Teil 9: Der "Dortmunder Dreier" ist perfekt

Der 14. Juni 1958 war ein Sonntag. Und einmal mehr strömten die Fußball-Enthusiasten aus Dortmund und der Region in die Kampfbahn Rote Erde. Insgesamt zählte man 22 000 Besucher. Der Grund für die Völkerwanderung war das erste Endspiel um eine Deutsche Fußballmeisterschaft in Dortmund.

Dortmund.. Beteiligt war aber keineswegs der BVB, wie man vielleicht vermuten könnte, sondern der FV Hombruch 09 aus dem Süden der Stadt. Die Geschichte in Kürze: Nachdem die Hombrucher in der Saison 1957/58 am letzten Spieltag in Dahlhausen den Staffelsieg der Verbandsliga Westfalen errungen hatten, ging es Schlag auf Schlag: Zwei Siege gegen die SpVgg Erkenschwick - der Lohn war die Westfalenmeisterschaft.

Rückenwind durch Heimvorteil

Es folgte die "Westdeutsche". TuS Lintfort und Bergisch Gladbach 09 blieben hierbei auf der Strecke. Jetzt winkte sogar die "Deutsche". Auf dem Weg ins Endspiel hatte Berlins Vertreter Rapide Wedding mit 0:2 das Nachsehen. Und schon war der 14. Juni 1958 in der Roten Erde erreicht. Voller Begeisterung erlebten die 22 000, wie die Jungs aus Hombruch mit dem Rückenwind des Heimvorteils den renommierten ASV Bergedorf 85 mit 3:1 schlugen.

Dortmund war zum dritten Mal in Folge fußballerisch aus dem Häuschen: 1956 und 1957 hatten die Borussen die Fans in Westfalen mit ihrer legendären "Doppelmeisterschaft in identischer Aufstellung" förmlich verwöhnt. Und nun schaffte auch der FV Hombruch, ebenso wie die Schwarzgelben im Jahr 1909 entstanden, eine Deutsche Meisterschaft.

Lange Feiern in Hombruch

Insbesondere im Stadtbezirk Hombruch feierte man lange und anhaltend. Die Helden von 1958 waren Burgsmüller, Ullrich, Legre, Czidzik, Schulte-Braucks, Meinsen, Thiele, Schürmann, Prothmann, Schmidt und Jördens. Hombruchs Torhüter Hermann Burgsmüller ist übrigens der Bruder des dreifachen Deutschen Meisters und BVB-Mannschaftskapitän Willi Burgsmüller. Bei den Familienfesten geht es entsprechend meisterlich rund.

1909, als der FV geboren wurde, gehörte Hombruch noch keineswegs zu Dortmund, sondern bis 1929 zum selbstständigen Landkreis Hörde. Dieser hatte die Hombrucher Verwaltungsangelegenheiten in die Hände des Amtes Kirchhörde gelegt.

Keine Harmonie im Süden

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts begannen auch in Hombruch zunächst die "höheren" Schüler, Fußball zu spielen. Zwei von ihnen, die Gebrüder Schumann, spielten sogar "grenzüberschreitend" im Nachbarkreis Dortmund beim DFC 95. Das Beispiel machte Schule, weitere Jungs folgten, konnten sich aber nicht durchsetzen und fühlten sich insgesamt bei den "Südlichen" nicht wohl. Folgerichtig gründeten sie 1909 mit dem FV Hombruch 09 ihren eigenen Klub.

Der neue Verein war jedoch ein wenig schwach auf der Brust. Deshalb schloss er sich bereits 1910 als Spielabteilung dem TV Westfalia Hombruch an. Diese "Ehe" existierte bis ins Jahr 1922. Danach trug man stolz wieder den alten Gründungsnamen.

Spannende Derbys

Besonders spannend verliefen stets die Lokalderbys gegen Barop 08, zu denen regelrechte Heerscharen pilgerten. Eines dieser Spiele wurde sogar gefilmt und lief später als Kino-Sensation in den "Grafenhof-Lichtspielen" zu Hombruch. Als 1933 die Nazis an die Macht kamen, begann auch im Fußballsport eine neue Zeitrechnung. Im Zuge der Gleichschaltung wurde der damalige Kreisligist FV Hombruch 09 zwangsweise mit dem SV Menglinghausen fusioniert. Der neue Name: VfL Germania 08.

Im Februar 1946 war der Namensspuk vorbei. Als FV Hombruch 09 schaute man in eine erfolgreichere Zukunft als je zuvor. Der Klub spielte immerhin drei Jahre - von 1949 bis 1952 - in der II Division auf der Grundlage des Vertragsspielerstatuts. Einen Namen machte sich damals Kurt Prothmann, der mit 23Treffern Torschützenkönig seiner Liga wurde.

Kontinuierliches Auf und Ab

An den 58er-Erfolg konnte später nicht mehr angeknüpft werden. Landesliga, Verbandsliga, Landesliga, Bezirksliga, Verbandsliga, Landesliga. So hießen weitere sportliche Stationen in den folgenden Jahrzehnten mit einem kontinuierlichen Auf und Ab. 2002 folgte die Fusion mit dem FC Eintracht Hombruch zum Hombrucher SV 09/72, der sich durch eine gute Jugendarbeit und dem Engagement im Frauenfußball auszeichnete.

Immerhin gingen mehrere namhafte Erst- und Zweitligaspielerinnen wie Carolin Dej, Jacqueline Klasen, Lina Magull, Sonja Speckmann und Isabelle Wolf aus dem Klub hervor.

Ruhiger Malermeister

Zu den herausragenden Cracks gehörte auch und insbesondere Torhüter Manfred Martinschledde, der Anfang der 1960er Jahre nach Hombruch kam und rasch im Notizbuch von Helmut Schön auftauchte. Der Malermeister mit seiner sagenhaft stoischen Ruhe brachte es immerhin auf acht Einsätze in der Deutschen Amateur-Nationalmannschaft.

Der letzte Serienteil zum Amateurfußball erscheint am Donnerstag, 16. April. Das Thema: Der SC Aplerbeck 09.

EURE FAVORITEN IN DIESER STUNDE