Spiel auf Zeit: Eisadler planen die Zukunft

Lothar Grabe wirkt gelöst. Von Ernüchterung findet sich bei einem Treffen keine Spur. Der Vorsitzende der Eisadler, der vergangene Woche verkünden musste, dass der Verein aus Kostengründen auf den Aufstieg in die Oberliga verzichten wird, spricht weiterhin angriffslustig über "das Projekt Dortmunder Eishockey".

Dortmund.. "Sie sagen, dass ich mit dem Ziel Bundesliga-Eishockey in Dortmund innerhalb der nächsten fünf Jahre zu große Worte in den Mund genommen habe. Ich sage, dass ich für dieses Ziel ja immerhin noch über vier Jahre Zeit habe", sagt Grabe gleich zu Beginn des Gesprächs. Er weiß, dass er sich an diesem Ziel messen lassen muss - und er scheint kein Problem damit zu haben.

Strukturen sollen verbessert werden

Mit dem Verzicht auf die Oberliga spielt Grabe auf Zeit. Er möchte das weitere Jahr in der vierten Liga dazu nutzen, die Strukturen bei den Eisadlern zu verbessern. Dabei hofft er vor allem auf mehr Unterstützung seitens der Stadt und der Wirtschaft, räumt aber ein: "Man spürt Vorbehalte, die ich sogar nachvollziehen kann. Zwei zurückliegende Insolvenzen im Dortmunder Eishockey spielen uns sicherlich nicht in die Karten. Zudem hat der Sport nicht das beste Image. Da müssen wir uns nicht wundern, wenn uns die Herzen nicht gleich zufliegen."

Gleichzeitig wird er allerdings nicht müde zu betonen, dass die Eisadler ein "gesunder Verein" seien, der nach zwei Aufstiegen gut dastehe, in dem mittlerweile 200 Kinder spielten, in dem "absolute Transparenz" herrsche.

"Viel Zoff unterm Dach"

Darüber hinaus macht er keinen Hehl aus seinem Ärger über die Verbände, namentlich Deutscher Eishockey-Bund (DEB) und Eissport-Verband NRW (LEV NRW). "Da ist viel Zoff unterm Dach. Wir brauchen einen Schulterschluss in der Eishockey-Familie." Dafür hofft er entweder auf Reformen im Eissport-Verband zugunsten des Eishockeys oder eine Verbands-Neugründung in NRW unter den Eishockey-Klubs. Beides sei aktuell denkbar, sagt Grabe.

Sportlich sieht er die Eisadler für die kommenden Aufgaben gewappnet: "Wir werden in der nächsten Saison eine stärkere Mannschaft haben als in der vergangenen Spielzeit. Das ist Fakt." Zu dieser Aussage passt, dass wohl kein Leistungsträger den Verein verlassen wird, und in Steve Themm, Marvin Cohut und Andr Kuchnia vier Spieler mit Oberliga-Erfahrung zum Kader von Trainer Krystian Sikorski hinzustoßen werden.

Jahreshauptversammlung am 15. Juni

Alle Personalia also geklärt? Nicht ganz. Denn am Montag, 15. Juni, steht auf der Jahreshauptversammlung auch die Wiederwahl des Vorstandes um Lothar und Brigitte Grabe sowie Markus Meister an. Und es verdichten sich nach Informationen dieser Zeitung die Anzeichen, dass der Vorstand in seiner jetzigen Besetzung nicht für eine weitere, zweijährige Amtszeit kandidieren wird.

"Stimmt das, Herr Grabe?" - "Vor dem 15. Juni kommentiere ich nichts."
"Aber beißt sich das nicht mit Ihren eingangs formulierten Zielen?" - "Warten Sie den 15. Juni ab."
Bekenntnisse klingen anders.

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