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Hambüchens goldene Rekord-Rückkehr

17.06.2012 | 20:05 Uhr
Hambüchens goldene Rekord-Rückkehr
Florian Hambüchen präsentierte sich in Düsseldorf in bestechender Form.Foto: imago

Düsseldorf. Mit ausgebreiteten Armen, die Fäuste gen Hallendach gereckt, schrie Fabian Hambüchen seinen Jubel mit einem kräftigen „Yes“ heraus. Und animierte die rund 2800 Zuschauer in der fast ausverkauften Halle an der Siegburger Straße zu ausgelassener Feierstimmung. Nach Monaten des Leidens und einem harten, arbeitsreichen Weg zurück an die Spitze feierte der Turnfloh aus Wetzlar bei den Deutschen Meisterschaften mit Olympia-Qualifikation eine grandiose Rückkehr in die Turn-Elite – zum sechsten Mal sicherte sich Hambüchen in seinem ersten Sechskampf seit dem vergangenen Oktober den Mehrkampftitel, krönte sich zum achten Mal in Folge zum deutschen Reck-König. Das war noch keinem Deutschen gelungen. Der Titel am Boden kam noch obendrauf.

Mit nun 30 Meistertiteln rückt der Hesse nicht nur Rekordmeister Eberhard Gienger (34 Titel) ein gehöriges Stück näher. Sondern auch einem Start bei den Olympischen Sommerspielen in London.

Grundlage am Paradegerät

Dabei sah es im vergangenen Jahr noch ganz düster aus . Im Januar hatte Hambüchen im Training einen einfachen Salto am Boden probiert. Beim Absprung riss die Achillessehne im linken Fuß. „Mein Fernziel sind die Olympischen Spiele“, hatte Hambüchen immer wieder tapfer betont. Und nun Wort gehalten.

Die Grundlage für seinen sechsten Mehrkampf-Meistertitel hatte das 61-Kilogramm-Kraftpaket am „Königsgerät“ der Turner gelegt. Nach der Reckstange greifen Hambüchens Hände besonders gern. Das Turn-Ass brillierte in luftiger Höhe von 2,80 Meter mit einer extrem schwierigen Übung. Kräfte von bis zu fünf „G“, wie die Belastung des Körpers bei Beschleunigung gemessen wird, schaltet der 24-Jährige scheinbar einfach aus.

Hambüchen spielend leicht

Beispielsweise beim Doppelsalto rückwärts über die Stange mit ganzer Drehung – die Zuschauer halten den Atem an! Doch dieser Kolman passt genau in den Schwung. Sicher greifen Hambüchens Hände zu. Immer wieder schleudert sich der Spezialist zur Verzückung der Fans spektakulär durch die Luft. Auch die Verbindung eines gestreckten Saltos mit ganzer Drehung aus dem Ellgriff gelingt. Die Stimmung unter dem Hallendach kocht. Und läuft geradezu über, als der Abgang in den Stand mit einem winzigen Wackler gelingt.

Während Hambüchen scheinbar spielend leicht begeisterte, mussten seine ärgsten Widersacher mit Barren-Europameister Marcel Nguyen und Titelverteidiger Philipp Boy jeweils unfreiwillig das Gerät verlassen: Punktabzug!

Zweite Qualifikation erspart

„Es war wirklich ein Super-Mehrkampf. Aber bis London ist jetzt noch Zeit, kleine Fehler auszumerzen“, betonte der 24-Jährige, der am Boden sicherheitshalber ein paar Pünktchen liegen ließ, um nach der Fußverletzung vor den Olympischen Spielen nicht mehr zu viel zu riskieren. Schließlich hat der Weltmeister von 2007 die komplette Saison ausschließlich auf die Olympia-Vorbereitung fokussiert und dafür sogar die EM ausgelassen.

40 Tage vor dem Auftakt in London kommt DTB-Bundestrainer Andreas Hirsch schon vor der zweiten Qualifikation in zwei Wochen in Frankfurt kaum noch an einem Mehrkampf-Einsatz von Hambüchen in London vorbei.

Mareike Scheer



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