Fortuna besteht den Charaktertest

Charaktertest bestanden! Nach der desaströsen 0:4-Pleite vor Wochenfrist bei Kellerkind St. Pauli zeigte sich die Fortuna gestern Abend gegen Aufstiegskandidat 1. FC Kaiserslautern in großen Teilen verbessert und erkämpfte sich am Ende ein verdientes 1:1 (0:1)-Unentschieden. Nach einem frühen Rückstand war es Spielmacher Michael Liendl, der die Düsseldorfer in der 90. Spielminute vom Elfmeterpunkt zum Punktgewinn schoss.

Interimstrainer Taskin Aksoy ließ auf seine Ankündigung, auf die indiskutable Vorstellung beim 0:4 vor einer Woche auf St. Pauli mit personellen Konsequenzen zu reagieren, Taten folgen. Eine Personalentscheidung wurde dem 47-Jährigen dabei abgenommen. Sergio da Silva Pinto wurde beim Abschlusstraining von einem Ball am Kiefer getroffen. Der defensive Mittelfeldspieler hatte sich erst Anfang November beim torlosen Remis gegen Ingolstadt den Kiefer gebrochen. Dieses Mal soll es sich allerdings „nur“ um eine schmerzhafte Prellung handeln. Für den Deutsch-Portugiesen rückte Adam Bodzek nach auskurierter Innenbanddehnung auf die Doppel-Sechs an die Seite von Oliver Fink.

Erster Torschuss, erstes Tor!

Während Tugrul Erat zudem auf dem rechten Flügel für Ihlas Bebou begann, ersetzte Dustin Bomheuer den zuletzt formschwachen Bruno Soares in der Abwehrzentrale. Der in den vergangenen Wochen isoliert von der Mannschaft auftretende Brasilianer stand noch nicht einmal Kader. Was über eine mögliche sportliche Zukunft in Düsseldorf tief blicken lässt. Bomheuer hingegen fügte sich nahtlos in Fortunas mittlerweile schon chronische Tiefschlaf-Anfangsviertelstunde ein.

Wer die letzten Partien der Rot-Weißen aufmerksam verfolgt hat, für den dürfte er erste Hingucker des gestrigen Abends lediglich eine weitere Episode a la Dinner-for-One-Slapstick gewesen sein: erster Torschuss des Gegners, erstes Tor! Bereits zum fünften Mal in den zurückliegenden sechs Partien wurde Fortunas Hintermannschaft bei der ersten gegnerischen Torchance eiskalt erwischt. Während Jonathan Tah das Abseits aufhob, kam Dustin Bomheuer gegen Simon Zoller einen entscheidenden Schritt zu spät, der die Pfälzer Torflaute auf fremden Plätzen nach 294 torlosen Minuten beendete.

Im Gegenzug hatte CharlisonBenschop den Ausgleich auf dem Kopf, als der Stürmer nach einem Liendl-Eckball völlig blank am rechten Pfosten FCK-Schlussmann Sippel in die Arme köpfte. Die Düsseldorfer brauchten bis zur 30. Spielminute, um den Rückstand aus den Köpfen zu schütteln und den Druck auf die Gäste zu erhöhen. Auch nach der Halbzeit blieben die Gastgeber die spielbestimmende Mannschaft, ohne sich dabei allerdings hochkarätige Torchancen zu erarbeiten. Bellinghausen aus zehn Metern zentral auf Schlussmann Sippel (60.) und Finks Kopfball knapp neben den linken Pfosten (81.) waren noch die größten Nervenkitzler. Als alles schließlich schon nach einer Heimniederlage aussah, sorgte ein Pfiff von Schiedsrichter Aytekin für Jubel in der Arena: Lauterer Willi Orban hatte den gerade erst eingewechselten Ben Halloran in den Rücken gestoßen. Michael Liendl belohnte schließlich seine Teamkollegen für eine zumindest kämpferisch überzeugende Leistung. „Heute haben wir das andere Gesicht der Fortuna gesehen. Das ist das Niveau, an dem ich die Mannschaft messe“, betonte Interimstrainer Taskin Aksoy.