Süd-Hoffnungen enden in Bommern
09.05.2010 | 20:18 Uhr 2010-05-09T20:18:00+0200
Witten/Dortmund. Zwei Trainer, zwei völlig unterschiedliche Saisonverläufe, eine Reaktion: Enttäuschung. Da saßen sie auf der Treppe neben dem Sportzentrum, HC Süd-Trainer Martin Denso und Tihomir Knez, Spielertrainer des Aufsteigers TV Schwitten, und rauchten ihre Zigarette.
Knez, der aus alter Verbundenheit zu Denso so etwas wie zum Dauerunterstützter des HC Süd geworden ist, versuchte seinen Kollegen aufzurichten. Vergeblich. Nach der 26:28 (12:17)-Niederlage des HC Süd beim TuS Bommern müssen die Südlichen den Gang in die Landesliga antreten. Auch die Relegation, den letzten Strohhalm, haben sie verpasst. Dazu hätte Konkurrent HSC Recklinghausen in Werdohl verlieren müssen – doch die Recklinghäuser holten genau den einen benötigten Punkt.
Es hätte das Spiel der besonderen Geschichten werden können. Beispielsweise der von Karsten Paukstadt. „Der Lange”, wie er genannt wird, hat die gesamte Saison über kaum bis gar nicht gespielt. Ausgerechnet im letzten Spiel musste er das, drei Minuten vor Schluss. Als Ersatz für Rechtsaußen Jonas Höhmann, der just zuvor seine dritte Zeitstrafe kassiert hatte. 29 Sekunden vor Schluss, beim Stande von 26:27, bekommt Paukstadt den Ball auf Außen. Beim Wurf steht er im Kreis. Die Schiedsrichter pfeifen ab, Bommerns Torhüter Matthias Kilfitt (der mal für den HC Süd gespielt und gegen seinen alten Verein eine seiner besseren Leistungen gebracht hat) verwandelt den Freiwurf direkt vom eigenen Kreis ins verwaiste Tor der Südlichen. 28:26 für Bommern.
Es hätte auch die besondere Geschichte von Matthias Konkel werden können. Der Mann, der während der Saison von Bommern zum HC Süd gewechselt ist und an alter Wirkungsstätte alles andere als freundlich vom Publikum empfangen wurde. Er ließ sich davon nicht beirren, versuchte das Spiel in die Hand zu nehmen. Doch alles glückte ihn an diesem Tag nicht. Auch, weil ihm die Unterstützung in der Hektik fehlte.
Eine der ungewöhnlichen Geschichten wäre durchaus auch die Aufholjagd des HC Süd gewesen. Als es zur Pause 17:12 für Bommern stand, da entspannten sich die Gesichtszüge der vielen Wittener Zuschauer deutlich. Wie auch beim 20:13 fünf Minuten später. Doch der HC Süd kämpfte sich heran. Selbst als die Mannschaft nur mit drei Feldspielern auf dem Platz stand. Auf 20:18 (43.) kam sie heran, später auf 25:24 (54.) und 25:25 (55.). Es wurde nochmal eng, weil die Südlichen um ihre letzte Chance kämpften und weil sie Bommern mit einer taktischen Umstellung ziemlich ins Schlittern brachten. Sie spielten im Angriff mit sieben Feldspielern, bei Bommerns offensiver Deckung schafften sie so Überzahlsituationen. Allein: Sie nutzten sie nicht. Wieder einmal. Wenn auch nicht so eklatant wie in manchen Partien zuvor „Nicht das Spiel gegen Bommern hat uns zum Absteiger gemacht”, so Denso, „es ist die Summe der verpassten Chancen in der gesamten Saison.”
Am Samstagabend haben sich die Südlichen zusammengesetzt. Sie wollen – bis auf Bastian Hausl, der zum Letmather TV geht – zusammen in die nächste Saison gehen.
HC Süd: Waschescio (bis 24.), Trippe; Konkel (3), Hausl (2), Fuck (1), Höhmann (3), Schmelter (2), Pixberg (6/4), Hobrock (1), Decker (3), Hennemann (5), Becker, Paukstadt.
EINWURF:
Sie sind als die Nummer eins des Dortmunder Männerhandballs in die Saison gestartet. In der nächsten Spielzeit werden sie – bestenfalls – die Nummer vier sein. Hinter dem OSC. Auch hinter Hombruch und den Höchstenern. Nichts beschreibt den Abstieg des HC Süd, dem Zusammenschluss des TuS Wellinghofen und des TuS Lücklemberg, besser.
Den Traditionalisten aus dem Süden wird das weh tun. Doch diese Entwicklung kommt alles andere überraschend – und sie ist nicht nur das Ergebnis von Fehlern dieser Saison. Der Abstieg ist schleichend vor sich gegangen.
Martin Denso, weit mehr als nur ein Trainer, engagiert und umtriebig, und seine Spieler, zum Großteil aus unteren Ligen gekommen, haben es in dieser Saison ausbaden müssen. Sie haben sich nach Kräften gewehrt und unter diesen Voraussetzungen immer noch gut geschlagen. Was sich paradox anhört nach einem Abstieg.
Mag sein, dass der HC Süd diesmal sogar besser vorbereitet in die nächste Saison geht als vor einem Jahr. Immerhin steht der Stamm der Mannschaft, immerhin hat der Verein neue Strukturen aufgebaut und kümmert sich vermehrt um Jugendarbeit.
Wahr ist aber auch: Die einstige Nummer eins muss nachholen, was andere Vereine vorgemacht haben. Und: Sie wird das nicht mehr mit dem Bonus des Primus, sondern als einer unter vielen tun müssen. (TiB)
11:12
Martin Denso, weit mehr als nur ein Trainer...
Was muss man für eine solche Aussage bezahlen oder wie gewinnt man die Gunste der Presse? Ein Trainer, der noch nirgends Erfolg hatte, der nichts getan hat, um mit seinem aktuellen Verein gegen seinen Stammverein zu gewinnen, einer der nur Spieler um sich versammelt, die er von früher kennt, der über Handball redet und jeden anderen kritisiert ohne jegliche Legitimation dazu zu haben, jemand der gute Spieler im Laufe der Saison verprellt hat, der sich bestimmt noch nie kaputt gemacht hat, der in Aplerbeck keine Saison überstanden hat und hier absteigt? Das geht nur, wenn Herr Becker als Dritter in der Runde mitgeraucht hat. Simone (und das heißt schon eine Menge) war der bessere Trainer am Samstag. Für mich mehr Totengräber als guter Trainer!