Schwarz-gelb und ganz viel Grau - BVB als Problem für die Sportstadt Dortmund
06.07.2011 | 15:02 Uhr 2011-07-06T15:02:00+0200
Dortmund.Wie ist es um den Sport in Dortmund bestellt? Dieser Frage gehen wir in einer neuen Serie auf den Grund. Die Serie soll mehr sein als eine verklärte nostalgische Rückschau. Sie soll zum Nachdenken anregen, im besten Falle wachrütteln. Heute: eine Bestandsaufnahme.
Die Sportfreunde in Barcelona sind zu beneiden. Nicht nur wegen Messi oder ihrer unvergleichlichen Fußballmannschaft. Der Stolz Kataloniens, zweimal Schauplatz von Weltausstellungen und einmal Austragungsort der Olympischen Spiele, hat alles, was das Herz begehrt. Einen Hafen, die Ramblas und überwiegend schönes Wetter. Aber die 1,7 Mio. Metropole bietet noch mehr, denn seit Mai 2011 darf sie sich mit Fug und Recht Welthauptstadt des Sports nennen.
Innerhalb von 21 Stunden gewann der Klub die Champions League in den beiden wichtigsten Mannschafts-Ballsportarten, im Fußball und Handball. Auf ähnlichem Niveau spielen auch seine Basketballer, die sich 2010 die europäische Krone aufsetzten, und das Rollhockeyteam, eine Sportart, die auf der iberischen Halbinsel enorm populär ist. Insgesamt stehen für diese vier „Abteilungen“ 86 nationale Meisterschaften, 33 Champions-League-Titel und 52 europäische Erfolge zu Buche. Nur im Eishockey läuft es noch nicht richtig rund: trotz der drei nationalen Meisterschaften ging Barca international bislang leer aus. Vielleicht, weil das nicht mit einem Ball gespielt wird.
Erbärmlicher Zustand
Zugegeben, Dortmund hat nur ein Drittel an Einwohnern, denen ein Drittel der Erfolge deshalb schon reichen würden. Der Dortmunder an sich ist auch mächtig stolz auf seine Fußballer. Bei der Meisterfeier vor ein paar Wochen waren über 400 000 Menschen auf den Beinen, um ihren Helden zu huldigen. Wo gibt’s das sonst? Doch ist Barcelona in jeder Beziehung gleich mehrere Nummern zu groß für Dortmund, das sich einst Sportstadt nannte, allerdings auch schon mal Europas Bierstadt Nummer 1. Heute ist das kleine Warstein größer, in Sachen Bier...
Der Sport in unserer Stadt, immerhin die siebtgrößte in Deutschland, befindet sich in einem erbärmlichen Zustand. Nur der BVB besitzt eine glänzende Perspektive. Eines muss unmissverständlich klar gemacht werden: die alte Dame Borussia hat sich nicht unfair gegenüber dem „Restsport“ verhalten, sie hat niemandem etwas vorenthalten und sie hat auch niemandem die Luft zum Atmen genommen.
Der Fußball ist aber die Ursache, weil die wirtschaftlich potenten Unternehmen zu ihm drängen wie die Motten zum Licht, sich davon – wie man neudeutsch sagt – eine Win-Win-Situation versprechen und dabei viele schöne Plätzchen und Nischen rechts, links, ober- oder unterhalb des Fußballs übersehen. Das ist nicht nur in Dortmund Fakt.
Fußball findet man auf allen Fernsehkanälen. Die Öffentlich-Rechtlichen, die eigentlich eine Grundversorgung im Sport gewährleisten müssten, verfehlen ihren Auftrag gründlich. Die „Sportschau“ zeigt samstags ausschließlich Fußball, notfalls bedient sie sich in der dritten Liga. Als Zeichen der „Vielseitigkeit“ gibt es Samstagabends noch für viel Geld der Gebührenzahler „Boxevents“, die zu Jahrhundertkämpfen hochgejubelt werden und wegen viel zu dicker, schlecht trainierter oder untalentierter Gegner kaum das Niveau von Schlüters Boxbude auf dem Münsteraner Send erreichen. Und irgendwann werden ARD, ZDF oder RTL das Kaffeetrinken der Mannschaften vom Spiel der Woche live übertragen, wenn ein paar Kilometer weiter die deutschen Leichtathletik- oder Schwimm-Meisterschaften über die Bühne gehen. Fußball bewegt die Massen, ist Gesprächsthema Nummer eins, in der U-Bahn, in der Kneipe, am Arbeitsplatz. Und er ist mittlerweile ein großer Wirtschaftsfaktor.
Es wäre fatal, wenn sich der „Rest-“ oder „Randsport“ nur bemitleiden würde. Es gibt sie noch, die Vereine, die aus ihren Möglichkeiten das Optimum herausholen. Was fehlt, sind Visionäre, Leute, die anpacken und sich nicht vor Kleinarbeit scheuen, die über Jahre jäten, säen, um später die Früchte der Arbeit genießen zu können. Allerdings ist das leichter gesagt als getan, weil sie schnell erkennen, dass sie an Grenzen stoßen. Weil Sponsoren fehlen. Die Lage in Dortmund ist bedrückend, der Zustand der Sporthallen beschämend. 30 Erst- und Zweitligisten sind seit den 80-Jahren aus den obersten Ligen verschwunden, teilweise durch natürliche sportliche Schwankungen, teilweise haben sie resigniert und den Laden dicht gemacht oder sind im Hobbybereich verschwunden. Die meisten sind nicht mal sportlich abgestiegen, sondern haben den geordneten Rückzug angetreten. Nach dem Motto: Lieber ein Ende mit Schrecken...
Seit den 80-er Jahren geht's bergab
Das Sterben des Hochleistungssports in unserer Stadt begann in den 80-Jahren und setzte sich in den 90-ern nahtlos fort und verfiel danach in Agonie. Seitdem geht nichts mehr, viele gingen, nur wenige kamen. Seit mehr als zehn Jahren ist eine neue, bundesligareife, Dortmund angemessene Halle im Gespräch.
Die Gäste von auswärts rümpfen die Nasen, wenn sie in die Spiel-und Sportstätten kommen. Über eine Sportstiftung wird genau so lang diskutiert. Sie steht zwar schon auf dem Papier, aber passiert ist nichts. Mehr als ein Jahrzehnt lang!
12:41
In Essen sieht es auch nicht viel besser aus. Dort sind die großen Ballsportarten allenfalls 2.-klassig. Zum Vergleich auch die Landeshauptstadt:
Düsseldorf: DEG Metrostars (DEL), Borussia (1. Tischtennis Liga), Rochusclub (1.Tennis Liga), Panther ( 1. Football Liga), Fortuna (2. Fußball Liga), HSG (2. Handball Liga). Giants (2. Basketball Liga), Ddorfer HC (2. Feldhockey Liga)
Weitere 1.- und 2. Ligisten: http://www.duesseldorf.de/top/thema071/index.shtml
Aushängeschilde sind die Reitturniere in Grafenberg, der World Team Cub im Rochusclub und der Tischtennissport
Essen: SHC Rockets (1. Inline-Skaterhockey Liga), Horster Eck (1. Billard Liga), SG Essen (1. Schwimm Liga Damen u. Herren), Assindia Cardinals (1. Football-Liga), Etuf (1. Feld- und Hallenhocky Liga Frauen), TuSEM ( 2. Handball Liga), VV Human (2. Volleyball Liga), ETB Baskets (2. Basketball Liga).
Die Moskitos stehen kurz vor der Auflösung und schließen sich ggf. den SHC Rockets an. Das in Essen jahrelang so erfolgreiche Tennis ist ebenfalls Geschichte. Der Etuf wurde letztes Jahr mangels Sponsoren aus der 1. BuLi zurück gepfiffen. Und das, obwohl der Fußball derzeit nur 4.-klassig ist. Schwimm- und Kanusport mit diversen Veranstaltungen sind Aushängeschilder. Außerdem genießen die Segelregatta und das Beach-Volleyball-Masters hohe Akzeptanz.
06:22
Dortmund eine Sportstadt? Naja... Viele Dortmunder sind in Sportvereinen aktiv - aber außer den Fußballern reicht es nicht zu Spitzensport. Spitzensport kostet viel Geld - Sponsoren unterstützen lieber die Fußballer, weil da auch viele Menschen zusehen und man sich im Glanze des BVB sonnen kann. Man sieht aber doch an den Handballerinnen des BVB, dass selbst sie Schwierigkeiten haben, Gelder für ihren Spielbetrieb, Trainingslager, Fahrtkosten etc. aufzutreiben, da der Verein das Geld aus der KGaA nur für den Fußball nutzen kann.
Erstliga Eishockey, Handball, Basketball, Volleyball - alles passé, da auch geeignete Sportstätten fehlen. Hier wäre die Stadt gefragt.
Aber auch der Dortmunder Breitensport hat Probleme. Immer mehr Schulen entschließen sich zum Ganztagsunterricht. Wann sollen Kinder denn zum Sport? Schulen benötigen die Sporthallen teilweise bis 18 Uhr - Vereine können erst später die Hallen nutzen. Und um 19 oder 20 Uhr schickt kein Elternteil seine Kinder zum Sport - schließlich ist am nächsten Tag wieder Schule. Und wenn es hier an der Breite fehlt, wie soll da eine Spitze erreicht werden?
Mit dem Strukturwandel in Dortmund setzt die Stadt immer mehr auf Kultur. Konzerthaus und U verschlingen jährlich Millionen - für die Sanierung von Sportstätten sind aber keine Gelder vorhanden. Dortmund = Sportmund? Naja...
20:53
Also mir ist hier wieder zuviel schwarz-weiß sehen. Zum einen glaube ich nicht, dass irgendeiner möchte, dass es dem BVB nicht mehr so gut geht, nur damit andere Teams in der Stadt vielleicht besser da stehen. Allerdings ist auch fakt, dass die Sponsoren lieber ein Nebensponsor beim BVB sind als vielleicht ein Hauptsponsor bei einem anderen Team. Wie ich finde, sicherlich auch verständlich, Fußball ist nun einmal was die Präsenz angeht die klare Nummer Eins.
Die Frage ist doch, was kann die Stadt, die lokale Wirtschaft und die einzelnen Vereine tun, damit neben dem BVB vielleicht mal wieder ein weiterer Bundesligist in Dortmund beheimatet ist? Und hat die Stadt da überhaupt Interesse daran?
Wie gesagt, ich verfolge das Thema als BVB-Dauerkartenbesitzer und Fan des SVD, EHC und der Giants schon über einen langen Zeitraum und bisher habe ich da nie konkrete Aussagen vernommen.
Und was die anderen Städte angeht, Barcelona hat die Basketballabteilung nicht abgeschoben, die werden nächstes Jahr in der spanischen Liga und in der Euroleague wieder ein wichtiges Wort mitsprechen. Und in Essen gibt es ja immerhin 2.Ligisten im Basketball und Handball, die in einer neuen Sporthalle spielen (Okay, Eishockey in Essen geht gerade den Bach hinunter).
18:57
Die Metropolregion Barcelona hat sogar fast 5 Mio. Einwohner.
Wie kann man die Dreckstadt Dortmund mit Barcelona vergleichen?
18:56
Das ist doch Unsinn.
Es lioegt doch nicht am BVB, wenn die anderen Dortmunder Vereine nichts auf die Reihe kriegen.
Man muss doch nur mal hier nach Essen schauen. Da spielt der erste Fußballklub vor Ort in der vierten Liga. da wäre doch viel Platz für andere Vereine, sich zu profilieren. Aber wir lesen hier mehr über Insolvenzen als über sportliche Erfolge.
Da würden wir mit Dortmund schon ganz gerne tauschen.
18:06
Dieses Problem gibt es nicht seit gestern und auch nicht nur in Dortmund. Die Dominanz des Fußballs würgt andere Sportarten ab. Neben einem hochklassig spielenden Fußballverein ist es kaum möglich einen ebenso hochklassigen Verein einer anderen Sportart zu etablieren. Nur in bedeutenden Städten (Hamburg, Berlin) ist es dies gelungen.
Hamburg: HSV, HSV-Handball, Freezers; Berlin: Hertha, Füchse, Eisbären
Im beschaulichen Iserlohn gibt es nur niederklassigen Fußball, weshalb Iserlohn sich zurecht als Hockeytown bezeichnet. Hier sind die Roosters das sportliche Aushängeschild der Stadt und damit der wichtigste Werbeträger für die regionale Wirtschaft.
In Dortmund hingegen könnte man sämtliche Klinken der Stadt putzen, trotzdem könnte man keinen DEL-Club etablieren. Es fehlt an sowohl an interessierten Sponsoren, als auch an der notwendigen Infrastruktur. Die Eishalle ist völlig unbrauchbar und die unmittelbare Nachbarschaft zum Westfalenstadion ist auch eher ein Problem, als ein Segen. (Spreche aus Erfahrung)
17:39
Breitensport ist eine teuere Sache geworden!
Mit einer Arbeitslosenquote von ca. 12,7 offiziell (und eher 18,5% inoffiziell) können die wenigen Kinder- und Jugendliche (sowieso Mangelware) aus einkommensschwachen Schichten viele Sportarten nicht mehr finanzieren.
Die Kinder- und Jugendliche einkommenstarken Familien wiederum haben keine zusätzliche Zeit für den Bereitensport.
Turboabitur, Konkurrenzkampf um Markenartikel, mehr Schein- als Sein...
17:12
immer der Vergleich mit Pleitegeier BArca :)
Barca stößt die Basketballmannschaft ab - davon lese ich in diesem Artikel nix
Man wenn hier endlich mal Qualifizierte Journalisten ans Werk gelassen würden als immer diese Halbgaren Artikel, natürlich ist da irgendwo was dran aber die VErgleiche hinken schon etwas und die Storys sind dann für das Thema doch etwas zu oberflächlich
17:02
Immerhin haben wir in Dortmund einen der besten Fußballvereine weltweit!
Ich hab mich zwar noch nicht ganz genau mit der neuen Verteilung in den Amateurligen beschäftigt, aber über kurz oder lang wird es entweder Tus Eving, Brünninghausen oder der ASC Dortmund in die NRW Liga schaffen...
Für andere Sportarten wie Eishockey oder Basketball - wo ja durchaus Potential vorhanden ist - ist es halt nicht leicht aufgrund der tiefen Verwurzelung der Dortmunder mit dem BVB..
15:00
Luemmel04, ich erinnere mich noch gut an Hellweg. Und an den VfR Sölde: beide spielten sogar mal um den Aufstieg zur 2. Liga mit.
Und es gab sogar mal Zeiten, ich glaube in den 80ern, wo Dortmund im Basketball mit dem SVD in der 1. und mit dem ASC in der 2. Bundesliga zeitgleich vertreten war. Gleiche Konstellation auch beim Damenhandball: BVB in Liga 1 und Wambel in Liga 2.
2x Bundesliga in einer Sportart, das war ein Luxus!
Heute gibt es in vielen Sportarten Dritt- und Viertligisten.