Tiefe Gräben vor dem letzten Galopp-Klassiker
09.09.2010 | 18:05 Uhr 2010-09-09T18:05:00+0200
Der Termin ist der früheste in der Geschichte des tradtionsbeladenen St. Leger. Noch nie wurde am 12. September der letzte Galopp-Klassiker der Saison ausgetragen.
„Wir können froh darüber sein“, sagt Rennsekretär Karl Schütz, „dass der Renntag nicht wie vorgesehen am 3. Oktober stattfindet.“ Denn da wäre nicht nur das wichtigste Galopprennen in Europa, der Prix de l’Arc de Triomphe in Paris, wie in jedem Jahr ein Interessens-Gegner gewesen, sondern „dann spielt auch der BVB gegen Bayern“.
Und weil Galoppsportfans gerne zur Borussia gehen, wie übrigens auch Schütz, gehören derartige Termine ausgewogen koordiniert. Allein der derzeitige Zustand der Rennbahn in Wambel korrespondiert kaum mit der Veranstaltung. Seit Wochen ziehen sich lange, tiefe Gräben durch das Gelände: Erst war es die Suche nach einem Wasserrohrbruch, dann eine bei der Ursachenfindung demolierte Gasleitung, die grundsätzliche Versorgungs-Probleme auf der altehrwürdigen Anlage am Nussbaumweg offenbarten. Die Schäden werden größer.
Vor allem auch, weil sich der Rennverein in seiner Schuldenlage kaum großangelegte Renovierungsmaßnahmen leisten kann. „Die Entschuldung ist zwingend“, erklärt Dr. Werner Himmelmann, seines Zeichens Vize-Präsident des Rennvereins. Der angedachte Verkauf aber eines Teils des Grundstück zum Bau eines Seniorenheims stagniert, weil der ansässige Golfklub zum einen Parkplatzrechte auf dem offerierten Gelände anmeldet und zum anderen die erforderliche Baugenehmigung Probleme bereitet. „In diesem Jahr wird es nichts mehr“, so Himmelmann. Schlecht für die Finanzlage. Noch hielten die Banken still. Wie lange? Man spricht vom Ende des nächsten Jahres, dann könnte aber Ungemach drohen.
Deshalb ist man in Dortmund darauf bedacht, den sportlichen Teil auf höchstem Niveau zu halten. Und dazu gehört eben der letzte Grasbahn-Renntag. Die angesagten zwölf Teilnehmer am 126. Deutschen St. Leger sind in ihrer Anzahl rekordverdächtig, ebenso wie die Beteiligung der prominenten Gestüte am mit 55 000 Euro dotierten Steherrennen über 2800 Meter. Gleich zweimal ist das Gestüt Wittekindshof des Dortmunder Ehrenpräsidenten Hans-Hugo Miebach mit Sworn Pro und Saldennähe vertreten. Für doppelten Einsatz wurde Next Vision von Georg von Baron Ullmann nachgenannt - und dann könnten sich auch die Fußballfans über einen interessanten Besucher freuen.
Für den dreijährigen Sabiango-Sohn Codoor zeichnet kein Geringerer als Werder Bremens Manager Klaus Allofs neben dem Gestüt Fährhof verantwortlich. Den Hengst trainiert Peter Schiergen, der gleich drei vierbeinige Kandidaten ins Rennen schickt
Kingfighters Heimspiel
Favorit auf die Nachfolge des Vorjahressiegers Sassoaloro ist indes der vierjährige Hengst Brusco aus dem Stall von Andreas Wöhler, den Champion-Jockey Eduardo Pedroza reitet. Der Rock of Gibraltar-Sohn ist auf der Steherdistanz in seinem Element.
Welchen Weg die Pferde nach ihren Auftritten in Dortmund einschlagen können, hat die Stute Vanjura bewiesen. 2009 gewann sie das Auktionsrennen am Leger-Tag, am letzten Samstag triumphierte sie im mit 195000 Dollar dotierten Gruppe-I-Rennen in Istanbul. Ein Ansporn für die 14 zweijährigen Kandidaten, die über 1400 Meter um 52000 Euro kämpfen. Mit Heimvorteil dabei der Königstiger-Sohn Kingfighter aus dem Stall von Norbert Sauer.
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