Die Fortuna steht vor den Trümmern einer Saison

Was wir bereits wissen
Die Fans gehen nach einer erneuten Zu-Null-Blamage gegen einen Tabellenletzten auf die Barrikaden. Die Horror-Rückrunde kostet den Verein von Woche zu Woche Geld, Image und Zuschauer.

Düsseldorf.. 0:4 gegen das damalige Schlusslicht FC St. Pauli, 0:3 beim Tabellenvierzehnten in Fürth, und am Freitag 0:2 gegen Schlusslicht Aalen – nur mit beißendem Sarkasmus ließe sich in dieser Bilanz von Fortunas jüngsten Auftritten in der Tat ein Aufwärtstrend erkennen. Mit reichlich schwarzem Humor und Selbstironie reagierten auch die Anhänger des Fußball-Zweitligisten am Freitagabend nach der Blamage gegen Aalen auf das, was die Mannschaft zuvor wieder einmal über 90 Minuten auf dem Rasen ablieferte.

Nicht alltägliche Verabschiedung

Während sich die Fortunen nach dem Schlusspfiff einer Gruppe von rund 200 aufgebrachten Fans oberhalb des Spielertunnels stellten und sich in Erklärungsversuchen übten, erlebten die Gäste beim Auslaufen eine wohl nicht alltägliche Verabschiedung. Beim Vorbeilaufen am Düsseldorfer Fanblock wurden sie mit Beifall bedacht. Einige Aalener stimmten mit den Düsseldorfern sogar noch kurz die Welle an – es war ein surreales, aber doch symptomatisches Bild für Fortunas Situation am Ende einer Horror-Rückrunde.

Kommentar Der Verein steht ausgerechnet im 120. Jahr seines Bestehens vor den Trümmern einer Saison, in der man in der Hinrunde zwischenzeitlich noch vom Aufstiegsplatz grüßte, spätestens seit der zweiten Halbserie aber gewaltig abstürzte.

Fortuna ist und bleibt die schlechteste Mannschaft der Rückrunde in der 2. Fußball-Bundesliga. Die uninspirierten Auftritte bleiben für den Verein, für den es zwar seit Wochen sportlich um nichts mehr geht, dennoch nicht ohne Konsequenzen. Von Woche zu Woche werden Fans, Image und Geld fahrlässig verspielt. Die Quittung gab es am Freitagabend, als nur noch 22 366 Zuschauern in die Stockumer Arena kamen und somit für eine neue Saison-Minuskulisse sorgten. Letztere war erst beim Heimspiel zuvor aufgestellt worden, in dem sich die Fortuna vor 25 461 Zuschauern 1:1 von Kellerkind TSV 1860 München trennte.

Kall und Schulte unter Druck

Die Welle der Kritik schwappt Spielern und Vorstandsmitgliedern bereits seit Wochen im Internet entgegen. Im Zentrum stehen dabei immer wieder der Vorstandsvorsitzende Dirk Kall und Sportvorstand Helmut Schulte, der am Freitag in der Schlussviertelstunde fast pausenlos von den Fans plakativ und mit Sprechchören zum Rücktritt aufgefordert wurde. Die Auswüchse des Unmuts haben offenbar mittlerweile derart ausufernde Formen angenommen, dass sich die Fortuna am Wochenende sogar dazu veranlasst sah, ihre Fans mittels einer Mitteilung in den sozialen Netzwerken darum zu bitten, bei der Kritik nicht unterhalb die Gürtellinie zu gehen.

Spielbericht „Uns ist klar, wieviel Ihr für den Verein gebt! Umso trauriger sind wir, dass Ihr derzeit so wenig zurückbekommt! Wir möchten Euch an dieser Stelle einfach darum bitten, nicht zu vergessen, dass hinter jedem von uns (egal ob Spieler, Trainer, Vorstand usw.) ein Mensch steckt! Daher übt gerne Kritik, aber bitte haltet Euch bei Eurem Verhalten oberhalb der Gürtellinie!“ so die Mitteilung auszugsweise im Wortlaut. Kritik hagelte es auch für Stürmer Charlison Benschop, der am Freitag bei seiner Einwechslung aufgrund von Wechselgerüchten zum 1. FC Köln ausgepfiffen wurde. Die Fortuna durchlebt düstere Wochen. Aufwärtstrend? Fehlanzeige!