Binder eilt von Erfolg zu Erfolg

Natascha Binder (Skiclub) ist ein Vorbild an Willensstärke. Was die inzwischen 45-jährige mehrfache Mountainbike-Weltmeisterin aus sich und ihrem Körper rausholt, ist beeindruckend. Selbst Rückschläge halten Binder nicht auf. So hatte die gebürtige Düsseldorferin die Saison 2015 eigentlich schon abgehakt, weil eine Operation an der Schulter anstand, nach der sie ein halbes Jahr lang ohne das Rad hätte auskommen müssen. Doch zur Operation kam es nicht.

„Ich bekam bei einem Etappenrennen auf Lanzarote furchtbar schlecht Luft und habe mich deswegen im Krankenhaus durchchecken lassen“, erzählt Binder. Zum Glück war es letztlich nur eine Bronchitis. Der Vorteil daran: die Medikamente machten die Schulterprobleme vergessen. Und als eine zweite ärztliche Meinung von der Operation abriet, war klar, dass Binder auf einen Eingriff verzichten würde.

Immer vorne mit dabei

Die Saisonvorbereitung hätte nun beginnen können, doch Zahnprobleme und eine dicke Grippe verhinderten das. „Ich dachte nur: wie gemein, dass ich wieder nur einen Monat habe, um mich auf die Saison vorzubereiten. Also war eigentlich alles wie immer“, sagt die Mountainbikerin lächelnd. Auch die Ergebnisse waren wie immer. Dort wo Binder antrat, war sie vorne dabei.

In ihrer Altersklasse sowieso, meist auch im Gesamtergebnis. So wie beim Kellerwald-Marathon am Gilserberg, als eine Reifenpanne bei Profi und Favoritin Katrin Schwing den Sieg für Binder bedeutete. „Für Kathrin tat es mir leid, sie fährt schon megastark, aber Pech hat jeder Mal und ich freue mich einfach über meinen Sieg“, sagt Binder.

Motiviert ging es zum Riva-Marathon mit vorgelagertem und als Familienurlaub getarntem Trainingslager am Gardasee. „Als Test fuhr ich den ersten Berg und war danach richtig krank. Lymphknoten dick und dunkelgrüner Rotz in allen Bereichen“, sagt sie. Doch ärztlicher Beistand und ein Antibiotikum machten sie startfähig, so dass Binder in ihrer Altersklasse die Ronda Extrema (93,93 km, 3813 Höhenmeter) gewann und im Gesamtergebnis der zehnte Platz stand. Eine reife Leistung, denn der Riva-Marathon hat UCI-Status und es starten viele Profis.

Zudem gehört der Riva-Marathon zur Marathon Man Europe Serie (MME) , die Binder nach ihrem Erfolg im Jahr 2013 wieder gewinnen will. Dazu müssen auch andere Rennen der Serie gefahren werden und das kann manchmal in Stress ausarten. So wie Binders Start beim MME-Lauf in Klatovy (Tschechien). Mit wenig Schlaf mussten mit dem Auto insgesamt 1400 Kilometer bei der An- und Abreise zurückgelegt werden, nur um am Samstagmorgen um 5 Uhr ein Mountainbike-Rennen zu absolvieren. „Ich weiß zumindest immer ganz genau, woher jede Falte in meinem Gesicht kommt“, scherzt Binder und weiß, dass ihre Sportart zudem keine Schönwettergarantie aufweisen kann. In der Nähe von Prag gab es jedenfalls heftige Regen- und sogar Hagelschauer. „Ich fragte mich zunehmend, wer auf die blöde Idee kam, die lange Strecke zu fahren. Mein Agro-Barometer war in Hochstimmung“, erzählt Binder.

Aber als sie nach 5:33:33 Stunden die Distanz von 105 Kilometern und 2674 Höhenmetern zurückgelegt hatte und mit nur 6:16 Minuten Rückstand auf die Gesamtsiegerin Milena Cesnaková als Altersklassensiegerin und Dritte im Gesamtergebnis über die Ziellinie fuhr, war die Quälerei vergessen und die Vorfreude auf neue Rennen war wieder zurück.