Fortuna braucht ihre starken Joker

Foto: imago/Moritz Müller
Was wir bereits wissen
Rein statistisch haben die Düsseldorfer mit die erfolgreichsten Einwechselspieler der Zweiten Liga. Beim 2:3 gegen Aue kam Mathis Bolly jedoch viel zu spät, um noch etwas zu bewirken.

Düsseldorf. Es ist noch gar nicht so lange her, da galt Oliver Reck als der Zweitliga-Trainer mit dem glücklichsten Händchen. Zum einen bei der Nominierung seiner Startelf: Da hatte er schon in seiner Zeit als Interimstrainer Fortunas oft genau die richtige Nase, warf zuvor formschwache (Beispiel Jimmy Hoffer) oder nahezu unbekannte Spieler (Beispiel Tugrul Erat) genau zum richtigen Zeitpunkt ins Rennen. Das setzte sich dann auch in Recks erster Phase als Chefcoach fort, als er überraschend ausgerechnet im Spitzenspiel beim 1. FC Kaiserslautern auf einen Torhüterwechsel zugunsten Lars Unnerstalls setzte und damit beim 1:1 richtig lag.

Zum anderen verdiente sich Reck diesen Ruf aber auch mit seinen Einwechslungen. Schon fünfmal in der aktuellen Saison holte der Fortuna-Trainer während einer laufenden Partie einen Profi von der Bank, der sich anschließend mit einem Treffer für das Vertrauen bedankte. Eine kleine Rückschau:

1. August 2014 – 2:2 gegen Braunschweig Charlie Benschop eröffnet Fortunas starke Jokerserie mit dem Tor zum 2:1 in der 65. Minute. Fünf Minuten zuvor ist er für Joel Pohjanpalo aufs Feld gekommen.

21. September – 3:2 gegen Heidenheim Pohjanpalo kommt in der 60. Minute für Jimmy Hoffer ins Spiel. Acht Minuten vor dem Ende erzielt er per Kopf den Siegtreffer für die Düsseldorfer.

28. September – 2:2 gegen Leipzig Der zweite Joker-Coup des 20-jährigen Finnen: Nur zwei Minuten, nachdem er erneut für Hoffer in die Partie gekommen ist, schießt Pohjanpalo nach genau einer Stunde das zwischenzeitliche 1:1.

25. Oktober – 1:1 in Kaiserslautern Pohjanpalo zum Dritten: In der 70. Minute bringt ihn Reck ins Spiel – natürlich für Hoffer. Der Stürmer benötigt nur sieben Minuten, bis er den Rechtsschuss zum 0:1 anbringt.

19. Dezember – 1:0 gegen Union Berlin Es ist das Comeback des Jahres. Nach einer langen Leidenszeit mit vielen Verletzungen und verfrühten Wiedereinstiegen bringt Mathis Bolly die Arena zum Kochen. Nach 65 Minuten wird der Norweger, der mit dem Nationalteam der Elfenbeinküste bei der WM war, für Michael Liendl eingewechselt, in der 89. macht er das Siegtor.

Qualitäten wie in diesen fünf Partien braucht Fortuna in den kommenden Wochen dringend. Schon beim 2:3 gegen Aue wären sie wichtig gewesen, aber da verschenkte Reck die Möglichkeit, die Wende von der Bank zu holen. Erst in der 64. Minute wechselte er Hoffer für Pohjanpalo ein, obwohl dem Finnen rein gar nichts gelingen wollte. Und warum Bolly gar erst in der 85. kam, leuchtete kaum jemandem in der Arena ein. Ohnehin nutzt Fortuna nach Meinung vieler Anhänger zu selten aus, dass der 24-Jährige der schnellste Spieler der Liga ist: Wird Bolly bei einer Führung eingewechselt, sollten doch gute Chancen bestehen, einen entscheidenden Konter anzubringen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.