Am Start hat Richard Adjei für Angst keine Start
18.02.2010 | 19:16 Uhr 2010-02-18T19:16:00+0100
Düsseldorf/Vancouver. Der ehemalige Düsseldorfer Footballer von Rhein Fire und Panther will in Vancouver als Anschieber den Bob von Vize-Weltmeister Thomas Florschütz auf Medaillenkurs bringen.
Die Begrüßung auf seiner Internetseite verrät schon viel über den Typen Richard Adjei. Der 27-Jährige bezeichnet sich selbst als „durchgeknallt”. Diese Seite sei aber nicht nur für seine Fans. „Nein, für alle, die sich nicht nur für Sport, sondern für etwas Besonderes interessieren”, ist dort zu lesen. Und Adjei ist etwas Besonderes. In seiner bewegten Karriere war er schon mal Footballer in Düsseldorf bei Rhein Fire und den Panthern, Boxer, Lebensretter und sogar Fotomodell - und jetzt sitzt er bei den Olympischen Winterspielen in Vancouver in Bob Deutschland II.
Das mit dem Bob hat er auf die harte Tour gelernt. „Früher bin ich gestürzt und musste von meinen Kollegen in den Schlitten gezogen werden. Ich war froh, als ich das erste Mal heil unten ankam”, sagt der Sohn eines ghanaischen Vaters und einer deutschen Mutter. Anschieben, reinspringen, Kopf einziehen - wenn der 27-Jährige mit der geballten Power seiner 110 kg den Bob von Vize-Weltmeister Thomas Florschütz in Fahrt bringt, kann man gar nicht glauben, dass Adjei bei seinen Anfängen vor knapp drei Jahren regelmäßig auf der Nase landete.
Entspannt und mit
lockeren Sprüchen
Im Whistler Sliding Centre gibt sich Adjei entspannt. Mit einem MP3-Player um den Hals geht er die Bahn ab, mit lockeren Sprüchen sorgt er bei den Kollegen für Stimmung. In seiner Anfangszeit war der echte „Düsseldorfer Jong” aber auch schon mal genervt, denn den Vergleich mit den Jamaikanern („Cool Runnings”) mag er eigentlich nicht. „Ich wurde gefragt, ob ich Jamaikaner bin, wegen des Films. Das regte mich irgendwann auf. Die Hautfarbe sollte keine Rolle spielen”, meint Adjei.
Inzwischen fragt kaum noch jemand. Mit seinem ersten Weltcupsieg mit Florschütz im Januar in Königssee hat sich der muskelbepackte 1,90 m große Modellathlet in der Szene Respekt verschafft. „Anfänglich wurde ich belächelt. Ich musste mir den Erfolg hart erarbeiten”, sagt Adjei. Doppel-Olympiasieger Christoph Langen suchte starke Jungs für ein Nachwuchsteam. Adjei wollte nach seinen Stationen Rhein Fire und Berlin Thunder in der NFL Europe eigentlich in die nordamerikanische Profiliga NFL wechseln. Doch kein Klub zeigte wirklich Interesse.
Da setzte er sich halt in einen Bob und rast jetzt bei den am Samstag beginnenden Wettbewerben den olympischen Hochgeschwindigkeitskurs runter.
Angst nach dem tödlichen Unfall des georgischen Rodlers Nodar Kumaritaschwili hat Richard Adjei allerdings nicht. „Football war auch nicht ungefährlich”, sagt der Sportsoldat und fügte an: „Wenn du am Start stehst, ist für Angst keine Zeit.”
Dabei setzt Adjei ganz auf seinen Piloten Florschütz: „Ich vertraue ihm mein Leben an.” sid
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