Schnitzmeier beendet Profi-Karriere mit 24 Jahren

Aus dem Bauch heraus hat Anna-Bianca Schnitzmeier diese Entscheidung nicht getroffen. "Zwei Monate" habe sie mit sich gerungen, gibt die 24-jährige einstige Radsporthoffnung Dortmunds zu. Mit dem Ende der Saison 2014 beendet sie nun völlig überraschend ihre Karriere als Profi-Sportlerin.

Dortmund.. "That’s it. I’m out of the game", schrieb Schnitzmeier bei Facebook und Twitter. Ein eher schmuckloser Zweizeiler, darunter der Link zu einem Artikel auf einer Radsport-Website.

Schlussstrich gezogen

Mit 24 Jahren einen Schlussstrich unter eine Profi-Karriere zu ziehen, die doch gerade mal vor drei Jahren so richtig begonnen hat, da muss Gravierendes vorgefallen sein. Schnitzmeier gibt zu, dass das Rennjahr 2014 sehr unglücklich verlaufen ist. Mit Rückschlägen, Enttäuschungen und Verletzungen. Den Ausschlag aber, so nüchtern das klingen mag, gab am Ende das liebe Geld.

Zusätzlich zu ihrem Gehalt bei ihrem Rennstall bekam Schnitzmeier als Sportsoldatin bei der Bundeswehr eine Förderung. Eine Summe, auf die sie angewiesen war, "denn vom Radsport allein können im Frauenbereich die wenigsten leben." Schnitzmeier war stets eine wertvolle Helferin, nur die Spitzenfahrerinnen aber verdienen so gut, dass es für den Lebensunterhalt reicht.

Durchs Sieb gefallen

Mit dem Saisonende nun läuft die Förderung der Bundeswehr aus. Schnitzmeier ist durchs Sieb gefallen, "das Kontingent für Straßen-Fahrerinnen ist begrenzt, eine musste raus", sagt sie. "Und es traf mich, weil ich in dieser Saison schlechte Leistungen gezeigt habe." Damit bricht ihr wichtigstes Standbein weg.

Für ihr zweites Jahr im englischen Profi-Rennstall "Wiggle Honda" hatte sich die Dortmunderin eigentlich einiges vorgenommen. "Kopfprobleme" hätten sie gehemmt. "Und wenn der Kopf nicht will, kommen die Beine nicht mit." Im Frühjahr wurde sie sehr selten eingesetzt, erst mit der Thüringen-Rundfahrt im Juli kam die Form zurück, "da bin ich bei drei Etappen vorne mitgefahren." 22. wurde sie im August beim "Heimrennen", dem Sparkassen-Giro in Bochum. Auch in Frankreich fuhr sie danach zwei ordentliche Rennen. Dann der schwere Sturz bei der Ardeche-Rundfahrt im September.

Schwerer Sturz

Bei einer Abfahrt knallte sie mit voller Wucht aufs Gesicht, drei große Platzwunden mussten genäht werden, in eine hatte sich unbemerkt ein Steinchen gebohrt, das später herausoperiert werden musste. Dass das Sturzrennen ihr letztes als Profi sein sollte, schmerzt Schnitzmeier. "So will man ja nicht aufhören." Während der Verletzungspause aber reifte ihr Entschluss.

Sie sei mit sich im Reinen, sagt Anna-Bianca Schnitzmeier. Sie ist auch selbstkritisch genug, um zuzugeben, dass irgendwo auch ein Stück fehlte. Als Helferin genoss sie einen guten Ruf in der Szene, Schnitzmeier war immer die Teamplayerin, die ihre Interessen für andere hinten anstellte. "Ich wäre wohl nie Weltmeisterin geworden", meint sie. "Aber ich hätte mehr erreichen können. Nur hatte ich nicht den Mut, mal für mich zu fahren. Ich bin halt kein Egoist."

Bewerbung bei der Polizei

Lose Angebote gab es dennoch, erst jetzt ist ihr per Mail eins eines südafrikanischen Rennstalls ins Haus geflattert. Eine Anfrage vorerst, Anna-Bianca Schnitzmeier wird sie sich anschauen, aber eigentlich steht die Entscheidung. "Was hilft es, das Unvermeidliche nur ein, zwei Jahre aufzuschieben", sagt sie entschlossen. Sie ist schon dabei, ihre berufliche Zukunft voranzutreiben, eine Bewerbung bei der Polizei läuft. Radfahren, das wird sie nur noch als Hobby machen, auch wenn die Leidenschaft für den Sport noch groß ist.

"Ganz gut" gehe es ihr mit ihrer Entscheidung sagt sie zum Schluss, aber Anna-Bianca Schnitzmeier fügt ein leises "noch" hinzu. Spätestens, wenn das Frühjahr beginnt, könnten noch ein paar schmerzhafte Wochen folgen.