Noch ein Sieg fehlt - das müsste dann reichen
13.02.2011 | 20:23 Uhr 2011-02-13T20:23:00+0100Die Damen sind sehr sensibel, wenn es um die Beurteilung ihrer Leistungen geht. Also wird das Pferd diesmal von hinten aufgezäumt. Der 29:24 (15:10)-Sieg gegen den FSV Mainz 05 reicht, um auf Platz fünf zu springen und den Vorsprung auf den Tabellenachten, SV Allensbach, auf sieben Zähler auszubauen. Na prima. Rang sieben muss es am Ende schon sein, wenn die Qualifikation für die eingleisige zweite Liga gelingen soll.
Doch schon beim Abstand muss relativiert werden: Allensbach hatte spielfrei. Und ein Sieg gegen den FSV, der in vierzehn Spielen einen Punkt holte, ist auch nur eine Pflichtübung, zumal der BVB schon in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt mit 29:11 gewonnen hatte. „Doch Mainz“, hatte Gustl Wilke schon vorher gewarnt, „ist nicht mehr mit der Mannschaft der Vorrunde zu vergleichen. Stimmt, sie verliert nicht mehr so hoch. „Aber irgendwie“, fuhr Wilke fort, „haben meine Damen da nicht zugehört. Einstellung kann man nicht trainieren, man muss sie mitbringen.“ Soll heißen: so richtig ernst haben sie den Gegner nicht genommen. Und dann sprach er - immer noch unter dem Eindruck der nicht gerade vom Sitz reißenden 60 Minuten - von „Gegurke“.
Nun könnte man zur Ehrenrettung der Borussinnen sagen, dass auch sie nicht mehr viel mit der Aufstellung aus dem Herbst 2010 gemein haben: Magdalena Chemicz, Dagmara Kowalska, Natasa Kocevska und Zuzana Porvaznikova fehlten - wie hinlänglich beklagt - krankheits- bzw. verletzungsbedingt.
Doch gerade ihre Vertreterinnen machten auf sich aufmerksam. Torfrau Helen Trodler wurde zur „Spielerin des Tages“ gewählt, weil sie u.a. drei Siebenmeter und weitere 13 Bälle (u.a. Gegenstöße und frei vom Kreis) parierte. Sonst wär’s vielleicht sogar eng geworden. Und die wegen der Verletzungungsmisere nachträglich verpflichtete Svenja Spriestersbach hatte einige schwächere Szenen, die auf ihre noch nicht hundertprozentige Fitness zurückzuführen sind, traf aber trotzdem sieben, Karina Schäfer fünf und Steffi Glathe acht Mal (8/6).
Diese Drei hatten also in etwa die Quote des ausgefallenen Trios, in dessen Schatten sie oftmals standen. Und trotzdem hakte es an allen Ecken und Enden, so dass nur wenige sehenswerte Szenen und Tore zu bestaunen waren. „Ich kannte die personellen Probleme von Gustl und hätte gerne einen Punkt mitgenommen“, ärgerte sich Mainzens Trainerin Karin Euler, die an Niederlagen gewöhnt ist. Aber gegen diesen BVB sah auch sie eine Chance. Eulers schwacher Trost: Mainz gestaltete die zweite Halbzeit 14:14.
„Letzte Woche war ich zufrieden - aber da haben wir verloren“, sagte Gustl Wilke, „heute ist es umgekehrt. Auch die Spielerinnen waren, wenn ich ihre Bemerkungen richtig interpretiert habe, von der Mannschaftsleistung nicht gerade begeistert.“ Jetzt geht’s nach Bad Wildungen, dann kommt Bensheim-Auerbach, danach wartet die Auswärtspartie in Zwickau. Es könnte sein, dass Wilke dann - mit drei Niederlagen im Gepäck - wieder zufriedener sein wird, weil sich der BVB gegen die oben angesiedelten Mannschaften besser verkauft.
Noch ein Sieg gegen Allensbach fehlt dem BVB, dann dürfte er am Ziel sein. Und dann sollte auch das wegen der vielen Verletzungen verflixte Kapitel 2010/11 schnell zugeklappt werden.
BVB: Trodler, Wilkus; Spriestersbach (7), Tomlik, Schäfer (5), Rynas, Glathe (8/6), Brandes (2), Kramer (1), Vietz (2), Schlierkamp, Wolf (3), Scholl (1).
INFO:
Alice Vogler oder Meike Neitsch
Die Nachfolgerin von Trainer Gustl Wilke würde sich, so wurde vorher vom BVB gemeldet, die Partie der Borussinnen gegen Mainz 05 ansehen. Alice Vogler, als Trainerin der zweiten häufig Augenzeuge der Spiele der ersten Mannschaft (auch weil sie dort ihre eigenen Spielerinnen beobachtet), war jedenfalls da. Ihr werden gute Chancen eingeräumt. Schließlich ist sie mit dem BVB 2 Tabellenführer der Oberliga.
Doch es war noch eine zweite Kandidatin anwesend: Meike Neitsch, geb. Bötefür, absolvierte 1993/94 für den BVB elf Spiele und für die deutsche Nationalmannschaft insgesamt 135 A-Länderspiele (200 Tore). Sie war zuletzt hinter Renate Wolf in der zweiten Trainerreihe bei Bayer Leverkusen (Regionalliga) und in der Nachwuchsförderung tätig. Dort hat sie sich einen ausgezeichneten Ruf erworben.
Eine Entscheidung über die Wilke-Nachfolge soll in den nächsten Tagen fallen.
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