25. Bundesliga-Sommer für den Rochusclub

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Foto: Kai Kitschenberg
Was wir bereits wissen
Am ersten Spieltag hatte das Team von Detlev Irmler noch frei, Freitag ab 13 Uhr steht die erste Partie gegen den 1. FC Nürnberg an. Spanier Pablo Andujar ist erneut Herz und Kopf der Mannschaft.

Düsseldorf.. Ab morgen fliegt die kleine gelbe Filzkugel wieder über die rote Asche am Rolander Weg. Mit einer Woche Verspätung startet der Rochusclub in den 25. Tennis-Bundesliga-Sommer. Eigentlich hätte der Erfurter TC Rot-Weiß vergangenen Sonntag bereits in Grafenberg auflaufen sollen. Doch die Thüringer, in den vergangenen Jahren stets unter den besten vier Teams zu finden, mussten ihre Mannschaft aus dem Elitekreis abmelden. Der Grund ist ein trauriger: Olaf Waldhoff, der Chef des gleichnamigen Hauptsponsors, hatte in seinem Haus auf Mallorca einen tödlichen Herzinfarkt erlitten.

Für die leicht umstrukturierte Mannschaft um Teamchef Detlev Irmler geht es daher erst am Freitag los. Erster von nunmehr acht Gegnern ist ab 13 Uhr der 1.FC Nürnberg. Da mit Erfurt bereits ein Absteiger feststeht, geht es für den Rochusclub in erster Linie darum, nur noch einen weiteren Gegner hinter sich zu lassen. Das Ziel in der Sommersaison ist vorrangig der Klassenerhalt.

„Es war schwierig, ist schwierig und wird schwierig bleiben“, betont Burchard von Arnim, Vorstand Rochusclub. Denn der Tennisverein hat wie andere Sportarten Probleme, neben dem alles überragenden Fußball Sponsoren zu finden. „Es war eine Sisyphusarbeit, eine schlagfertige Gruppe zusammenzustellen“, betont Irmler. „Es gibt mit Halle, Aachen und Mannheim drei Teams, die monetär anders aufgestellt sind und den Titel wohl unter sich ausmachen. Alle anderen sind wie ein Hecht im Karpfenteich. Es wird auch viel von der Verfügbarkeit der Spieler abhängen.“

Herz und Kopf der Rochusclub-Mannschaft, wie der Teamchef zu sagen pflegt, bleibt Pablo Andujar. Der Spanier, aktuell die Nummer 37 der ATP-Weltrangliste, war in der vergangenen Saison maßgeblich am Klassenerhalt beteiligt.

Am vorletzten Spieltag gegen HTC Blau-Weiß Krefeld war der 29-Jährige nach seinem Einzelmatch bereits im Auto auf dem Weg zum Flughafen, um zum Hochzeitstag zu seiner Frau nach Zürich zu fliegen. Doch der Spanier drehte mit Fahrer und Rochusclub-Coach Fabio Gonzales am Steuer kurzerhand um, als er hörte, dass sein Team nach den Einzeln mit 1:3 im Hintertreffen liegt. Kurzerhand ließ der Racketschwinger den Flug sausen und sicherte im Doppel den wichtigen Punkt zum 3:3-Endstand für den späteren Klassenerhalt – ließ dafür jedoch seine Frau im Regen stehen. Damit dies nicht wieder passiert, reist diese kurzerhand ebenfalls nach Düsseldorf.

Unlängst schied Andujar erst in der dritten Runde beim Grand Slam Turnier in Wimbledon aus. In London unterlag er nach zähem Kampf der tschechischen Nummer sechs der Welt, Tomas Berdych, in vier Sätzen mit 6:4, 0:6, 3:6, 6:7. Im vierten Satz servierte der Rochusclub-Spieler beim Stand von 5:3 zum Satzausgleich, doch Berdych rettete sich in den Tiebreak, wo er die Nerven behielt.

Das Team bietet vor den bekannten Top-100-Spanier Andujar und Albert Montanes sowie dem Niederländer Igor Sijsling jedoch gleich zwei neue Spitzenspieler auf. Der 29-jährige Tscheche Lukas Rosol aus Brünn steht an Position 41 der ATP-Weltrangliste und hat sich in den vergangenen fünf Jahren zu einem zuverlässigen Top-50-Spieler entwickelt. Rosol schlug 2014 noch für Erfurt auf.

Ein Schützling von Fabrice Santoro

Zweites Ass könnte der Ukrainer Sergiy Stakhovsky sein. Der 29-jährige Rechtshänder aus Kiew wird vom ehemaligen Rochusclub-Franzosen Fabrice Santoro betreut und belegt aktuell Rang 49 des Weltrankings. Stakhovsky kehrt nach drei Jahren Pause in die Bundesliga zurück. 2012 stand er im Kader des ehemaligen Meisters TC Amberg Am Schanzl.

Auf den Positionen sechs bis acht kommen jüngere Schützlinge von Coach Irmler mit Bundesliga-Erfahrung: die Slowaken Jozef Kovalik und Filip Horansky sowie der Ex-Bremerhavener Peter Torebko. „Als Spieler hofft man natürlich immer, dass man zum Einsatz kommt. Und am Ende gewinnt nicht immer das von den Spielern am besten aufgestellte Team, sondern jenes, wo die Spieler die bessere Tagesform haben“, macht Torebko auch sogleich eine Kampfansage – an die Gegner und auch die eigenen Mitspieler.

Neu im Kader sind der 22-jährige Linkshänder Mats Moraing sowie der erst 20 Jahre junge Kroate Filip Veger. Letzterer entstammt der Jugendarbeit des TC Blau-Weiß Halle. Zudem stehen mit Neuzugang Maximil Dinslaken und Matwe Middelkoop zwei weitere Doppelspezialisten neben Martin Emmrich parat, der nach der Saison am 26. August seine niederländische Verlobte Michaëlla Krajicek heiraten wird – die Halbschwester des Wimbledonsiegers von 1996, Richard Krajicek.

Zum Start am Freitag will Teamchef Irmler sogleich die seiner besten vier Spieler aufbieten: Andujar, Rosol, Stakhovsky. Wer die Nummer vier sein wird, bleibt zunächst offen. Erst könnte Kovalik, Horansky oder auch Torebko sein. Wenngleich die Finanzen es nicht zulassen, durchgängig mit der besten Mannschaft anzutreten. „In den Heimspielen laufen wir mit den besten Spielern auf. Auswärts versuchen wir talentierten Jungspielern die Chancen zu geben, ihr bestes Tennis zu zeigen.“