„Karsten, lass das Hemd bitte an!“

„Er nimmt einen langen Anlauf. Er hat einen fantastischen Arm, Llorente! Llorente!! Llorenteeeeee!!! - Karsten, lass das Hemd bitte an!“ - die Stimme des Kommentators überschlägt sich, der Berner Torjubel von 1954 ist ein Wiegenlied dagegen. Karsten, aka Karsten Wehmeier, behält sein Hemd an. Natürlich. Obwohl der Spielzug des Argentinischen Polospielers Pedro Fernandez Llorente mit einem Treffer für das Berenberg-Team erfolgreich endet und er den Sieg einfährt. Wehmeier ist Chef der Unternehmenskommunikation der gastgebenden Bank und in dieser Funktion schwerpunktmäßig anderweitig extrovertiert.

Der 9. High Goal Cup im Reit- und Polo Club an der Lünen’schen Gasse ist stimmungsvoll. Weit draußen, zwischen Wald und Flur, umgeben von Vogelgezwitscher und dezent perlenden Champagnerbläschen, rangen am Wochenende vier Teams um den Sieg. „Um dem hohen sportlichen Anspruch gerecht zu werden, ist das Teilnehmerfeld auf nur vier Mannschaften begrenzt,“ so Wehmeier. Die Düsseldorfer Veranstaltung ist Teil der German Polo Tour und in diesem Jahr damit deutschlandweit eines von nur vier Turnieren auf dem High Goal Niveau +12 goals.

Heimvorteil für Baumgärtner

Heimvorteil bei den Zuschauern genießt das Düsseldorfer Team um Dirk Baumgärtner. Der Clubpräsident des Kalkumer Reit- und Polo Clubs ist mit seinem Vereinskameraden Philipp Sommer, unterstützt von den beiden argentinischen Spielern Eduarda Anca, (Handicap 6) und Pedro Fernandez Llorente, am Ball. Llorente hat das Handicap 5 und zählt damit, wie Anca, zur Weltklasse. Die anderen Mannschaften sind aus Landsberg Ammersee, Wassenaar aus den Niederlanden und Schleswig Holstein angereist.

Das norddeutsche Team wird von Christopher Kirsch (Handicap 3), Kapitän der deutschen Nationalmannschaft und Veranstalter des Turniers, angeführt. Kirsch präsentiert sich gut gelaunt und tiefenentspannt, nicht nur auf dem Feld, wo Teamkamerad Max Bosch laut Kommentator „leider nur die Luft trifft“, sondern auch bei den dazugehörigen Promotionsterminen eines solchen Events. Einen Abend vor dem Turnierstart, beim Sponsoren-Champagner-Empfang im Modehaus Breuninger, stellte Kirsch sich geduldig Fragen nach den Pferden, Ausrüstung oder der Kondition seines Gegenspielers Heino Ferch. Der Schauspieler und seine Frau Marie-Jeanette Ferch zählen seit Jahren zu den Leistungsträgern ihrer Mannschaft aus Landsberg Ammersee. Die wird ebenfalls durch zwei Argentinier verstärkt, Ignacio Garrahan und Pablo Jaurechtche.

Die südamerikanischen Spieler haben es vor der flinken Zunge des Kommentators schwer. Hinterfragen sie eine Schiedsrichterentscheidung klingt sofort ein launiger Spruch aus den Lautsprechern: „ . . . der Argentinier will’s nicht wahr haben, aber die spielen ja auch Fußball mit der Hand“. Die Lateinamerikaner tragen das Gefrozzel mit Würde.

80 Turnierpferde

Argentinien gilt als Hochburg es Polosports, die 80 Turnierpferde kommen aus argentinischen Gestüten. Jeder der Spieler hat mindestens vier Pferde, die nach den Chukkern (Spielabschnitte) gewechselt werden. Ob es nun die nervenstärkeren Pferde, die erfahreneren oder wagemutigeren Spieler sind, die den Sieg ausmachen, kann bei einem weiteren Gläschen Champagner erörtert werden. Beim High Goal Cup 2016.