Schwestern zahlen in Gold zurück
07.09.2010 | 19:47 Uhr 2010-09-07T19:47:00+0200
Dortmund ist jetzt nicht unbedingt das, was man ein typisches Wassersportrevier nennen könnte. Der Phönix-See ist zwar gerade in der Mache, aber auch er scheint nicht geeignet, in Hörde eine Wasserski-Weltmeisterschaft auszurichten. Diese an den Füßen befestigten Sportgeräte sind für Familie Bonnemann aus Kirchhörde die Bretter, die die Welt bedeuten. Und darum flitzen sie in Florida oder Italien, in Spanien oder Mexiko hinter einem Motorboot übers Wasser. Keine preiswerte Angelegenheit, aber die drei Töchter Giannina (16), Chiara (15) und Carlotta (11) zahlen zurück. Mit einem wahren Medaillenregen. Kein schlechtes Geschäft bei den derzeitigen Goldpreisen...
Seit zwölf Jahren sind sie diesem Sport verfallen, und deshalb nehmen es die Eltern Andrea und Ralf Bonnemann auf sich, die Töchter, deren Talent sich früh abzeichnete, bei jeder sich bietenden Gelegenheit nach Mastholte bei Lippstadt zu kutschieren, weil dort eine geeignete Trainingsstätte zur Verfügung steht. Im letzten Winter trainierten Giannina und Chiara in Florida, um sich auf die WM in Italien vorzubereiten.
Zum „Warmmachen“ gewannen die Bonnemann-Sisters bei den deutschen Meisterschaften der Junioren und der offenen Klasse am Fetzer See (nahe Stuttgart) neun Goldmedaillen. Dabei fuhren sie persönliche Bestleistungen und neue deutsche Rekorde.
Dreimal im Finale
Bei der WM war in Italien war dann alles am Start, was in der Szene Rang und Namen hat, vor allem aus den USA und Australien.
Ein erstes Ausrufezeichen setzte Giannina bei den Ausscheidungsläufen im Springen, als sie bei 40,40 Meter landete. Lediglich eine Amerikanerin konnte diese Weite mit 41,30 m noch toppen. Schwester Chiara sprang mit 32,90 persönliche Bestweite, verpasste aber das Finale im Springen und Slalom hauchdünn, erreichte es aber im Trickskifahren.Giannina fuhr in allen drei Disziplinen ins Finale. Es zeichnete sich in der Kombinationswertung sogar ein Platz auf dem Treppchen ab.
Dann das Trick-Finale mit zwei Durchläufen von je zwanzig Sekunden: Ein Handpass und ein Toepass bei dem die Leine am Fuß befestigt ist. Toni Lightfoot, der eigens aus den USA eingeflogene Sprecher, kommentierte jeden Trick mit „wonderful, incredible, perfekt“. Dann das Ergebnis: „6700 Punkte.“
Freundin gewann
Jubel über den Außenseiter aus Deutschland. Damit war ihr der dritte Platz, die Bronzemedaille, bei ihrer ersten Weltmeisterschaft sicher.
Und es kam noch besser. Die hohe Favoritin Lauren Morgan aus den USA, die in der Finalrunde ihrem Trickergebnis aus dem Vorlauf nichts mehr zulegen konnte, wurde in der Königsklasse, der Kombinationswertung, durch Giannina, auf Platz drei verwiesen. Den Titel gewann schließlich Gianninas Freundin Iris Cambray aus Frankreich.
Wer nun glaubt, bei Nachttemperaturen im einstelligen Bereich und nach dem Höhepunkt der Saison sei Schluss mit Wasserskifahren, irrt, denn schon bald steht die Europameisterschaft in Österreich an. Bis dahin wird weiter trainiert. In Mastholte...
0mitdiskutieren