Gionis macht alles klar

Es würde nicht wundern, wenn Panagiotis Gionis (Borussia) demnächst in alter Boris-Becker-Manier von einer Sportanlage als seinem „Wohnzimmer“ spräche. Was für Tennisstar Becker der „heilige Rasen“ in Wimbledon war, ist für Gionis der Center Court am Staufenplatz. Dort hat der Grieche noch kein einziges Tischtennisspiel verloren, sei es in der Tischtennis Bundesliga (TTBL) oder in der Champions League. „Panos fühlt sich hier einfach wohl. Auf dem Boden kann er sich gut bewegen, das Licht ist für seine Augen genau richtig. Im Center Court spielt er eine Klasse besser als auswärts“, erläutert Borussia-Manager Andreas Preuß.

So ist es auch nicht verwunderlich, dass der 34-jährige Gionis zum Matchwinner im TTBL-Spitzenspiel zwischen dem verlustpunktfreien Spitzenreiter Borussia und dem hartnäckigsten Verfolger, dem TTC Zugbrücke Grenzau, wurde. Gionis steuerte zwei spektakuläre Erfolge zum 3:1 der Düsseldorfer bei und war maßgeblich daran beteiligt, dass die Borussen im 20. Spiel in Folge unbesiegt blieben und jetzt mit 22:0 Punkten und sechs Zählern Vorsprung die Tabelle anführen. Borussia-Trainer Danny Heister hatte neben dem reha-bedingten Ausfall von Patrick Franziska (Weltrangliste 44) und dem in der seiner indischen Heimat weilenden Sharat Kamal Achanta (50) auch noch das Problem mit dem stark verschnupften Timo Boll (9) zu lösen. Zum einen stand Heister selbst an der Platte und spielte den aktiven Part auf Position drei und Boll setzte er nicht wie gewohnt als Spitzenspieler ein, sondern der Trainer zog den Rekord-Europameister auf Position zwei hinunter. „Das war kein Problem, ich habe schon als Panos zu uns kam gemerkt, dass er gut drauf war“, verriet Heister.

Auch Boll zeigte sich trotz Handicaps als Vollprofi und hängte sich gegen den Grenzauer Andrej Gacina (26) voll rein. Hochkonzentriert hielt der Linkshänder die Ballwechsel kurz und suchte jede Chance zum Punktgewinn. Dass ihm dabei besonders im dritten Satz ein paar Flüchtigkeitsfehler unterliefen, fiel nicht ins Gewicht. Boll machte den Zähler zur beruhigenden 2:0 Pausenführung.

Heister ohne Chance

Dass Heister mit seinen 43 Jahren gegen die aktuelle Nummer 121 der Weltrangliste, Jonathan Groth, kaum eine Chance haben würde, war klar. Doch Heister ist ein Kämpfer und mit allen Wassern gewaschen. So schlug er sich wacker durch die Partie und überraschte immer wieder mit gekonnten Aktionen, die seine ehemalige Klasse verrieten. Zum Sieg fehlte aber die Konstanz. „Ich habe alle Spiele gegen Grenzau genossen. Auch mein eigenes, obwohl vielleicht sogar etwa mehr drin gewesen wäre“, meinte Heister.

Als große Klammer des Spieltages fungierte Abwehrspezialist Gionis. Er machte das Auftaktmatch gegen Masaki Yoshida (82), spielte dabei schon spektakuläre Bälle, antizipierte extrem gut und brachte Yoshida zur Verzweiflung. Zum Abschluss des Spieltages setzte Gionis noch einen drauf und bezwang Gacina in einem hochklassigen Match.

„Gut, dass sich Panos noch etwas Selbstvertrauen holen konnte. Jetzt fahren wir guten Mutes zum Champions-League-Viertelfinale nach Frankreich zu Pontoise“, erklärte Coach Danny Heister nach der Partie.