Startschuss für London 2012 gefallen
08.03.2011 | 18:32 Uhr 2011-03-08T18:32:00+0100Der Startschuss für die Olympischen Spiele 2012 in London war nicht zu hören. Dennoch ist er für den Deutschland-Achter gefallen. Bundestrainer Ralf Holtmeyer hat 15 Monate vor Beginn der Olympischen Regatta die Zügel angezogen. Mit dem Trainingslager im italienischen Sabaudia sind die schönen Zeiten für die Dortmunder vorerst vorbei. Die Weltmeister von 2009 und 2010 wollen in London Olympisches Gold holen.
Ralf Holtmeyer kennt sich bestens aus in Sabaudia, einem etwas in die Jahre gekommenen Strandstädtchen gut 100 km südlich von Rom. Gut 70 Wochen habe er in seinem Trainerleben dort schon verbracht, sagte Holtmeyer. In den 1930er-Jahren hatte der italienische Diktator Mussolini die Arbeiterstadt am Reißbrett planen lassen, vor einigenJahrzehnten erkannten Ruderer aus aller Welt die ideale Lage mit nahen Binnensee. Seit zwei Wochen sind die Deutschen Riemenruderer wieder da. Viel Zeit für Latte Macchiato oder Cappuccino blieb aber nicht.
Denn mit Beginn des vorolympischen Jahres werden die Zügel wieder ein wenig fester angezogen. Man könne schließlich nicht drei Monate vor Olympia damit beginnen, so Holtmeyer: „Andere Nationen wie England oder Australien haben noch früher angefangen, die Intensität zu erhöhen.“ Natürlich verfällt man im deutschen Lager deshalb nicht in Panik, als Weltmeister der vergangenen beiden Jahre hat man schließlich nicht alles, aber zumindest vieles richtig gemacht.
Natürlich weiß auch Holtmeyer, wie kurzlebig Erfolg sein kann. Aus eigener Erfahrung. Der 53-Jährige hat seine persönliche Schmach vor mittlerweile elf Jahren erlebt, als sich der Deutschland-Achter nicht für die Spiele in Sydney 2000 qualifizierte. Danach folgten lange Jahre bei den Frauen. Erfolge gab’s natürlich auch, natürlich völlig unbemerkt von der Öffentlichkeit. 2008, nach dem Achter-Debakel von Peking, wurde Holtmeyers Trainer-Position wieder aufgewertet.
Seitdem geht es aufwärts im Männer-Riemenbereich, speziell im Achter, dem Aushängeschild: Weltmeister 2009 in Polen, Weltmeister 2010 in Neuseeland. Wenn alles gut geht, dann soll 2012 in Eton bei London - 24 Jahre nach dem Sieg in Seoul 1988 - die zweite Olympische Goldmedaille folgen.
Doch bis dahin steht noch jede Menge Arbeit und die WM in Bled an. Das spüren die 24 Athleten in Sabaudia. Drei Trainingseinheiten stehen pro Tag auf dem Plan, dazu zweimal pro Woche Kraftraining und zwei Rad-Einheiten. „Allein das schlechte Wetter hat uns in der vergangenen Woche einen kleinen Strich durch die Rechnung gemacht. Da mussten wir einige Mal auf den Ergometer ausweichen, dennoch sind wir auf 220 Kilometer auf dem Wasser gekommen“, kommentierte Holtmeyer die Witterungsbedingungen am Mittelmeer.
Sonntag brechen die Jungs um Ralf Holtmeyer ihre Zelte im Hotel Oasi di Kufra ab. Vorher gibt’s vielleicht noch einen Abschlussabend in der bei ehemaligen Ruderern legendären Strandbar. Doch auch hier haben sich die Zeiten geändert. „Alkohol ist nicht förderlich für den Trainingsaufbau“, umschreibt Holtmeyer grob die neue Linie. Denn die Alkoholautofahrt von DRV-Cheftrainer Hartmut Buschbacher bei der WM in Neuseeland war wenig vorbildlich. Dort wurde Buschbacher mit 1,47 Promille im Blut von der Polizei angehalten und anschließend zu sechs Monate Fahrverbot und einer Geldstrafe verurteilt.
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