Wickede würde das Abenteuer wagen
30.05.2012 | 19:05 Uhr 2012-05-30T19:05:00+0200
Es hätte eine so schöne Inszenierung werden können. Vor dem Pfingstwochenende hatte vieles auf ein echtes Endspiel um die Spitzenposition im heimischen Amateurfußball hingedeutet. Doch während Wickede in Olpe gewann, patzte Aplerbeck gegen Wanne-Eickel - und damit war der Weg frei für die Westfalia. Und er könnte, wenn alles optimal läuft, mit dem Aufstieg in die Oberliga enden.
Überhaupt, diese Wickeder: sie sind aus lokaler Sicht eine einzige positive Überraschung. Völlig unabhängig davon, ob sich nach dem Saisonfinale am Sonntag im Pappelstadion immer noch die Chance auf die Teilnahme an der Relegation bietet, haben die Jungs von Marko Schott eine überragende Saison gespielt.
„Es ist ja fast schon in Vergessenheit geraten, dass wir uns eigentlich nur retten wollten“, erinnert der Sportliche Leiter Klaus-Dieter Friers an die ursprüngliche Zielsetzung, „jetzt sind wir sogar beste Dortmunder Mannschaft und haben zwischendurch auch noch die Hallen-Stadtmeisterschaft gewonnen.“
Ein Ergebnis, das die Verantwortlichen mit Stolz erfüllt, ohne nun überheblich zu werden. „Wir genießen ganz einfach diesen Moment“, sagt auch der Trainer, der dem Fernduell mit dem TuS Hordel und dem DSC Wanne-Eickel um die Plätze sechs und sieben völlig gelassen entgegenblickt.
Es gab nie einen Negativtrend
Dass die Erwartungen in dieser Spielzeit so deutlich übertroffen wurden, hat für Marko Schott mehrere Ursachen: „Ab dem siebten Spieltag sind die Jungs noch enger zusammen gerückt, haben in der Folge immer wieder tolle Moral bewiesen und bis auf wenige Ausnahmen mit mannschaftlicher Geschlossenheit überzeugt.“ So habe sich zwischendurch auch nie ein Negativtrend eingeschlichen, „weil wir nach schwächeren Auftritten immer wieder schnell zurückgekommen sind“. Selbst nach zuletzt vier Heimniederlagen in Folge ging kein Boden verloren: auswärts ist die Westfalia seit sechs Spielen ungeschlagen.
Auch wenn lange Zeit niemand gewagt hätte, auch nur einen Gedanken an die Oberliga zu verschwenden, bietet sich nun also diese Option. „Wir würden sie annehmen und das Abenteuer wagen“, sagt Marko Schott, „aber wir würden selbst dann nicht alles im großen Stile umkrempeln, sondern an unserem Konzept festhalten.“
Man darf gespannt sein, wie der ASC 09 in sein letztes Spiel dieser Saison gehen wird. „In einem Derby ist die Motivation, noch einmal eine Topleistung abzurufen, immer besonders groß“, sagt Jörg Silberbach, „wir freuen uns darauf, uns mit solch einem Gegner messen zu können, und wollen uns sportlich fair und vernünftig in die Sommerpause verabschieden. Völlig unabhängig davon, ob es nun gegen einen lokalen Konkurrenten geht.“
Dass gegen Wanne die letzte theoretische Chance verspielt wurde, selbst noch einmal in den Kampf um die Plätze eingreifen zu können, findet Aplerbecks Trainer bedauerlich, zumal sich mit einem solchen Endspiel der durchaus erkennbare sportliche Aufschwung noch einmal deutlicher hätte dokumentieren lassen. „Wir haben eine gute Rückrunde gespielt“, verweist Silberbach auf die positive Entwicklung, die seine von einem alles überragenden Rafik Halim geführte Mannschaft in den letzten Monaten genommen hat. Immerhin hatte sich der ASC wochenlang in der Abstiegszone aufgehalten, sich aber Schritt für Schritt ins gesicherte Mittelfeld vorgearbeitet: mehr war nach den vielen Rückschlägen der Hinrunde am Ende halt auch nicht mehr drin. „Jetzt sind wir dran“, sagt der Trainer, „aber in engen Duellen mit Gegnern auf Augenhöhe fehlte noch ein bisschen mehr Qualität, um sich in den entscheidenden Momenten durchsetzen zu können.
Silberbach sieht ASC gut aufgestellt
In der kommenden Saison soll sich dies ändern. Aplerbeck blickt optimistisch nach vorne. „Wir werden personell besser aufgestellt sein, weil der Kader ausgeglichener besetzt ist“, glaubt Jörg Silberbach, „wir haben gestandene Jungs, die den Leistungsnachweis bereits in höheren Ligen erbracht haben, aber auch viele junge, entwicklungsfähige Spieler. Die Mischung stimmt.“ Wer weiß: vielleicht geht es nach drei Jahren Liga-Mittelmaß dann auch beim ASC wieder ein ganzes Stück weiter nach oben.
INFO
Es geht auch noch um den Derby-Cup
Das Saisonfinale im Pappelstadion wird auch zum Endspiel um den Derby-Cup unserer Zeitung. Westfalia Wickede liegt vor dem letzten Lokalduell drei Zähler vor dem ASC 09, könnte aber von den Aplerbeckern mit einem Sieg noch überholt werden.
Die Wickeder gelten als absolute Derby-Spezialisten und haben diesen gemeinsam von der Kronen-Brauerei und unserer Zeitung durchgeführten Wettbewerb bereits dreimal gewonnen, zuletzt im vergangenen Jahr.
Damals waren die 13 von 18 möglichen Punkten, die das Team gegen die lokale Konkurrenz holte, die Basis für den Klassenverbleib.
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