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Fortuna Düsseldorf

Breiti von den Toten Hosen genießt Hochstimmung um Fortuna Düsseldorf

21.08.2012 | 19:44 Uhr
Die Poster mit den Fortuna-Teams im Hauptquarter der Toten Hosen – Breiti kennt sie alle.Foto: Sergej Lepke / WAZ Fotopool

Düsseldorf.  Der Gitarrist der Punk-Band wendet sich gegen „Gewissensprüfungen“, um richtige von falschen Fans zu unterscheiden. Und klagt: „Mir wurde der Schlusspfiff geklaut, auf den ich 15 Jahre lang gewartet hatte.“ In Teil 1 unseres großen Interviews mit Breiti geht’s um VIP- und Stehplatz-Fans, Randale und Bengalos, hohe Erwartungen und tiefe Enttäuschungen.

Hafen Düsseldorf, Plange Mühle, sechste Etage: In „Jochens Kleiner Plattenfirma“ (JKP), dem Hauptquartier der Toten Hosen, herrscht „kreative Ordnung“: An den Wänden Briefe von Fans, an einer kleinen Küchentheke gibt’s Kaffee, Kartons mit Verstärkern auf dem Boden, gelassene Aktivität in den Büros – und am Rücken einer Schrankwand die Mannschafts-Poster der Fortuna aus den letzten Spielzeiten. Fußball war für die Hosen schon immer ein großes Thema. Und ist es jetzt, nach dem Bundesliga-Aufstieg der Düsseldorfer, erst recht. Vor allem für Breiti, den Gitarristen und wohl größten Fortuna-Experten innerhalb der Punk-Band. Mit ihm über Fußball zu sprechen, lohnt sich immer. In Teil 1 unseres großen Interviews mit Breiti geht’s heute um VIP- und Stehplatz-Fans, über Randale und Bengalos, hohe Erwartungen und tiefe Enttäuschungen.

Die Toten Hosen als Immer-schon-Fortuna-Fans – könnt Ihr den neuen Hype um die Fortuna eigentlich richtig genießen oder findet Ihr es eher merkwürdig, wenn jetzt plötzlich Schicki und Micki im Stadion neben Euch auftauchen?

Breiti: Ich finde, Fußball sollte in keine Richtung elitär sein. Weder dass die einen sagen, wir wollen die Prolls auf den Stehplätzen nicht haben. Noch dass die anderen sagen, wir wollen die nicht haben, die sich da in irgendeiner Form persönlich präsentieren wollen. Ich will mich auch nicht als Richter aufspielen oder Gewissensprüfungen veranstalten um zu beurteilen, ob jemand ein richtiger Fan ist oder nicht. Es geht alles zusammen. Schicki-Micki sollte natürlich nicht überhand nehmen.

Bundesliga
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Andreas Lambertz vom Bundesliga-Aufsteiger Fortuna Düsseldorf hat einen Außenbandriss im rechten Knöchel. Der Kapitän kann erst in drei Wochen seine Erstliga-Premiere feiern. In den ersten beiden Saisonspielen fehlt Lambertz ohnehin gesperrt.

Wann wäre der Punkt erreicht, an dem es nicht mehr zusammenpasst?

Breiti: Bei WM-Spielen habe ich es selbst schon erlebt, dass nahezu die komplette Haupttribüne nur mit Gästen der Sponsoren besetzt war, von denen sich kaum jemand wirklich für das Spiel interessierte. Das ist sicher grundfalsch. Aber die Vereine sind nun mal auf die Einnahmen aus den sogenannten VIP-Zonen angewiesen. Und solange das die Stimmung nicht wesentlich beeinträchtigt, passt das alles unter einen Hut.

Und wie empfindest du die Lage in Düsseldorf?

Breiti: Bei der Fortuna finde ich nicht, dass das Verhältnis schon irgendwie gekippt wäre oder nicht stimmt. Stimmung und Atmosphäre waren in den letzten Jahren bei der Fortuna sehr gut.

Gesprächsabbruch ist "ganz schlimmes und falsches Signal"

Was muss beachtet werden, damit dies so bleibt?

Breiti: Liga, Fußball-Bund und Vereine dürfen auf gar keinen Fall die Leute im VIP-Bereich für wichtiger erklären als die auf den Stehplätzen. Ich finde es auch ein ganz schlimmes und falsches Signal, dass der DFB die Gespräche mit Fan-Gruppierung über Pyro und ähnliche Sachen abbricht.

Muss über den Einsatz von Pyrotechnik, über Bengalos zum Beispiel, wirklich diskutiert werden? Ist es nicht richtig, wenn dies draußen bleibt?

Breiti: Bengalos sind nur ein Thema, über das geredet werden muss. Es gibt Beispiele in Österreich und Norwegen, wo man sich darauf geeinigt hat, wie Bengalos verwendet werden können. Dort scheint das ganz gut zu klappen. Es ist der völlig falsche Weg, die Leute auf dem Stehplatz nur als Staffage und Statisten zu benutzen, weil sie die tolle Atmosphäre schaffen – und dann verkündet man wieder freudig die neuesten Zahlen aus dem neuesten Fernsehvertrag. Wie viele hunderte Millionen man da herausgeschlagen hat.

Fortuna-Fans beim Familientag

Sollte ein Teil der Einnahmen dazu verwendet werden, die Beziehung zu den Problem-Fans in den Griff zu kriegen?

Breiti: Wenn man sich jedes Wochenende bis zu 300 000 Menschen in die Stadien einlädt, dann muss man mit diesen auch umgehen. Das ist keine homogene Gruppe, das sind ganz viele verschiedene Gruppierungen, mit denen müssen DFB, die Liga und die Vereine reden. Wenn man andauernd neue Millionen-, sogar Milliarden-Einnahmen bejubelt und dann an Fanprojekten spart, dann sind die Verhältnisse falsch gesetzt. Da darf man sich nicht wundern, wenn’s Probleme gibt. Man wird zwar nie alles verhindern können. Aber niemand wird bestreiten, dass in den letzten 20 Jahren extrem vieles verbessert wurde, was Gewalt im Fußball-Umfeld angeht. Das wurde erreicht, weil Vereine und Verbände auf die Fans zugingen.

Reaktionen waren überzogen

Aber zeigen nicht gerade die Vorfälle rund um die Fortuna, dass die Sitten zuletzt wieder rauer geworden sind?

Breiti: Bei einem Vorfall war ich dabei, nämlich beim zweiten Relegationsspiel Fortuna – Hertha BSC. Der größte Skandal war für mich die Berichterstattung in den Medien. Da wurde einfach der größtmögliche Alarm gemacht. Es hat Tage gedauert, bis die Fakten einigermaßen korrekt dargestellt wurden. Zweitgrößte Skandal war für mich das Verhalten der Hertha-Funktionäre. Von Todesangst oder einem Blutbad zu sprechen, war völlig überzogen, eine Beleidigung für jeden, der im Stadion war. Dagegen war nirgendwo die Rede davon, dass einige der Hertha-Fans in einer abgesprochenen Aktion einen Spielabbruch provozieren wollten, indem sie Bengalos aufs Spielfeld warfen. Geärgert habe ich mich allerdings auch über die Deppen, die zu früh auf den Rasen gelaufen sind. Die haben mir den Schlusspfiff geklaut, auf den ich 15 Jahre lang gewartet hatte. War ich sauer! Ich habe Stunden gebraucht, um mich zu beruhigen.

Die Toten Hosen in der Tonhalle

Das Düsseldorfer Publikum stand in der Vergangenheit lange im Ruf, nur dann zum Fußball zu kommen, wenn die Fortuna oben mitspielte. Legendär in diesem Zusammenhang der Satz des einstigen Vorsitzenden Hans-Georg Noack, der in den 80er Jahren mal sagte: Die Fortuna steigt ab, und in dieser Stadt merkt es niemand. Hat sich auch da etwas geändert?

Breiti: Das hat auch immer viel damit zu tun, welche Erwartungen ein Klub selbst weckt. Seit Jahren wird bei der Fortuna seriös gearbeitet. Es ist immer ein gutes Zeichen, wenn man über den Vorstand in den Zeitungen gar nichts liest. Die haben sich auch von der Niederlagen-Serie zu Beginn der vorletzten Saison nicht erschrecken lassen. Heute werden nicht mehr völlig unrealistische Saisonziele verkündet, heute wird nicht mehr zweimal im Jahr der Trainer gewechselt, und am Ende der Saison wird nicht jedes Mal ein Großteil der Spieler ausgetauscht – auch wenn jetzt die spezielle Situation viele Neuverpflichtungen nötig machte.

Liegt diese positive Entwicklung am Vorstand alleine?

Breiti: Nein, es stand bei der Fortuna zuletzt auch immer eine Mannschaft auf dem Platz, in der jeder für den anderen lief. Da freute man sich als Zuschauer. Da ist eine Einheit entstanden aus Vereinsführung, aus Trainer, aus Mannschaft, aus Zuschauern, die ich total genieße. Ich hoffe, dass dies noch lange anhält.

Walter Brühl



Kommentare
22.08.2012
10:50
Breiti von den Toten Hosen genießt Hochstimmung um Fortuna Düsseldorf
von exilfortune | #2

Stimme den Aussagen von "Breiti" 1895%ig zu...........

22.08.2012
10:15
Die haben mir den Schlusspfiff geklaut, auf den ich 15 Jahre lang gewartet hatte.
von 42na95 | #1

Ein in allen Teilen bemerkenswertes Interview !!!

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