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WM-Silber für Claußmeyers Frauen-Team

25.09.2012 | 17:07 Uhr
WM-Silber für Claußmeyers Frauen-Team
Silber bei der WM in Valkenburg: Rachel Neylan startet für das Dortmunder Team „Abus-Nutrixxion“Foto: Roth/Augenklick

Sie ist so schlank und durchtrainiert, dass man ihr solch eine Energieleistung gar nicht zutraut. Ganze 56 kg stemmt Rachel Neylan in die Pedale ihres Fahrrades. Am Samstag bei der Weltmeisterschaft im holländischen Valkenburg mit einer derartigen Kraft, dass sie nach 124 km als Zweite hinter der Niederländerin Marianne Vos über die Ziellinie fuhr. Der Jubel war riesig bei der Australierin und bei Mark Claußmeyer, der die 29-Jährige Anfang des Jahres für sein Frauen-Team „Abus-Nutrixxion“ verpflichtet hatte.

Die Wahl-Dortmunderin konnte ihr Glück kaum fassen, als sie am Samstag nach einem harten Rennen nur zehn Sekunden hinter Marianne Vos über die Ziellinie gefahren war. Minutenlang hielt sie sich die Hände vors Gesicht. Fünf Jahre nach ihrem ersten Rennen überhaupt war die 29-Jährige auf dem Höhepunkt ihrer ziemlich ungewöhnlichen Karriere. „Das ist einfach unfassbar. Eigentlich kann ich es immer noch nicht glauben. Silber hinter Mariannes Vos, aber noch vor der starken Italienerin Elis Longo Borghini. Einfach unglaublich“, jubelte die blonde Radsportlerin aus Sydney.

Anfang des Jahres war das 56-kg-Leichtgewicht zum Dortmunder Team „Abus Nutrixxion“ gestoßen. Auf Anhieb überzeugte sie durch ihre offene Art, aber auch durch ihre konsequente Einstellung zum Radsport. „Rachel kann sich unglaublich gut auf ein Ereignis fokussieren“, zollte Teamchef Mark Claußmeyer der Australierin schon im Frühjahr-Trainingslager auf Mallorca ein dickes Kompliment. Denn ungewöhnlich ist die Laufbahn von Quereinsteigerin Rachel Neylan allemal (siehe nebenstehende Info-Box).

„In Dortmund habe ich ideale Bedingungen vorgefunden. Das Umfeld stimmt, das Material ist erstklassig, die Betreuung super“, zeigte sich die WM-Zweite von der Arbeit beim Team Abus Nutrixxion angetan. Zwischen ihrer Dortmunder Zeit zog es die Australierin nach Italien. Immer wieder fuhr sie in die Alpen zur Vorbereitung auf große Rundfahrten. Nur zwei Wochen vor dem WM-Rennen wurde sie in Frankreich bei der Tour l’Ardeche Vierte der Gesamtwertung. „Die Form stimmt, das habe ich schon in Frankreich gemerkt“, zeigte sich die Australierin vor ihrem Start in Valkenburg zuversichtlich.

Und dennoch war ihre Silbermedaille die vielleicht größte Überraschung des gesamten Rennens. „Die Rennstrecke kam ihr entgegen. Der Kurs war sehr anspruchsvoll und keinesfalls ein Sprinterkurs“, versuchte Abus-Nutrixxion-Teamchef Mark Claußmeyer eine Erklärung für den fabelhaften Auftritt seiner Fahrerin.

Es stimmte einfach alles am Samstag in der Provinz Limburg. Marianne Vos hatte die Vorentscheidung mit einer Attacke drei Runden vor Schluss eingeleitet und vollendete ihr Werk mit einem erfolgreichen Schluss-Angriff auf dem gefürchteten Cauberg unter dem Jubel von Zehntausenden von Zuschauern. 2500 Meter vor dem Ziel trat sie an und keine konnte folgen. Zehn Sekunden später folgte Rachel Neylan, die ihrerseits Elis Longo Borghini um acht Sekunden distanzierte.

Info: Von der Tartanbahn in den Rennsattel

2008 bestritt Rachel Neylan ihr erstes Radrennen, zuvor war sie über Jahre hinweg eine erfolgreiche Leichtathletin.

Bereits in ihrem ersten Jahr wurde die 29-Jährige aus Sydney Neunte in der Gesamtwertung der australischen Rennserie.

Und dennoch verlief ihre Karriere nicht ohne Tiefpunkte. Zwar ebablierte sich Rachel Neylan schnell, wurde 2009 Dritte bei der nationalen Meisterschaft, stand aber nach einer von zahlreichen Stürzen geprägten Saison 2011 quasi vor einem Neubeginn. Seit Anfang 2012 fährt sie für das Dortmunder Team „Abus-Nutrixxion“.

Peter Kehl



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