Viel Trainingsarbeit statt Wellness-Urlaub
29.09.2010 | 18:27 Uhr 2010-09-29T18:27:00+0200
Die Reiseroute klingt verdächtig nach einer extrem kostspieligen Weltreise: Frankfurt - San Francisco - Sacramento - Auckland. Gute vier Wochen lang. Mit Vollpension und Rund-um-Betreuung. Doch mit einer Sightseeing-Tour oder einem Wellness-Urlaub hat der Betriebsausflug der deutschen Ruderer ziemlich wenig zu tun. Die WM in Neuseeland steht in genau vier Wochen auf dem Programm.
Harte Arbeit steht für die knapp 90 Athleten auf dem Programm. Denn noch fehlt der Feinschliff für die WM vom 29. Oktober bis 7. November auf dem Lake Karapiro. Der elf Kilometer lange und nur 900 m breite Stausee südlich von Auckland auf der Nordinsel ist Austragungsort der Titelkämpfe, die unter einem besonderen Stern stehen für den Titelverteidiger. „Zwei Jahre vor den Olympischen Spielen in London wird quasi die letzte Phase eingeläutet. Alle Nationen werden danach ihr Vorbereitungsprogramm anziehen“, sagte Bundestrainer Ralf Holtmeyer.
Seit gestern Morgen um 5 Uhr ist die DRV-Crew unterwegs, darunter auch 25 Athleten und Athletinnen vom Dortmunder Stützpunkt am Ems-Kanal. Bleibt die Frage, warum erst nach Kalifornien und nicht direkt nach Neuseeland? Die Antwort fällt ziemlich einfach aus. Das liebe Geld hat natürlich die entscheidende Rolle gespielt. Allein die Hotelkosten in Kalifornien sind schlichtweg viel, viel günstiger als in Neuseeland. Bei einer mehr als 100-köpfigen Delegation sicherlich ein schlagkräftiges Argument. „Dennoch liegen wir insgesamt im hohen sechsstelligen Bereich“, sagte DRV-Sportdirektor Mario Woldt.
Auf jeden Fall ist die WM eine kostspielige Angelegenheit, und auch eine logistische Herausforderung. Während die Athleten gestern in Frankfurt/Main in den Flieger nach San Francisco gestiegen sind, tuckert ihr Arbeitsgerät schon seit Wochen über die Weltmeere. Bereits vor vier Wochen - direkt nach dem Sieg bei der Rotsee-Regatta in Luzern - wurde ein Container mit den WM-Booten gepackt und auf dem Seeweg nach Neuseeland geschickt. Nach der erfolgreichen EM in Portugal wurde dann der nächste Container vollgestopft mit hochwertigem Rudermaterial aus Carbon und Aluminium. Diesmal ging’s Richtung Kalifornien. „Danach mussten wir in Leasingbooten des Herstellers trainieren“, verriet Pressesprecher Carsten Oberhagemann. Dass es gestern endlich losgeht, durfte auch den Dortmunder Bootsmeister Markus Schmitz erfreut haben. Der hatte in den vergangenen Wochen alle Hände voll zu tun, um die Boote sicher zu verstauen. In Neuseeland heißt es dann wieder: erst auspacken, dann einpacken.
Drei Wochen lang trainieren die Athleten in der Nähe von Sacramento. Bundestrainer Ralf Holtmeyer hat noch einige Mängel erkannt. „Im technischen Bereich haben wir noch Nachholbedarf, dafür sind wir im athletischen Bereich schon weiter als im Vorjahr“, analysierte Holtmeyer, der gestern auch gute Wetterprognosen für seine Schützlinge parat hatte. „Anfang der Woche waren es noch 39 Grad in Sacramento, Freitag sollen es nur noch 30 Grad sein.“
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