein, nicht die Eröffnung des neuen Bootshauses der Ruder-Germanen oder der 100. Geburtstag des TC Benrath. Auch Borussias Sieg im Europapokal nebst fünftem Meistertitel in Serie und der serbische Triumph im Finale der 35. Tennis-Mannschafts-Weltmeisterschaft im Rochusclub gegen Tschechien wurden von den Ereignissen an jenem 15. Mai glatt in den Schatten gestellt. Der verfrühte Platzsturm einiger hundert freudetrunkener Fortuna-Fans beim 2:2-Relegations-Krimi gegen Hertha brachte die Rückkehr nach 15 Jahren in die Beletage des deutschen Fußballs ernsthaft in Gefahr. Dem Berliner Protest folgte ein wochenlanger Prozess-Marathon.

Chaos im Spiel der Fortuna

JUNI

Erst einmal durchatmen? Von wegen! Der Monat begann gleich mit einem Paukenschlag. Während die Fans der HSG den insolventen Verein, der nach drei Jahrzehnten von der Landkarte der Handball-Bundesliga verschwindet, mit einem schwarzen Pappsarg symbolisch zu Grabe tragen, droht auch dem Profi-Basketball das Aus! Die Liga verweigert den Giants aufgrund finanzieller Ungereimtheiten zunächst die Zweitliga-Lizenz, meldet den Klub als Zwangsabsteiger an die vierte Spielklasse. Der Gang durch die Hintertür per Wildcard für die erste Liga misslingt. Der Verein protestiert, erwirkt schließlich eine außergerichtliche Einigung mit der Liga für einen Zweitliga-Start.

Trotz dem letzten Tabellenplatz bleibt Fortunas Reserve in der Regionalliga, erhält mit Taskin Aksoy einen neuen Trainer. Fabian Hambüchen räumt bei den Deutschen Kunstturnmeisterschaften gleich dreifach ab, während die deutschen Hockey-Herren sich beim Masters-Turnier auf der Anlage des DSD gegen Spanien (6:3) für Olympia warm schießen.

JULI

Der Juli steht im Zeichen der fünf Ringe. Während Sportschützin Jessica Mager als 20. bei den Olympischen Spielen in London Zielschwierigkeiten mit dem Luftgewehr hat, tröstet sich Tischtennis-Borusse Timo Boll mit Team-Bronze über sein überraschendes Achtelfinal-Aus im Einzel gegen Adrian Crisan hinweg. Dass er dabei eine Entscheidung des Schiedsrichters zu seinen Ungunsten korrigierte, zeugte wieder einmal für seine menschliche Größe. Die besitzt mit 2,08 m Gardemaß auch Lukas Müller.

Im deutschen Paradeboot ruderte der Germane zum Achter-Gold. Pech dagegen für Ina-Yoko Teutenberg: Im Radrennen gewinnt sie zwar den Sprint des Hauptfeldes, doch die Medaillen teilte ein Ausreißerinnen-Trio unter sich auf. Preisgekrönt dagegen Dani Schahins Auftritt als eingewechselter Doppeltorschütze zum 2:0 der Fortuna beim ersten Bundesliga-Auftritt in Augsburg. Volle Leistung trotz halbem Etat servierten die Rochusclub-Schützlinge von Trainer Detlev Irmler mit einem starken fünften Platz am Ende der Tennis-Bundesliga-Saison.

Am Ende eines nassen Höllenritts zu Lande und zu Wasser triumphierte Olympia-Starter Mario Mola beim Triathlon im Medienhafen, während die Sportkegler der SKD mit ihrem dritten Aufstieg in Folge künftig in der Bundesliga in die Vollen werfen.

AUGUST

„Meine Damen und Herren, wir sind wieder in Düsseldorf“, lautet der süffisante Fernsehkommentar, als die Fortuna bei der Saisoneröffnung gegen Benfica Lissabon im nächsten Skandalspiel steckt. Licht- und Lasershow sind vergessen, als der brasilianische Nationalverteidiger Luisao Schiedsrichter Christian Fischer niederstreckt. Spielabbruch! Als standfester erwiesen sich 1363 junge Tischtennisspieler bei den Kids Open der Borussia, dem größten europäischen Nachwuchsturnier. 20 000 Zuschauer fiebern derweil beim Galopp-Höhepunkt der Saison auf der Rennbahn mit der Kölner Stute Salomina als Siegerin im Großen Preis der Diana.

Ein tödlicher Unfall überschattet indes die 66. Wilhelm-Unger-Spiele im Rather Waldstadion. Kampfrichter Dieter Strack wird von einem Speer getroffen und erliegt trotz Not-OP seiner schweren Verletzung.

SEPTEMBER

Schalkes Klaas-Jan Huntelaar durchbricht nach 558 Spielminuten als erster Torschütze Fortunas Abwehrbollwerk. Schahins Doppelpack vor 54 600 begeisterten Zuschauern sichert dennoch ein 2:2. Auch die DEG nimmt vor 16 000 Augenzeugen einen Punkt bei den Kölner Haien mit. Der ART feiert indes die Stunde Null als neue stärkste Handball-Kraft, bezwingt zum Heimauftakt in der Regionalliga die Gummersbacher Reserve (29:28).

Im Goldregen stehen sowohl Ina-Yoko Teutenberg bei der Mannschafts-WM in Valkenburg als auch Tischtennis-Borusse Holger Nikelis bei den Paralympics und Wildwasser-Kanut Finn Hartstein vom KCD bei der Weltmeisterschaft.

OKTOBER

Goldener Oktober? Nicht bei der Tennis-Mannschafts-WM. Der World Team Cup wird nach 35 Jahren künftig von einem ATP-Turnier abgelöst. Fest im Sattel ist dagegen Norbert Meier. Daran ändert auch die bajuwarische Fußball-Lehrstunde der Münchener Bayern nichts. Ribery und Co. fackeln in der Arena ein 5:0-Feuerwerk ab. Meier löst mit dieser Partie den legendären Heinz Lucas als dienstältesten Fortuna-Trainer ab. Die Toten Hosen werden für ihre langjährige Vereinstreue zu Ehrenmitgliedern ernannt. Im zehnten Saisonspiel feiert die DEG ihren ersten „Dreier“ beim 2:1 gegen Hannover, Niki Mondt sein 900. DEL-Spiel.

Auch Timo Boll ist ein Serientäter, begießt seinen sechsten EM-Titel. Ashton Rome scheint dagegen eher ein Kurzarbeiter. Der DEG-Neuzugang flog beim Debüt nach nicht einmal einer Minute Einsatzzeit vom Eis. Willkommen in der DEL! Derweil stehen die Gläubiger bei den Baskets, dem neuen Vereinsnamen der Giants-Basketballer, Schlange. Rund zehn Zwangsvollstreckungsaufträge rufen die Liga auf den Plan.

NOVEMBER

Im Penaltyschießen entzaubert die DEG Meister Berlin. Nando Rafael schießt die Fortuna in der Verlängerung ins Pokalglück gegen Borussia Mönchengladbach. Derweil unterliegt Timo Boll im Finale der German Open seinem Kumpel und Ex-Kollegen Dimitrij Ovtcharov an der Tischtennis-Platte. Über 25 000 Fans geben ihre Stimme für die Düsseldorfer Sportler des Jahres ab und küren neben Fortunas Erfolgs-Duo Wolf Werner/Norbert Meier auch Olympiasieger Lukas Müller und die Behinderten-Schwimmerin Tanja Gröpper für ihre großartigen Leistungen in London.

DEZEMBER

Schöne Bescherung, DEG! Für die kommende Saison fehlen 2,4 Millionen Euro im Etat. Schlechte Nachrichten auch für die Fortuna, deren fantastisches Fußball-Jahr in einer 0:2-Pokal-Blamage bei Drittligist Kickers Offenbach mündet. Mehr als nur ein blaues Auge kassiert Felix Sturm bei seinem Debüt als Boxpromoter in Reisholz. Sein Schützling Susi Kentikian muss eine umstrittene Punktniederlage hinnehmen, der zweite Hauptkampf fällt aus. Strittig auch das Basketball-Derby in Essen, wo den Baskets 3,4 Sekunden Spielzeit geklaut werden.

Marcus Gülck



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