Teil acht: Schwarzgelb statt blau-weiß

Das erste Spiel der BVB-Geschichte am 15. Januar 1911 auf der Weißen Wiese durchgeführt brachte dem noch jungen Klub einen überaus klaren 9:3-Sieg über den VfB Dortmund.

Dortmund.. Ein gutes Omen für die sportliche Zukunft, wie es scheint, folgte doch der erste Aufstieg bereits 1912 in die "B-Klasse". Blau und weiß, die Farben des Jünglingsvereins der Dreifaltigkeitsgemeinde zierten auch die Trikots der ersten Borussen-Mannschaften. Eine rote Schärpe erinnerte ergänzend an die enge Beziehung zum Arbeitersport.

Betriebsverein der Hoesch AG

Immerhin war der BVB der Gründungsphase ja so etwas wie ein Betriebsverein der Hoesch AG. Das prägte die Haltung der Mitglieder. Im Februar 1913 änderten die Jungs um Franz Jacobi die Vereinsfarben und verständigten sich auf "schwarz-gelb ist unsere Tracht", wie es auch heute noch im historischen Vereinslied so schön heißt.

Woher kam schwarz-gelb? Das waren die Farben des "wilden" Klubs Britannia, der vergeblich um eine Aufnahme in den Westdeutschen Verband ersucht hatte und sich deshalb 1911 mit etwa 40 Mitgliedern dem BVB anschloss. "Wir sind kein Katholikenverein mehr, sondern offen für alle", lautete der Tenor von nun an. Mit dem Wechsel der Vereinsfarben war die Gründungsphase des BVB abgeschlossen. Fortan nannte man Borussia Dortmund respektvoll "die gelbe Gefahr" oder auch "die Kanarienvögel vom Borsigplatz".

Akuter Gegnermangel

Der Erste Weltkrieg brachte einschneidende Veränderungen: Die Mannschaften waren aufgrund der Kriegsverpflichtungen zumeist nicht vollständig. Hunger und Versorgungsnöte lähmten den Spielverkehr - es waren nur wenige sportliche Gegner vorhanden. Beispielsweise konnte "mangels Gegnerschaft", wie es damals hieß, 1915/16 überhaupt keine Meisterschaftsrunde durchgeführt werden. An deren Stelle traten "Gesellschaftspiele". Auch 1916/17 gab es nur eine bruchstückhafte Saison, die diese Bezeichnung eigentlich gar nicht verdiente.

In dieser Zeit entwickelte der BVB seinen "Familiensinn". Die Eltern, Ehefrauen, Familien und Freundinnen der BVB-Soldaten wurden von den Zuhause gebliebenen Vereinsmitgliedern betreut. Da zeigte sich, dass man aus "Dreifaltig" stammte und die von Dewald oft und gern gepredigten Tugenden wie Solidarität und Zusammengehörigkeitsgefühl verstanden hatte.

Rat wird gebildet

15 Borussen, darunter verschiedene Vereinsgründer, ließen im unsinnigen Ersten Weltkrieg von 1914 bis 1918 ihr Leben. Nachdem die Waffen endlich schwiegen, konstituierte sich im November 1918 ein Arbeiter- und Soldatenrat. Zurückkehrende Frontsoldaten bildeten zum Schutz der Bevölkerung eine Sicherheitswehr.

1919 wurde - wegen chaotischer Zustände - der Belagerungszustand über Dortmund verhängt. Die Stadt zu verlassen, war hierbei fast unmöglich. Unabhängig davon führte der BVB im September 1919 in Neheim-Hüsten vor 3000 Besuchern das erste bekannte Benefizspiel überhaupt "zugunsten der aus dem Krieg zurückgekehrten Soldaten" durch.

Soziales Gewissen

Damit dokumentierten die damaligen Jungs vom Borsigplatz eindrucksvoll, dass Fußball auch ein soziales Gewissen, verbunden mit einem persönlichen Engagement für notleidende Dritte, haben kann. Eine Haltung, die die Geschichte von Borussia Dortmund bis zur Gegenwart eindrucksvoll abrundet.

Der nächste Serienteil zum Amateurfußball erscheint am Donnerstag, 9. April. Das Thema: Der Hombrucher FV und der SC Aplerbeck 09.