Radsporttalent mit Sehnsucht nach Sonne
20.04.2010 | 19:04 Uhr 2010-04-20T19:04:00+0200
Wer Anna-Bianca Schnitzmeiers Seite im Internet-Netzwerk „facebook” aufruft, hat den Eindruck das Profil einer ganz normalen Jugendlichen angeklickt zu haben.
Neben ihrem Foto, das die junge Dortmunderin mit Blumenkette zeigt und an einen Partyschnappschuss erinnert, beschreibt sich Schnitzmeier dort als „immer gut gelaunt und das Leben genießend.”
Sobald man jedoch ein bisschen mehr über die 19-Jährige erfährt, wird schnell deutlich, dass sie doch keine so normale Jugendliche ist. Von wegen Party. Als Radsportlerin sind die Wochenenden der Nationalfahrerin für die Rennveranstaltungen reserviert. Seit Januar sitzt sie für das Dortmunder Team „Nutrixxion Lady" an den Start. Das Team selbst beschreibt sie schon jetzt als „das Beste, was mir je passieren konnte". Die Begeisterung bezieht Schnitzmeier vor allem aus dem „super Teamgeist” und der guten Organisation.
Um gut vorbereitet in die ersten Rennen des Jahres zu starten, stehen momentan sechs Trainingseinheiten pro Woche auf dem Programm. Aufgrund des harten Winters stand das Outdoor-Training bisher jedoch eher im Hintergrund. Anfang März ging's für die 19-Jährige zusammen mit den anderen „Ladys” für einige Tage ins Trainingslager auf Mallorca. „Dafür hat ich zum Glück schulfrei bekommen”, berichtete Schnitzmeier mit spürbarer Sehnsucht nach Sonnenschein und wärmeren Temperaturen.
Durch ihren radsportbegeisterten Vater, der zusammen mit einem Freund die Radsportabteilung des ASC 09 gründete, ist die angehende Abiturientin quasi schon erblich vorbelastet. Trotzdem beschreibt sie ihren Start in das Radsportgeschehen als „relativ unspektakulär”. Nachdem sie 2001 mit ihrem Vater bei den Versatel Classics zugeschaut hat, wollte sie „so was auch mal ausprobieren”. Die richtige Begeisterung für den Radsport entfachte sich bei ihr erst später, als Schnitzmeier bewusst wurde, „wie schnell man die anderen mit genug Kraft in den Beinen am Berg stehen lassen kann.”
Auf der Suche nach mehr solcher Momente landete die Wambelerin 2008 bei der WM in Südafrika mit dem elften Platz in der U19 ihren bisher größten Erfolg. Um auch in den nächsten Jahren im Frauenradsport erfolgreich zu sein, hat sich die angehende Abiturientin bereits für ein Förderprogramm der Polizei beworben.
„Das gäbe mir weiterhin die Chance, genug Zeit fürs Training aufbringen zu können", erzählt Schnitzmeier hoffnungsvoll, die zudem 30 Rennen pro Jahr fährt.
Und so bleiben die Partyschnappschüsse, die von anderen jugendlichen Online-Netzwerk-Usern oft wöchentlich aktualisiert werden, bei Anna-Bianca Schnitzmeier wohl auch während der Radsportsaison 2010 eine absolute Rarität.
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