Fortunen üben Selbstkritik

Man könnte meinen, nach einem klaren Auswärtssieg, bei der die Mannschaft schon zur Pause mit 3:0 führte, gäbe es kaum etwas zu beanstanden. Doch die Mannschaft gab sich nach dem Erfolg gegen 1860 München selbstkritisch und sah Verbesserungsbedarf. Für Marcel Sobottka war es „fußballerisch kein überragendes Spiel, wenn überhaupt nur durchschnittlich“, Adam Bodzek bewertete die zweite Halbzeit als „einfach schlecht“ und auch Julian sah noch „einiges an Arbeit“ auf Fortuna zukommen. Der eigene Trainer hingegen fand deutlich mildere Worte. „Bei dem ein oder anderen ist die Kraft weniger geworden. Das ist aber Kritik auf sehr hohem Niveau“, relativierte Friedhelm Funkel nach dem Spiel.

Obwohl die Mannschaft durch junge und unerfahrene Spieler geprägt ist, scheint man auch nach hohen Siegen nicht den Boden unter den Füßen zu verlieren. Für Fortunas Vorsitzenden Robert Schäfer sind das Ergebnisse einer kontinuierlichen Entwicklung: „Die Spieler schätzen sich sehr gut und realistisch ein. Das ist das Resultat eines Prozesses, indem die Führungsspieler eine wichtige Rolle übernommen haben.“

Ebenso schätzte sich der Chef-Coach darüber glücklich, dass sein Team den Fokus auf die eigenen Fehler setzte. „Da sieht man, dass der eigene Anspruch wächst. So eine Selbsterkenntnis ist für einen Trainer sehr wohltuend. Das spricht für die Mannschaft und zeigt, dass wir über 90 Minuten noch besser spielen können.“

Bei all dem Lob über die selbstkritische Analyse übte Friedhelm Funkel doch noch Kritik an seinen Athleten. Der Trainer störte sich an Unsportlichkeiten im letzten Drittel des Spiels, die sich einige Fortunen leisteten. „Was mir überhaupt nicht gefallen hat, war dieses Zeitspiel. Wir haben bei Einwürfen so lange gewartet und auch Michael Rensing hat bei Abstößen immer wieder verzögert“, ärgert sich Funkel: „Damit bringen wir die Zuschauer und den Schiedsrichter gegen uns auf. Es ist zwar nett gemeint, aber so etwas dürfen wir nicht machen.“

Düsseldorfs Torhüter hatte bereits in der 60. Minute damit begonnen, sich im Ballbesitz extrem viel Zeit zu lassen. Der Schiedsrichter ließ Milde walten und verwarnte Rensing lediglich mündlich. Die Münchener Südkurve, direkt hinter dem Düsseldorfer postiert, war dagegen äußerst erbost. Es flogen Gegenstände von den Rängen und auch auf dem Feld wurde die Partie deutlich hitziger. Währenddessen appellierte der Trainer immer wieder an seine Mannschaft, die sich aber darauf konzentrierte, das Ergebnis über die Zeit zu retten: „Ich habe ‘Belle’ bei der Auswechslung noch gerufen und gesagt, er soll wenigstens laufen und nicht gehen, sonst lässt der Schiedsrichter nochmal eine Minute länger spielen.“ Letztendlich ergaben sich für die Mannschaft keine negativen Konsequenzen. Ob man sich so seinen guten Ruf in der Liga aufrecht erhält, ist allerdings fraglich.