Arabischen Emirate am World Team Cup
11.01.2012 | 17:22 Uhr 2012-01-11T17:22:00+0100
Düsseldorf.Düsseldorf. Die Tennissaison 2012 wurde schon drei Tage vor Silvester eröffnet. Bei den Mubadala World Tennis Championship in der Zayed Sport City zu Abu Dhabi gaben sich die Stars beim dreitägigen „Testturnier“ die Klinke in die Hand. Der Serbe Novak Djokovic (ATP 1) verwies David Ferrer (ATP 5), Rafael Nadal (ATP 2), Roger Federer (ATP 3) sowie die Franzosen Jo-Wilfried Tsonga (ATP 6) und Gerald Monfils (ATP 15) auf die Plätze.
Was das mit Düsseldorf zu tun hat? Offenbar sind die Geldgeber aus dem Arabischen Emirat, die für ihr „Exhibition-Turnier“ angeblich vier Millionen Euro ausgeben, am World Team Cup interessiert. Genauer: An der Lizenz für ein reguläres ATP-Turnier.
„Solche Spekulationen gab es schon immer“, wiegelte Dietloff von Arnim auf NRZ-Nachfrage ab. Der WM-Turnierdirektor macht derzeit ein paar Erholungstage mit der Familie in Asien. Und wird von dort aus den deutlich verkürzten Weg gen Fünfter Kontinent zurücklegen, um bei den am Montag mit dem Hauptfeld startenden Australian Open in Melbourne den neuen ATP-Chef zu treffen.
Nachfolger des ausgeschiedenen Adam Helfant ist der Australier und einstige Davis-Cup-Spieler Brad Drewett (53), der bisher als ATP-Präsident für den Mittleren Osten, Asien und Ozeanien im Einsatz war. Und den der frühere World-Team-Cup-Turnierdirektor Horst Klosterkemper gut kennt. „Wir waren, als ich für die ATP den Europa-Chef in Monte Carlo gemacht habe, vier Jahre lang Kollegen“, so Klosterkemper.
Neuer ATP-Chef
Es lässt sich trefflich darüber spekulieren, ob der neue ATP-Chef für Europa und den World Team Cup im Grafenberger Wald eine günstige Wahl darstellt. Seit Mark Miles – das ist nun auch schon drei ATP-Präsidenten her – mangelt es, so der Eindruck, bei der Tennisprofi-Vereinigung ein wenig an Europa-Liebe und Traditionsverständnis. Etienne de Villiers und auch Adam Helfant, Geschäftsleute ohne Tennis-Stallgeruch, ließen sich in den vergangenen Jahren im Grafenberger Wald nicht blicken.
Turnierdirektor Dietloff von Arnim wird sich vor Ort überzeugen, wieviel Drewett, im Gegensatz zu Helfant und de Villiers ein im Profitennis äußerst erfahrener Mann aus den eigenen ATP-Reihen, am World Team Cup liegt. Und sicherlich auch die wichtigsten Belange der WM ansprechen. Sowohl der ATP-Vertrag, als auch der Kontrakt mit dem aktuellen Titelsponsor Power Horse aus Linz/Österreich laufen nach dem 35. Turnier vom 20. bis 26. Mai am Rolander Weg aus. Beide Verträge sind noch vakant.
Beim Rochusclub hoffen sie darauf, dass die ATP flexibler wird. Heißt: Statt der bisherigen Fünfjahresverträge strebt von Arnim einen realistischeren Zweijahreskontrakt an. „Für einen längeren Zeitraum findet man derzeit kaum einen Partner, der das Turnier mittragen würde.“ Für 2013 und 2014 stünde Power Horse dem Vernehmen nach aber bereit. Zumindest wäre, ließe sich die ATP auf die Vertragsdauer so ein, eine gute Finanzbasis geschaffen, um die WM über die mittlerweile 35. Auflage hinaus in Düsseldorf zu halten.
Klappt’s nicht, dürfte man sicher über eine andere Turnierform nachdenken. Ob aus dem World Team Cup dann ein „normales“ 250-er Turnier werden würde, hängt auch wieder von Gönnern ab. Die müssten die Spielwoche mitfinanzieren. Ohne das WM-Etikett dürfte sich die in den vergangenen Jahren stets globale Fernsehpräsenz deutlich einschränken. Ob das zuletzt schon bröckelige Publikum dem Rochusclub die Treue halten würde, wäre eine weitere Risikofrage.
An die charmante Idee, aus dem World Team Cup für die Herren einen für die Damen mit den derzeit so erfolgreichen Andrea Petkovic (Zehnte der WTA-Weltrangliste), Sabine Lisicki (WTA 15) und Kolleginnen zu machen, glaubt Turnierdirektor von Arnim nicht so wirklich. Obwohl in Deutschland Ende April in der Stuttgarter Porsche-Arena derzeit nur ein erstklassiges Damenturnier (pro Jahr) ausgetragen wird. Auf Asche gibt es dort immerhin 740 000 US-Dollar an Preisgeld.
Berliner WTA-Absage
„Die Berliner hatten vor einiger Zeit auch schon mal diesen Vorschlag gemacht, bekamen aber von der WTA eine Absage“, so von Arnim.
Der glaubt übrigens, trotz aller monetären Vorteile, auch nicht an einen World Team Cup bei den Scheichs am Persischen Golf: „Nicht nur Abu Dhabi, auch Katar probiert nicht erst seit dem Zuschlag für die Fußball-Weltmeisterschaft, sich im Profisport zu etablieren. Ein World Team Cup in Abu Dhabi hätte wegen der heißen Temperaturen dort im Mai zur Folge, dass der ATP-Terminplan umgestellt werden müsste.“
So oder so: Das Thema Zukunft des World Team Cups im Rochusclub bleibt bis mindestens Ende Mai ein spannendes. „Am besten schon kurz vor dem Turnier“, so von Arnim, „würden wir gern wissen, ob und wie es weitergeht.“
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