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„Ich versuche, Fortuna zu leben“

04.01.2013 | 20:03 Uhr
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„Ich versuche, Fortuna zu leben“
Tobias Levels beim Training im spanischen Guadalmina.Foto: CHRISTOF WOLFF

Der Fortuna-Profi erzählt, wie er in der vergangenen Saison unter der Ausleihe-Situation gelitten hat – obwohl er bei fast allen Partien in der Startelf gestanden hatte. Erst seit dem endgültigen Wechsel von Gladbach nach Düsseldorf im Sommer fühlt er sich bei seinem neuen Verein richtig zu Hause.

Fast ein Jahr lang hat Tobias Levels als Stand-by-Profi spielen müssen. „Diese Scheiß-Ausleihesituation mit Gladbach“, wie der Abwehrspieler im NRZ-Gespräch am Rande des Trainingslagers in Guadalmina/Spanien betonte, „hat mir gar nicht gefallen. Man steht zwischen den Fronten, besitzt keine wirkliche Zugehörigkeit. Ich aber brauche als Fußballer eine klare Identität.“ Die gibt es seit dem Sommer. Zum Vorteil für Levels: „Ich versuche, Fortuna und das ganze Drumherum zu leben.“

Was nicht ganz so einfach für jemanden ist, der zwölf Jahre für den Niederrhein-Rivalen Borussia Mönchengladbach gespielt, dort den Sprung in die Bundesliga geschafft hatte. „Ich hatte dort eine schöne Zeit, aber keinen schönen Abgang. Die Art und Weise der Trennung war schwer“, blickt Levels zurück.

Als gelernter Innen- und gesetzter Außenverteidiger wurde der robuste Blondschopf plötzlich seine scheinbare Startgarantie an U-21-Nationalspieler Tony Jantschke los. Schlimmer: Frontzeck-Nachfolger Lucien Favre, der die Borussen im Endspurt auch noch vor dem sicher geglaubten Abstieg retten sollte, bekräftigte mehr oder minder, dass er Levels nicht für sein Spielsystem gebrauchen könne. Durchaus ein Schlag ins Kontor des Selbstvertrauens.

Da kam das Düsseldorfer Interesse aus Liga zwei gerade recht. Fortuna lieh den Ausgemusterten im Spätsommer 2011 aus. Was Levels, durchaus von Vorteil, einen Umzug ersparte. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase setzte der Blondschopf mit seinem Debüt beim 4:2-Sieg in Aue ein Ausrufezeichen, hatte Christian Weber die rechte Außenverteidigerposition ausgespannt, wusste danach weitgehend zu überzeugen.

Der Raute-Makel aber blieb an ihm haften wie ein Kaugummi. Die misstrauische Frage lautete: Was will ein Leih-Gladbacher in Düsseldorf? „Es ist nicht angenehm, wenn man solch ein Gefühl vermittelt bekommt. Auch wenn ich das immer versucht habe auszublenden. Weil ich nämlich genau das nicht bin und auch nie sein wollte. Erst mit dem festen Vertrag genieße ich Fortuna. Und zwar jeden Tag.“ Siehe oben! Versteht sich von selbst, dass für Levels die erste Auswärtspartie der Rückrunde im Borussia-Park keine normale sein wird.

Comeback wurde zur Enttäuschung

Die Dellen einer guten Vorrunde verheilen zögerlich. Die letzten vier Partien musste der Blondschopf zusehen. Die Bänderdehnung im Innenbandbereiches seines Knie beim 2:0 über den HSV – Ex-Fortuna Maximilian Beister war auf Levels gefallen – brachte Außenverteidiger-Konkurrent Leon Balogun ins Geschehen. „Ich war schon enttäuscht, dass ich gegen Hannover im letzten Vorrundenspiel nicht dabei war, obwohl ich hätte spielen können“, gesteht Levels, „ich weiß schließlich, was ich kann.“

Beim DFB-Pokalachtelfinale in Offenbach drei Tage später war er dann plötzlich wieder Starter. Allerdings in der Innenverteidigung. Wie gegen den HSV. Diesmal für den erkrankten Adam Bodzek statt den verletzten Jens Langeneke. Das Comeback zum Jahresabschluss am Bieberer Berg geriet zur Enttäuschung. „Wir waren nicht fokussiert genug und haben einen mentalen K.o. erlitten. Dabei hätten wir nahe an Berlin ranrücken können.“ Aus dem unrühmlichen Ende des Superjahres 2012 zieht Levels auch positives: „Die Mannschaft hat einen Beweis dafür bekommen, dass unser Schlüssel für Erfolg immer im Training unter der Woche liegt. Darin, stets genügend Spannung für die nächste Aufgabe aufzubauen.“

Rückendeckung bei den Fans

Eine prächtige Unterstützung sind für Tobias Levels die Fortuna-Fans. „Sie haben ein gutes Gespür dafür, wann wir Rückendeckung nötig haben. Die Mannschaft zieht jedenfalls eine Menge aus der Unterstützung von den Rängen.“ Dabei denkt der Abwehrrecke nicht nur an die Aufholjagd mit zwei Schahin-Treffern beim 2:2 gegen Schalke 04. Die aufmunternden Reaktionen während des hoffnungslosen 0:5 gegen die Münchener Bayern hätte es wohl „in keinem anderen Bundesliga-Stadion so gegeben“, glaubt Levels.

Michael Rybergaus Guadalmina

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