„Ich werde definitiv heulen“

Herr Lambertz, zwei Spiele sind es nur noch, dann ist Ihre Zeit als Fortuna-Spieler vorbei. Haben Sie das schon vollständig realisiert?
Inzwischen schon. Ich habe mit dem Thema schon länger abgeschlossen. Die letzte Zeit war nicht schön, aber als ich mich einmal mit dem Gedanken abgefunden hatte, war’s okay.


War Ihre Entscheidung, Fortuna zu verlassen, letztlich eine Befreiung?
Auf jeden Fall. Ich war ein Jahr lang nur enttäuscht, habe gesehen, dass es wenig Sinn hat, hier zu bleiben.


Verraten Sie uns denn schon, wo Sie künftig spielen?
Das kann ich leider noch nicht, es sind noch Details zu klären.


Aber an Ihrem Entschluss, Fortuna zu verlassen, hat sich nichts geändert? Schließlich ist die sportliche Leitung im Umbruch.
Ja, aber es steht ja schon seit mehreren Wochen fest, dass Frank Kramer neuer Trainer wird. In dieser Zeit hätte er ja auf mich zukommen können, wenn er auf mich zählen würde. Das war aber nicht der Fall, also ist das Thema durch.


Sind Sie sauer auf Fortuna?
Ich weiß nicht, ob ich sauer auf den Verein sein sollte. Ich bin enttäuscht, dass ich keine Chance mehr bekam. Deshalb will ich dorthin gehen, wo ich gebraucht werde. Ich bin sehr froh, dass meine Frau gesagt hat: Egal, wofür du dich entscheidest, wir gehen mit.


Freuen Sie sich auf die letzten Spiele?
Klar. Aber ich weiß auch, dass es am Pfingstsonntag noch einmal sehr hart wird. Wenn dann gegen den FSV Frankfurt endgültig Schluss ist als Fortuna-Spieler, dann werde ich definitiv heulen.


Vermutlich nicht als Einziger.
Schon möglich. Ich hatte immer ein enges Verhältnis zu den Fans. Es war richtig klasse, dass viele sich jetzt in den schweren Zeiten so für mich eingesetzt haben. Es ist schön, diesen Rückhalt zu spüren.


Bei den Trainern gab es zuletzt diesen Rückhalt nicht mehr. Haben Ihnen Taskin Aksoy und zuvor Oliver Reck eigentlich erklärt, warum Sie bei ihnen keine Rolle mehr spielten?
Nein. Ich habe es nur Woche für Woche in den Besprechungen gesehen, wenn ich wieder nicht in der Mannschaft stand.


Haben Sie nie gefragt?
Nein, ich habe meinen Mund gehalten und die Entscheidung akzeptiert. Ich bin nicht der Typ, der nach so vielen Jahren Unruhe bei Fortuna hereinbringen will.


Was überwiegt im Rückblick?
Die schönen Momente kann mir niemand nehmen. Das Highlight war die Relegation gegen Hertha – da kriege ich heute noch eine Gänsehaut. Und natürlich mein Tor bei den Bayern. Als ich in der Oberliga angefangen habe, hätte doch keiner gedacht, dass ich jemals mit Fortuna in der Bundesliga spielen würde. Darauf kann man schon ein bisschen stolz sein.


Aktuell herrscht große Unruhe bei Fortuna. Bekommt sie die Kurve?
Wie ich letztens schon unseren Ultras sagte: Alle müssen wieder als Einheit auftreten, Fortuna braucht den Zusammenhalt. Nur dann kann es aufwärts gehen. Wir haben es ja schon mal geschafft.