Reise ins Handball-Entwicklungsland
20.06.2007 | 08:58 Uhr 2007-06-20T08:58:11+0200Mannschaftsfahrten sind zum Saisonabschluss Standard. Während Senioren gerne auf Mallorca feiern, treibt es Jugend-Mannschaften an die verschiedensten Plätze Europas. Dass ein Handball-Team wie die B-Jugend des HC Do-Süd nach England fährt, ist allerdings
Handball goes to Liverpool? Handball auf der Insel, dem Mutterland des Fußballs, wo einige Traditionalisten allenfalls Rugby, den urwüchsigen Ahnen des American Football akzeptieren? Handball im United Kingdom, dem Königreich, das neben dem Football für seine High Society noch Tennis, Cricket, Golf, Galoppsport oder Polo pflegt? Nein, die Bezeichnung "Randsportart" spiegelt den Handball-Stellenwert in England nur unzureichend wider.
Auch Margrit Schulte-Beerbühl hatte keinen Gedanken an Handball im Kopf, als sie vor einem Jahr in Liverpool war. "Deutschstämmige Briten" waren das Thema der Historikerin, und als sie die deutsche Kirche in Liverpool besuchte, da wurde gerade Jason McInally konfirmiert.
Tief im Schatten von Football, Rugby, Tennis oder Golf
Das Gespräch unter Müttern offenbarte dann die große Überraschung. Die in Deutschland geborenen Patricia McInally und Margrit Schulte-Beerbühl aus Dortmund stellten fest: Ihre Söhne Jason und Rouven hatten das-selbe Hobby: Handball!
Und dann geschah genau das, was eine der wichtigsten Grundvoraussetzung für erfolgreichen Jugendsport ist: Eltern engagieren sich. Die Idee eines Besuchs der B-Jugend des HC Süd beim "Liverpool and Merseyside Handballteam" wurde geboren.
Patricia McInally arbeitete in Liverpool, Margrit Schulte-Beerbühl in Dortmund, und sie konnten mit ihrer Idee begeistern, Geldgeber finden: Das Fremdenverkehrsamt in Liverpool öffnete seine Kasse, in Dortmund half der Stadtsportbund, auch die "UK-German-Connection" förderte, eine Jugendstiftung, die vor zwei Jahren Queen Elisabeth höchstpersönlich gemeinsam mit Bundespräsident Horst Köhler ins Leben gerufen hat.
Am 7. Juni, frühmorgens am Fronleichnams-Feiertag machte sich die Dortmunder Handball-Delegation auf den Weg nach Liverpool: 14 Jungs, Hansi Samborski und Tochter Anna-Lena als Trainer sowie drei weitere Erwachsene als Betreuer - natürlich aus dem Kreis der Eltern - brachen auf ins "Handball-Entwicklungsland" um vier tolle Tage zu erleben.
Wild romantisch die Unterbringung in dem kleinen aber feinen Fachwerk-Hotel am Fuße der berühmten Widnes-Runcorn-Bridge über den River Mersey. Und prall gefüllt war das dreitägige Programm für die Jugend-Handballer aus dem Land des Weltmeisters: Zunächst wurde gegen eine heimische Mannschaft Fußball gespielt - natürlich. Dann war eine Trainingseinheit mit dem Halton-Rugby-Club geplant. Weil der Rasen des großen Halton-Stadium gesperrt war, fiel das Rugby-Training aus, aber als Entschädigung gab es ein unschlagbares Souvenir: drei Bälle und ein Trikot-Satz.
Ach ja, Handball gespielt wurde auch noch, gegen zwei lokale Jugend-Mannschaften. Trainer Hansi Samborski ist bei der Erinnerung noch immer beeindruckt: "Das waren zwar eher A-Jugend-Teams, aber wir haben nicht gut ausgesehen." Also doch mehr als nur ein Entwicklungsland? Schließlich arbeiten die Briten daran, bis zu den Olympischen Spielen 2012 in London eine schlagkräftige Nationalmannschaft aufzubauen.
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