Bissig, hämisch, bitter und ein Minusrekord der Saison

Als die Mannschaftsaufstellung verlesen wurde, riefen die Fans die Nachnamen nicht in gewohnter Lautstärke. Es klag eher etwas verhalten. Ähnlich war es auch, als die Mannschaften das Spielfeld betraten. Da verzichtete der DJ möglicherweise bewusst auf das „95 olé“, stattdessen gab es das Altbierlied von den Toten Hosen. Und auch in der Anfangsphase der Begegnung blieb es auf den Rängen relativ ruhig.

Es war die Quittung für die in der Rückrunde gezeigten Darbietungen. Die Treuen auf der Südtribüne hatten angekündigt, sich der Leistung der Profis anpassen und schweigen zu wollen. „Wenn die Mannschaft nicht einmal wenige Spiele bis zum Ende der Saison abwarten kann, bevor sie die Leistung einstellt, wollen wir unsere Fortuna durch andere Formen unterstützen“, schreiben die „Ultras“ auf ihrer Internetseite. „Kein Boykott, nur Resignation und die Gewissheit, dass wir mit der Rückrundenleistung wohl abgestiegen wären.“

Natürlich gab es auch einige, die versuchten „ihre Fortuna“ lautstark zu unterstützen. Das waren vor allem die Fangruppierung „Dissidenti“, die aber auch nicht in der Kurve steht, aber auch die zahlreichen Kinder im Familienblock. Derweil regte sich in der Kurve nur vereinzelt ein Anfeuerungsversuch nach einer halbwegs gelungen Aktion.

Alle Register in puncto Zynismus

Nach 20 Minuten fassten sich einige Fans ein Herz und es schallte tatsächlich einmal „Ole Fortuna, kämpft den Gegner nieder“, durch die Arena. Das war aber die Ausnahme. Vielmehr zogen die Fans nach dem 0:1-Rückstand alle Register in puncto Zynismus. Zunächst wurde lautstark „Eisgekühlter Bommerlunder“ gesungen, was den Anhängern sichtlich Freude bereitete. Dann schwappte plötzlich die Welle über die Zuschauerränge. Und schließlich wurde noch „Oh, wie ist das schön“ angestimmt. Das volle Programm: bissig, hämisch, bitter.

Die schweigende Mehrheit wählte eine Form des Protests, die als durchaus angemessen betrachtet werden darf. In einer Phase, wo es für den Verein sportlich um nichts mehr geht, da er nach oben nichts mehr erreichen kann und nach unten abgesichert ist, können die Anhänger in Ruhe über die Situation des Vereins nachdenken. Das hat den großen Vorteil, dass die Emotionen nicht überschwappen, was aber nicht ganz durchgehallten wurde. Denn dann wurde doch noch ein Rücktritt gefordert – der von Sportvorstand Helmut Schulte. Dabei hatte der Verein in viel zu kurzer Zeit schon viel zu viele personelle Wechsel in Führungspositionen, was zu der instabilen Situation in erheblichem Maße beigetragen hat.

Eine andere Form des Protests hatten etwa 5000 Fußballfreunde gewählt, die einfach erst gar nicht gekommen waren. Immerhin hatte die Fortuna 25 300 Karten verkauft, doch die Ränge waren spärlich besetzt. Es waren sogar so viele Plätze frei geblieben, dass selbst die Zuschauerzahl, die der Verein offiziell mit 22 366 angegeben hat, noch geschönt erschien – und dennoch Minusrekord-Kulisse der Saison bedeutete.