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Fortunas Werner nimmt Benfica-Spieler nicht in Sippenhaft

12.08.2012 | 22:00 Uhr
Da war das Spiel zuende: Schiedsricher Christian Fischer liegt auf dem Arena-Rasen.

Düsseldorf.  Nach dem Spielabbruch gegen Benfica Lissabon will Fußball-Bundesliga-Rückkehrer Fortuna Düsseldorf nun das Antrittsgeld vom portugiesischen Champions-League-Starter zurückverlangen. Sünder Luisao fürchtet derweil keine Strafe.

Es gab keinen Grund, über jenes üble Bild zu lachen, was sich am Samstag um 16.39 Uhr in Fortunas Arena geboten hatte. Jorge Fernando Pinheiro de Jesus tat es trotzdem. Benficas 58-jähriger Cheftrainer mit den wehenden grauen Haaren hatte im Iserlohner Oberstudienrat Christian Fischer offenbar einen Schauspieler ausgemacht. Der Bundesliga-Referee lag, alle Viere von sich gestreckt, benommen auf dem Fußball-Grün. Die rechte Schulter des braslianischen Nationalspielers Luisao hatte Fischers Brustkorb gerammt. Mit dem Schwung eines Anlaufs, der allein keine Daseinsberechtigung im Fußball haben dürfte.

Nach 30 Sekunden hatte sich der Spielleiter zwar wieder aufgerappelt, verschwand aber im Kabinengang und brach das vorletzte Testspiel der Fortuna-Vorbereitungsphase auf die Oberhaus-Rückkehr regelgerecht ab. „Ihm war die Luft weg geblieben. Außerdem ist der Schiedsrichter beim Sturz auf den Kopf gefallen und klagte über Schwindelattacken“, berichtete Fortuna-Teamarzt Dr. Alois Teuber. Fischer ließ sich später im Krankenhaus seine Beschwerden schriftlich bestätigen. Unter anderem hatte er eine kleine Gehirnerschütterung davongetragen.

Werner und die Sippenhaft

Sportvorstand Wolf Werner mochte Champions-League-Teilnehmer Benfica Lissabon nicht in Sippenhaft nehmen: „Das kenne ich aus leidlicher Erfahrung.“ Stichwörter: Sascha Rösler und Eintracht Frankfurt! Gleichwohl redete Werner die Attacke nicht schön: „Da ist ein einzelner Spieler durchgedreht.“

Vorstandschef Peter Frymuth verspürte, gegen sein Naturell, ein enorm ungesundes Kribbeln auf der sonst extrem besonnenen Zunge: „So etwas darf es selbst in der Kreisliga nicht geben. Das ist enttäuschend, deprimierend, entsetzt mich persönlich und besitzt keinen Vorbildcharakter, wie sich ein Team europäischen Topniveaus präsentiert.“ Eine am Samstag ausbleibende Entschuldigung an den Referee inklusive. Benfica war nach einer Nacht im Hilton zügig zum Flughafen unterwegs.

Luisao verteidigte seinen Ausraster

Sünder Luisao toppte vorher noch geschwind ins Geschehen. Verbal, versteht sich. Der Innenverteidiger, Bruder von Ex-HSV-Kicker Alex Silva, verteidigte seinen Ausraster. „Alle haben gesehen, dass ich es nicht mit Absicht gemacht habe. Ich wollte nur mit dem Schiedsrichter sprechen, meine Mitspieler von ihm weghalten und bin mir keiner Schuld bewusst. Solche Sachen passieren im Fußball. Ich fürchte keine Strafe, weil es keine geben wird“, erklärte die 1,92-Meter-Kante mit den Brilliant-Sternchen in den Ohrläppchen Und gut bewacht von gleich drei Benfica-Aufpassern. Der Mann hat schließlich (Renten-)Vertrag bis 2016 – inklusive einer 20 Millionen Euro üppigen Ausstiegsklausel.

Auch Sportdirektor Antonio Carraca verblüffte seine drei mitgereisten Sportjournalisten aus dem Heimatland: „Wir sind skeptisch über das Verhalten des Schiedsrichters. Im Fußball sollten die Spieler im Mittelpunkt stehen.“ Benfica hatte Fortuna angeboten, den Kick fortzusetzen. Im Zweifelsfalle auch am Sonntag. Was natürlich nicht in Frage kam.

„So ein Müll! Benfica sollte lieber damit rechnen, dass Luisao in diesem Jahr nicht mehr so viele Spiele machen wird“, so Fortunas Finanzvorstand Paul Jäger.

Fortuna will Geld zurück

Fortuna gegen Fortuna

Übrigens: Rund 180 000 Euro an Antrittsgeld kassierte Benfica für die zweitägige Reise nach Düsseldorf. Die wird Fortuna nach dem Spielabbruch nun zurückverlangen. „Wir werden versuchen, das über die UEFA zu regeln“, versicherte Finanzvorstand Paul Jäger. Das Thema Einspruch gegen das „geteilte Geisterspiel“ zum Bundesliga-Start war übrigens am Samstag bei der Fortuna keines.

Michael Ryberg


Kommentare
13.08.2012
21:43
Fortunas Werner nimmt Benfica-Spieler nicht in Sippenhaft
von Horsu44 | #2

Sippenhaft? Stimmt, das übernehmen andere, besonders gerne bei Olympia.

13.08.2012
01:40
Fortunas Werner nimmt Benfica-Spieler nicht in Sippenhaft
von wolla | #1

Absolut widerlich, wie sich die Portugiesen am Samstag aufgeführt haben. Insbesondere deren hämisches Gelache hinter vorgehaltener Hand.
Ach ja, 20 Mio. EUR für eine Ausstiegsklausel für Luisao. Dann weiss man ja, wo die Gelder aus dem EU Schutzschirm hingehen. Komisch, daß in den grössten Schuldenländern der EU das meiste Geld verprasst wird. Angie hat es ja...

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