Borussia zum 27. Mal Deutscher Meister

Die Szenerie ähnelte sehr der des Vorjahres. Damals hatten sich Timo Boll und Christian Süß in den Armen gelegen und die Deutsche Tischtennis-Mannschaftsmeisterschaft gefeiert. Auch nach dem diesjährigen Meisterschaftsfinale in der Fraport Arena in Frankfurt lagen sich die ehemaligen Doppel-Vizeweltmeister in den Armen, doch diesmal trugen sie unterschiedliche Trikots. Boll weiterhin das der Borussia, Süß das des unterlegenen Gegners TTC Rhönsprudel Fulda-Maberzell. Boll hatte Süß zum Abschluss des Endspiels in einer mitreißenden Partie mit 3:2 Sätzen bezwungen und so den 3:1-Erfolg des alten und neuen Deutschen Meisters perfekt gemacht. „Es war brutal viel Arbeit, Fulda zu bezwingen. Am Ende waren wir aber der verdiente Sieger“, meinte Borussia-Manager Andreas Preuß.

Sprung über die Spielfeldabgrenzung

Normalerweise ist Sharat Kamal Achanta der erste, der nach besonderen Erfolgen der Borussia, mit einem locken Sprung über die Spielfeldabgrenzung und anschließendem Sprint zum siegbringenden Mannschaftskameraden die Gratulationskur beginnt. Diesmal allerdings war Achanta der Letzte. Aus verständlichen Gründen, denn der Inder ist wegen eines Muskelabrisses im hinteren Oberschenkel derzeit auf Gehhilfen angewiesen.

Der erste Borusse bei Boll war Panagiotis Gionis. Der Grieche hatte durch seinen am Ende souveränen 3:1-Sieg über den deutschen Nationalspieler Ruwen Filus seinen Teil zur 27. Meisterschaft für die Borussia beigetragen. „Es war eine ungewöhnliche Situation, dass sich zwei Abwehrspieler gegenüber standen. Ich bin erleichtert, dass ich gewinnen konnte“, so Gionis.

Im Gegensatz zum Griechen erwischte Borussia-Youngster Patrick Franziska einen rabenschwarzen Tag. Der 22-Jährige bekam nie richtig Zugriff auf das Match gegen Süß und ging überraschend mit 0:3 unter. „Wenn ich so spiele, werde ich nicht viele Spiele gewinnen. Er hat keine leichten Fehler gemacht, ich dagegen schon“, ärgerte sich Franziska. Am Ende aber konnte der Frustrierte glücklich sein, denn auf Boll war wie eigentlich immer Verlass. Der Rekord-Europameister fertigte zunächst Fuldas Spitzenspieler Wang Xi mit 3:0 ab und kämpfte dann den im letzten Spiel seiner Karriere noch einmal großartig aufspielenden Christian Süß mit 3:2 nieder, nachdem er bereits mit 0:2- Sätzen zurück gelegen hatte. Der 34-Jährige Boll unterstrich damit erneut seine nicht zu überschätzende Bedeutung für die Borussia. Der Linkshänder ist nahezu jederzeit in der Lage seine Konzentration und seine spielerischen Möglichkeiten auf eine noch höher Stufe zu heben. „Ganz klar, Timo ist wieder unser Matchwinner. Aber die Türe hat Panos für uns aufgemacht. Es war ein würdiges Finale der beiden besten deutschen Teams“, urteilte Preuß.

64. Titel der Vereinsgeschichte

Trotz des mit der Meisterschaft vollendeten Doubles und des insgesamt 64. Titels waren die Borussen nicht in ausgelassener Stimmung. „Ja, das ist etwas blöd. Da wirst Du Deutscher Meister und darfst nicht richtig feiern“, meinte Preuß. Die Zurückhaltung hat aber ihren Grund, denn bereits morgen geht es für Borussia zum Finalrückspiel in der Champions League nach Russland zu TTC Fakel Gazproma Orenburg (29. Mai, 14.20 Uhr). „Wir sind heiß auf die Champions League und das Triple. Wir wollen uns das nicht durch eine exzessive Feier vermiesen“, so Boll. Die Chancen auf die ganz große Sause stehen nach dem 3:1-Hinspielsieg gut.