HSG fusioniert mit DHC
26.12.2011 | 22:18 Uhr 2011-12-26T22:18:00+0100
Düsseldorf. Der letzte Vorhang war gefallen. In Gedanken stapfte Mathias Lenz gestern Abend über das fast verwaiste Handball-Parkett. Hinter dem Torhüter von Zweitligist HSG lagen 60 packende Spielminuten, die in einem 25:25-Remis gegen DHfK Leipzig mündeten. Für Lenz und seine Teamkollegen geriet das letzte Spiel des Handball-Jahres 2011 vor der sechswöchigen EM-Pause jedoch schnell zur Nebensache. Wie die NRZ erfuhr, informierte HSG-Manager Frank Flatten die Mannschaft eine halbe Stunde nach dem Schlusspfiff in der Kabine über ihre sportliche Zukunft und eine Fusion mit Noch-Liga-Konkurrent DHC Rheinland. Der Zusammenschluss mit den Dormagener Handballern wird heute bei einer gemeinsamen Pressekonferenz beider Klubs öffentlich verkündet.
Zu der Fusion wollten sich gestern weder die Spieler noch Trainer Ronny Rogawska äußern. Manager Flatten war bei der abschließenden Pressekonferenz nach dem Spiel gar nicht erst erschienen. Auch in Dormagen verwies man auf die heutige Pressekonferenz. Die Fans hatten dagegen bereits ihre eigene Meinung plakativ geäußert: „Dormagen, nein danke!“
Im Internet haben die Anhänger bereits eine Initiative zur „Rettung der HSG“ gestartet. Eine lobenswerte Aktion, die angesichts der Fusion jedoch hinfällig sein dürfte. So wird sich die HSG, deren mit 350 000 Euro verschuldeter Stammverein HSV Düsseldorf e.V. am Donnerstag Insolvenz anmeldete, in die Liaison mit Dormagen flüchten.
ART will den Unterbau
Was das für Spieler, die Trainer und auch für die Vereinsspitze bedeutet, muss die heutige Pressekonferenz klären. Reisholz als Spielort der zukünftigen Handballspielgemeinschaft scheint jedoch bereits in trockenen Tüchern zu sein.
Der 14 Mannschaften umfassende Unterbau könnte indes vom ART übernommen werden, der wie berichtet bereits seit Monaten an entsprechenden Plänen arbeitet.
Immerhin nahmen die HSG-Spieler, von denen gestern Abend bereits einige in den verspäteten Weihnachtsurlaub starteten, die Gewissheit mit, durch das Remis gegen Leipzig erstmals seit zehn Spieltagen die Abstiegszone verlassen zu haben.
Nachdem die Gäste achtmal einen Rückstand egalisieren konnten, setzte sich die HSG mit Debütant Markus Neukirchen bis zur Pause auf 16:11 ab. Nach dem Seitenwechsel bekam die HSG gegen die offensive Abwehr der Leipziger jedoch zusehends Probleme. Auch, weil das Spiel über den Kreis und Überzahlsituationen nicht genutzt wurden.
Erst als sich die Gäste um Ex-Düsseldorfer Rene Wagner auf 23:21 abgesetzt hatten, kam die HSG zurück. Hatte durch Hegemanns Freiwurf an die Latte nach abgelaufener Uhr sogar noch den Siegtreffer in der Hand. Was angesichts der heutigen Pressekonferenz zur Makulatur verkam.
10:54
Ich denke nicht, dass wir uns noch ein Handballspiel des fusionierten Verins anschauen werden. Wir sind Fans des DHCs und mit Sicherheit nicht der HSG! Und nach Düsseldorf werden wir mit absoluter Sicherheit niemals fahren.
Was haben sich die Herren dabei gedacht? Abzusehen davon, dass das nicht funktionieren wird, werden in Zukunft die Fans auch wegbleiben, da sich die Dormagener und Düsseldorfer noch nie besonders grün waren. Mit wem soll sich der gemeine Fan dann identifizieren?
Fahren wir eben in Zukunft nach Korschebroich...
Sehr traurige und erboste Grüße...
06:13
Oh Gott, Fusion mit Dormagen? Glaubt Herr Flatten wirklich, daß wenn zwei Ertrinkende sich im Todekampf die Hände reichen dann Rettung naht?
Fusionen sind oftmals bedenklich. Es funktionierte beim Bergischen HC (Solingen/Wuppertal) im Jahre 2006 nur, weil die Sponsoren Druck ausübten. Doch eben solche Sponsoren fehlten in Düsseldorf und Dormagen.
Weiteres Beispiel? EIne HSG FrankfurtRheinMain (Wallau/Münster) wollte vor ein paar Jahren die Handball-Ligen aufrollen ... und scheiterte erbärmlich. Die Zuschauer blieben in der Metropole Frankfurt aus. Nach zwei Jahren ging man zurück in seine Ursprungsclubs und spielt nun in der 3. sowie 4. Liga. Nicht gerade hoch, aber mit ehrlichem Gesicht und Eigenständigkeit.
Welcher zusätzliche Fan und gutmeinende Geldgeber sollte sich für zwei mäßig attraktive Vereine begeistern? Aus Köln kommt niemand (das hat schon Gummersbach bemerkt). Die Region Mönchengladbach hat Korschenbroich. Der Krefelder hat eigene Vereine. Jenseits des Rheins marschieren alle zum Bergischen HC.
Ich höre diese Fusions-Totgeburt schon heute wimmern!