Andreas Martinsen in die NHL?

Am 7:3-Sieg gegen den haushohen Favoriten RB München hatte Andreas Martinsen mit einem Tor und zwei Vorlagen zwar Anteil, besonders aufgefallen war er an diesem Abend jedoch nicht. Er hatte eine durchschnittliche Leistung gezeigt. Umso bemerkenswerter die Szene, die sich nach der Ehrenrunde der Düsseldorfer im Kabinengang abspielte. Ein Scout der Colorado Avalanche aus der NHL steckte dem Torjäger der DEG seine Karte zu.

Andreas Martinsen freut das Interesse aus Übersee. Den Traum von der nordamerikanischen National Hockey League (NHL), den jedes Kind, das Eishockey spielt, träumt, hat er noch nicht aufgegeben – obwohl er im ersten Anlauf vor zwei Jahren für zu leicht befunden worden war.

Nachdem er 2012 gemeinsam mit seinem norwegischen Sturmpartner Ken Olimb zur DEG gekommen war, absolvierte Martinsen 2013 in Washington ein Probetraining. Er kehrte an den Rhein zurück und unterschrieb einen Zwei-Jahres-Vertrag. Der läuft nun aus.

Gute Saison des Torjägers

Andreas Martinsen spielt erneut eine gute Saison. In der Scorerliste der Deutschen Eishockey Liga (DEL) belegt er mit 18 Toren und 23 Assists Rang zehn. Dass die Nordamerikaner an dem noch zwei Plätze besser positionierten Ken Olimb kein Interesse zeigen (8/37), der für Martinsen oft mustergültig auflegt, liegt an den unterschiedlichen körperlichen Voraussetzungen. Während Olimb als kleiner wendiger Techniker glänzt, verfügt der 1,90 Meter große und 93 Kilo schwere Martinsen über Idealmaße für die NHL.

Natürlich hat die DEG längst versucht, Martinsen eine Vertragsverlängerung schmackhaft zu machen. Mehrmals hat der Coach mit ihm gesprochen. „Aber das ist schwierig“, gesteht Christof Kreutzer, der die Personalplanungen energisch vorantreibt. Dem Trainer ist das Interesse der Nordamerikaner auch nicht verborgen geblieben, weshalb er den Stürmer anschließend nochmals direkt angesprochen hat.

„Ich kann noch nichts dazu sagen“, erklärt Andreas Martinsen, der aber ehrlich genug ist, hinzuzufügen: „Wenn ich die Chance dort bekommen sollte, dann versuche ich es.“ Dafür hat Christof Kreutzer absolutes Verständnis, der von der Aktion nicht überrascht ist. „Ich wusste im Vorfeld nicht, dass die Scouts kommen, aber überrascht war ich auch nicht. Mich kann so schnell nichts überraschen. Andreas ist gut in Form und verfügt über die notwendigen körperlichen Voraussetzungen. Aber das ist kein Selbstläufer. Die Scouts sind sicherlich nicht nur wegen ihm gekommen, sondern werden einige Kandidaten in Europa unter die Lupe nehmen.“

Kreutzer hat den Kampf um Martinsen daher auch noch nicht aufgegeben. „Aber das Problem ist die fehlende Planungssicherheit“, sagt der Coach. „Deshalb werde ich in den nächsten Tagen mit seinem Agenten sprechen. Wenn Andreas generell sagt, dass er auf jeden Fall geht, kann ich planen. Ansonsten muss ich seinen Platz offen lassen und ein Risiko eingehen.“

Die Bereitschaft, ein kalkulierbares Risiko einzugehen, ist bei Kreutzer vorhanden, doch wird er nichts dem Zufall überlassen. Längst bastelt der Coach an einem Alternativ-Plan für den Fall, dass Martinsen geht. So ist der Trainer am Wochenende nach Kopenhagen geflogen, wo er sich zwei Länderspiele anschaute: Norwegen gegen Frankreich und Norwegen gegen Dänemark.

Dabei lag sein Fokus jedoch auf den Skandinaviern, weniger auf den Franzosen. „Natürlich muss ich sehen, dass ich gegebenenfalls eine Alternative finde und die Möglichkeiten ausloten“, sagte er gestern nach seiner Rückkehr. Dabei wollte er sich jedoch nicht darauf festlegen, dass der Norweger Olimb auf jeden Fall ein Landsmann an die Seite gestellt wird. „Es könnte auch ein Däne sein.“

Christof Kreutzer, der als Trainer-Novize bislang eine ganz erstaunliche Saison mit der DEG absolviert hat und derzeit den sechsten Platz belegt, hat aber nicht nur die Ergebnisse und Aufgaben im Blick, sondern auch die Gesamtentwicklung der Mannschaft. Das beweisen der Blick auf den Kader sowie die Laufzeiten der Verträge. 14 der 27 Spieler werden auch in der kommenden Saison dem Team angehören. Damit ist eine Basis gelegt und Kontinuität gewahrt. „Das ist wichtig für die Entwicklung einer Mannschaft“, sagt Christof Kreutzer. „Ein homogenes Team entsteht nicht über Nacht. So etwas muss man sich gemeinsam erarbeiten.“

Sieben Spiele hat die DEG in der Hauptrunde noch vor der Brust. Ihrem Minimalziel, dem Erreichen des zehnten Platzes und damit der Pre-Play-offs ist sie damit ganz nahe. Doch auch die direkte Qualifikation für das Viertelfinale der deutschen Meisterschaft – Rang sechs – ist keineswegs ausgeschlossen.

Andreas Martinsen will dabei helfen und sich weiter für die NHL empfehlen.