Fortuna will Trainer Frank Kramer holen

Heute um 20.15 Uhr erwartet Fortuna Düsseldorf in der heimischen Arena den Aufstiegskandidaten 1. FC Kaiserslautern. Doch nicht diese Partie ist in der Landeshauptstadt das Thema des Tages, sondern eine Personalie: Frank Kramer soll ab dem 1. Juli Fortunas Cheftrainer werden.

Fortunas Vorstand hat sich für den 42-Jährigen entschieden. Wenn sich beide Seiten über die Details der Zusammenarbeit einigen können und Fortunas Aufsichtsrat sein Okay gibt, wird der frühere Fürther Coach schon in dieser Woche vorgestellt. Zumindest die Zustimmung des Aufsichtsrats sollte in Kramers Fall kein Problem sein, denn der gebürtige Memminger hat mit seiner Konzeption neben dem Vorstand auch das Kontrollgremium bereits im Vorfeld überzeugen können.

Neben Kramer war bis zuletzt nur noch Horst Steffen im Rennen um den Trainerposten geblieben, der seit der Trennung von Chefcoach Oliver Reck vakant und als Interimslösung mit U23-Trainer Taskin Aksoy besetzt ist. Der frühere Leverkusener Sami Hyypiä, lange Zeit einer der Favoriten des Vorsitzenden Dirk Kall und des Sportvorstands Helmut Schulte, war in Fortunas Führung nicht durchsetzbar, da Zweifel an der konzeptionellen Arbeit des Finnen bestanden.

Das ist bei Kramer wie bei Steffen – der allerdings kürzlich seinen Vertrag bei den Stuttgarter Kickers verlängerte und mit dem Drittligisten noch im Aufstiegskampf steckt – ganz anders. Beide zeichnen sich dadurch aus, ihre Mannschaften erfrischenden Fußball spielen zu lassen, ohne dabei die Stabilität in der Defensive zu vernachlässigen. Zudem verfügen beide über viel Erfahrung im Jugendbereich – ganz wichtig für Fortuna, die ihr Nachwuchsleistungszentrum viel enger mit dem Profisektor verzahnen möchte, als das bislang der Fall war.

Gymnasiallehrer mit Hand für Talente

Der zweifache Familienvater Kramer, der vor seiner Trainerlaufbahn Gymnasiallehrer für Sport und Englisch sowie Sportdozent an der Universität Erlangen/Nürnberg war, scheint somit prädestiniert für den Job in Düsseldorf. Von 2005 bis 2011 arbeitete er federführend im Nachwuchsbereich der Spielvereinigung Greuther Fürth, von 2011 bis 2013 trainierte er die U23 der TSG 1899 Hoffenheim und führte bei beiden Klubs immer wieder Talente an den Profifußball heran. Deshalb rückte er offenbar auch in der Fokus von Fortunas Ligarivalen Leipzig, wo der ehemalige Hoffenheimer Cheftrainer Ralf Rangnick inzwischen Sportdirektor ist. Wohl auch wegen dieses Interesses der Leipziger und anderer Klubs zogen sich die Gespräche mit Kramer in die Länge.

Dass er in Fürth (kurioserweise am selben Tag wie Reck in Düsseldorf) beurlaubt wurde, lasten dem 42-Jährigen weder die Fortuna-Verantwortlichen noch Kenner der Szene in Fürth an. Viele in Mittelfranken trauern Kramer und seiner Arbeit noch immer nach, mit der er die Greuther in der begeisternden, aber unglücklich verlaufenen Relegation gegen den HSV (0:0, 1:1) fast zum Wiederaufstieg geführt hätte. Anschließend gab die Fürther Führung die wichtigsten Spieler ab, erwartete von Kramer aber dennoch vergleichbaren Erfolg. Ein Vabanquespiel, das der Jahrgangsbeste des DFB-Fußballlehrer-Lehrgangs 2013 nicht gewinnen konnte.

Mit welchem Stab er im Falle einer Einigung am Rhein arbeiten wird, ist derzeit noch offen. Der erfahrene Co-Trainer Peter Hermann bleibt jedenfalls ein Thema in Düsseldorf, da er nur bis Saisonende beim Bundesligisten Hamburger SV unterschrieb.