Franziska bleibt Sieger im Nerven-Krimi

Wenn Borussia-Manager Andreas Preuß vor einem Spiel der Tischtennis Bundesliga (TTBL) das Mikrofon ergreift, hat das oft nichts Gutes zu bedeuten. Genauso war es gestern Abend kurz vor der Begegnung mit der TTF Liebherr Ochsenhausen. „Leider werden wir heute ohne Timo Boll spielen müssen. Er hat sich eine Verletzung des rechten Hüftbeugers zugezogen“, verkündete Preuß. Weil auch Panagiotis Gionis (Weltrangliste 21) an einer Bauchmuskelzerrung laboriert, war der Tabellenführer deutlich gehandicapt, schlug sich indes prächtig. Am Ende hatte das Häuflein der Aufrechten Ochsenhausen mit 3:2 niedergekämpft.

Es war ein hin und her mit der Borussia-Aufstellung. Ursprünglich war Boll nicht eingeplant, gegen die TTF aktiv einzugreifen. Dann aber war Gionis Bauchmuskel gezerrt und Boll stellte sich als echter Teamplayer zur Verfügung, bis er eben das letzte Mal vor der TTBL-Partie trainierte, sich verletzte und Gionis doch wieder ins Aufgebot rutschte. Die Düsseldorfer zeigten sich vom Hickhack ziemlich unbeeindruckt und kämpferisch. Allen voran wieder Sharat Kamal Achanta (50). Was der Inder an Kampfgeist und Einstellung gepaart mit Spielstärke zeigte, war erneut vorbildlich. Er arbeitete Simon Gauzy (37) in fünf Sätzen nieder. Und bewies im Match gegen Liam Pitchford, dass er der Meister der scheinbar aussichtslosen Situationen ist. Achanta drehte einen 0:2 Satzrückstand, wehrte einen Matchball ab und gewann. Auch Gionis kämpfte, konnte aber deutlich bewegungseingeschränkt Kirill Skachkov (63) nicht bezwingen.

Zünglein an der Waage sollte Patrick Franziska (44) sein. Der 22-Jährige zeigte sich im dritten Spiel nach seiner fast viermonatigen Verletzungsauszeit deutlich verbessert, hatte gegen Liam Pitchford (46) sogar Siegchancen, aber noch fehlt es dem talentierten Borussen an Leistungskonstanz. Kämpfen aber kann er. Das zeigt sein 3:2 Sieg über Hugo Calderano (61) nach 0:2 Rückstand.

„Ich habe schon lange gesagt, dass ich immer stärker abwägen muss, wo und was ich spiele. Meinem Körper wird eine Wettkampfpause gut tun“, begründete Boll seinen TTBL-Verzicht. Glück im Unglück ist, dass sich der 33-Jährige Boll für die Borussia keinen besseren Zeitpunkt hätte aussuchen können. Die Düsseldorfer führen die TTBL weiterhin ungefährdet an und das erste Champions League-Halbfinale gegen Chartres ASTT ist erst für den 13. März terminiert. „Die sportlich komfortable Tabellensituation bei meinem Verein Borussia Düsseldorf gibt mir die Chance, mich zu erholen“, erklärt Boll.

Die Ergebnisse: Sharat Kamal Achanta - Simon Gauzy 3:2 (11:6, 11:9, 8:11, 5:11, 11:8); Patrick Franziska - Liam Pitchford 2:3 (9:11, 11:6, 11:6, 7:11, 9:11); Panagiotis Gionis - Kirill Skachkov (9:11; 6:11, 9:11); Achanta - Pitchford 3:2 (8:11, 4:11, 11:6, 11:8, 12:10), Franziska - Hugo Calderano 3:2 (9:11, 4:11, 11:6, 11:6, 13:11).