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Tennis World Team Cup

Finalticket auf der Achterbahn verloren

25.05.2012 | 21:50 Uhr
Finalticket auf der Achterbahn verloren

Düsseldorf. Am Ende fühlte es sich an, wie in einer echten Achterbahn. Dann, wenn die letzte, die höchste Abfahrt ansteht, die G-Kräfte am größten und der Aufschrei am lautesten ist. Als Philipp Kohlschreiber gestern nach fast zweieinhalb Stunden den Gipfel seiner rasanten Tennis-Achterbahnfahrt erreichte, bei eigenem Aufschlag und 0:40 mit dem Rücken an der Wand noch einmal drei weitere Matchbälle gegen Janko Tipsarevic abwehrte, brandete der Jubel über den Center Court im Rochusclub.

Die Hoffnung der 6000 Zuschauer auf den erneuten Finaleinzug der deutschen Mannschaft beim 35. World Team Cup entlud sich in stehenden Ovationen. Es war eine kurzlebige Euphorie, denn obwohl Kohlschreiber nach eigenem Empfinden „so gut war wie noch nie“, buchte sein Gegner Janko Tipsarevic mit seinem siebten Matchball zum 6:4, 3:6, 7:5-Sieg das Finalticket für die serbische Mannschaft und warf Titelverteidiger Deutschland schon vor dem abschließenden Doppel aus dem Turnier, nachdem am Vortag Viktor Troicki gegen Florian Mayer (7:6, 6:3) bereits vorgelegt hatte.

„Kohli“ muss man dominieren

Vieles hatte dabei zunächst für den Augsburger gesprochen. Kohlschreiber dominierte, diktierte, peitschte dem Serben seine Rückhand ein ums andere Mal in die sichtlich beeindruckte Parade, schickte den favorisierten Weltranglistenachten die Grundlinie rauf und runter.

„Kohli“, sagte Tipsarevic rund eine Stunde nach dem Match, frisch geduscht in lässiger gelb-grüner Surfershort, weißen Sandalen und einem Lächeln im Gesicht, „den Kohli muss man dominieren, sonst scheucht er einen den Platz rauf und runter.“ Bis zur 4:1-Führung der deutschen Nummer Eins sollte sich diese Theorie in der Praxis bewahrheiten. Dann verlor Kohlschreiber den Faden, geriet in den Looping. Dabei musste Tipsarevic noch nicht einmal viel unternehmen, lediglich auf Fehler seines Gegners lauern, der fünf Spiele in Serie und den Satz mit 4:6 hergab.

Der Tiefschlag taugte aber nicht zum K. o. Erneut holte „Kohli“ das Break im vierten Spiel. Den Frust über einen erneuten 1:4-Rückstand entlud Tipsarevic mit einem wüsten Schlag auf die Asche, tauschte das lädierte Spielgerät, schaffte die Wende aber nicht.

Im dritten Satz schien das Finalticket bereits in der serbischen Tasche, doch Kohlschreiber – diesmal mit 1:4 im Hintertreffen – weckte die Kämpfernatur, ballte die Faust und schrie nach erfolgreicher Aufholjagd zum 4:4 erstmals seine Emotionen heraus. Sah sich aber bereits im nächsten Spiel den ersten drei Matchbällen gegenüber. Und blieb eiskalt. Bis zu Matchball Nummer Sieben und einer Niederlage, die für den 28-Jährigen zum Mutmacher für die in einer Woche anstehenden French Open taugte.

Janko Tipsarevic geht indes heute (ab 12 Uhr) im Finale gegen Tschechien. Erst um 21.30 Uhr gestern Abend war das Spitzeneinzel gegen Tomas Berdych (ATP-Achter gegen -Siebter) für heute klar.

Marcus Gülck


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