Ex-Panther Vollmer greift nach dem Ring

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Was wir bereits wissen
Der Koloss aus Kaarst spielt um den Super Bowl: Sebastian Vollmer bestreitet in der Nacht von Sonntag auf Montag mit den New England Patriots das Finale um die Krone in der US-Footballliga NFL.

Düsseldorf. Von Aufregung keine Spur. In aller Seelenruhe sprach Sebastian Vollmer mit den rund 5000 Journalisten beim Media Day rund um den Super Bowl XLIX – klang so emotionslos, als hätte er gerade die erste Trainingseinheit der Saisonvorbereitung hinter sich gebracht. Dabei stehen die New England Patriots zum achten Mal im Endspiel um die Vince-Lombardi-Trophy – und der ehemalige Spieler der Düsseldorf Panther kann nach 2012 in Glendale/Arizona und der Niederlage gegen die Seattle Seahawks zum zweiten Mal nach der Krone und dem legendären Super-Bowl-Ring greifen.

Wenige Tage vor dem XXL-Spektakel am Sonntag (ab 23:15 Uhr live im TV auf SAT.1) mit im Vorjahr weltweit über 800 Millionen Zuschauern gibt sich Vollmer dennoch total cool. Er fokussiert sich voll auf das 82. und wohl wichtigste Spiel seiner Karriere in der nordamerikanischen Football-Profiliga NFL. „Die Aufregung hält sich in Grenzen. Es ist aber natürlich ein tolles Erlebnis“, sagte der 30-Jährige – als wäre es etwas ganz alltägliches.

Dabei ist Vollmer in Sachen Football ein echter Spätzünder. Erst im Alter von 14 Jahren fing Vollmer an zu spielen. Als die Patriots 2002 erstmals die Vince-Lombardi-Trophy gewannen, saß der 2,03 Meter große und 145 Kilogramm schwere Koloss aus Kaarst noch mit seinen Freunden des Quirinus-Gymnasiums Neuss zusammen, verfolgte nachts das Spiel. Nun kann er – erneut – mithelfen, den vierten Titel für New England zu holen. Und den Glanzpunkt auf eine beeidruckenden Karriere setzen.

Von 1998 bis 2003 durchlief er als Left Tackle die Nachwuchsmannschaften bei den Düsseldorf Panther und empfahl sich dort für seine spätere College-Karriere. 2003 reiste Vollmer dann mit der deutschen Jugendnationalmannschaft in die USA, wo er von den Coaches der University of Houston entdeckt und ihm ein Footballstipendium angeboten wurde. So startete 2004 mit Hilfe eines jährlichen Stipendiums in Höhe von 25 000 US-Dollar das Abenteuer Amerika.

Im Frühjahr 2009 erfüllte sich für Vollmer dann der Traum von der NFL-Karriere, als er im Draft an 58. Stelle von den New England Patriots ausgewählt wurde. Am Anfang saß „Sea Bass“ (Wolfsbarsch), wie er in den USA genannt wird, überwiegend auf der Ersatzbank. Doch im Oktober 2009 rückte er aufgrund einer Verletzung des Teamkollegen Matt Light in die Startformation auf. Beim sensationellen 59:0-Erfolg über die Tennessee Titans zeigte er eine starke Leistung. Seitdem ist es Vollmers wichtigste Aufgabe, Quarterback-Superstar Tom Brady vor der gegnerischen Defensive zu schützen. Und das macht er meist exzellent. „Er ist beständig, zäh, athletisch und einer der kräftigsten Kerle, die ich je gesehen habe“, schwärmt Brady von den Fähigkeiten Vollmers. Dessen starke Leistungen auch finanziell belohnt wurden: Im März 2013 unterschrieb der Ex-Panther einen Vierjahresvertrag mit einem Maximal-Volumen von 27 Millionen US-Dollar – das macht umgerechnet rund 24 Millionen Euro.

Erster deutscher Gewinner?

Am 5. Februar 2012 – dem ersten Anlauf – unterlag Vollmer mit seinem Team in einem dramatischen Finale den New York Giants mit 17:21. Ob es am Sonntag gegen die Seattle Seahawks besser läuft? Mit einem Sieg in Glendale/Arizona wäre Vollmer der erste deutsche Super-Bowl-Gewinner – nimmt man Tom Nütten raus, der in den USA geboren wurde, aber eine deutsche Mutter hat. Nütten gewann die NFL-Trophäe 2000 mit den St. Louis Rams.