Bob-Weltmeisterschaft und NFL-Träume
04.06.2008 | 22:00 Uhr 2008-06-04T22:00:00+0200
Football: Der ehemalige Rhein-Fire-Linebacker Richard Adjei schwitzt ab Freitag im internationalen Trainingscamp in Sevilla. Auch Ex-Panther Christian Mohr ist wieder dabei.
Rhein Fire ist seit fast einem Jahr erloschen. Das Football-Feuer brennt allerdings noch. Zumindest beim ehemaligen Fire-Linebacker Richard Adjei. Der 25-jährige Flingerner fällt am Sonntag beim Zweitliga-Match der Panther in Hamburg aus. Grund: Seit gestern ist Adjei im südspanischen Sevilla. Dort startet morgen das letzte von vier mehrtägigen internationalen Trainingscamps der National Football League. Ad-jeis Ziel: sich einen von acht rund 100 000 US-Dollar wertvollen Saisonkaderplätzen in der Trainingsgruppe eines NFL-Teams sichern.
Fire-Guard coacht bei Erstligist Cologne Falcons mit. Angebot für NFL-Trainingscamp?
Auch der ehemalige Rhein-Fire-Guard Peter Heyer hat seine NFL-Träume noch nicht abgeschrieben. Es gibt offenbar ein Trainingscamp-Angebot an den 140-Kilogramm-Kölner, der derzeit beim Erstligisten Cologne Falcons die Offensive Line mittrainiert.
Der Kreuzbandriss aus dem vergangenen Jahr bei seinem letzten NFLE-Spiel im Fire-Dress ist komplett ausgeheilt. Von 2002 bis 2005 und 2007 stand Heyer im Fire-Kader. Zwischenzeitlich trainierte der Offensive Liner bei den NFL-Teams der New Orleans Saints (2003), der St. Louis Rams (2004) und der Kansas City Chiefs, wo Heyer die komplette NFL-Saison 2005 verbrachte. (miry)
Auch ohne die Ende Juni 2007 eingestampfte NFL-Europaliga bleiben Talente im Fokus. „Die NFL sucht immer noch einen wie den deutschen NBA-Basketball-Star Dirk Nowitzki, einen Nowitzki des Footballs”, weiß Adjei. Der stellt sich in Sevilla der 80-köpfigen weltweiten Konkurrenz. Neben europäischen Talenten sind Japaner und Mexikaner am Start. Auch Ex-Fire-Abwehrrecke Christian Mohr versucht erneut sein Glück.
Für die Einladungen an deutsche Spieler sorgte Chefscout Larry Dixon. Der ehemalige Dallas Cowboy, ein Freund von Ex-NFLE-Präsident und NFL-Berater John Beake, fährt während der GFL-Sommersaison per Bahn durch die Republik. Sieht fast jeden Tag Trainingseinheiten und Spiele. Der von der NFL bezahlte Dixon hat in der ehemaligen Fire-Zentrale, dem Ratinger Relexa Hotel, sein Stammquartier.
Das 2003 gestartete Förderprogramm, ausländische Spieler in NFL-Teams eine komplette Saison lang mittrainieren zu lassen, läuft auch nach dem NFLE-Aus weiter. Richard Adjei hofft auf seine Chance. Von 2004 bis 2006 stand das Abwehr-Talent im Fire-Aufgebot, 2007 ging es zu Berlin Thunder, wo Adjei Stammspieler wurde.
Seit Saisonbeginn hält sich Adjei wieder beim Zweitligisten Panther fit, spielte dort viermal überzeugend eine Mischung aus Linebacker und Defensive End. In einer jungen Mannschaft mit seinem körperlich kleineren Bruder Jason.
Ende Juni 2007 schienen sämtliche Football-Träume mit dem Ende der Europaliga geplatzt. Im vergangenen Winter konzentrierte sich der kräftig gebaute Verteidiger deshalb auf eine andere Sportart: Bobfahren! Der zweimalige Olympiasieger Christoph Langen hatte bei den Footballern nach talentierten, unerschrockenen Anschiebern für Zweier- und Viererbobs gefahndet.
Adjei erwies sich als Naturtalent, schloss sich dem WSV Königssee an, erarbeitete sich einen Platz im Viererbob-Team des Berchtesgadeners Manuel Machata, machte die Europacup-Saison mit und startete im Februar bei der Junioren-Weltmeisterschaft in Innsbruck-Igls. Auf der Olympiastrecke von 1976. Das deutsche Quartett, gemanagt von Christoph Langen, landete auf Platz drei.
Der erfolgreiche Ausflug in den Wintersport wäre nur dann passe´, wenn es mit Football noch einmal klappt. Adjeis klares Ziel: „Ich will in die höchste Liga der Welt!” Ab morgen hat er es selbst in den Händen und in den Beinen.
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